Der USDC-Emittent Circle veröffentlicht seine Quartalszahlen und erklärt, wo die Reise hingehen soll. Oberflächlich wirken die Zahlen gut: Der Gewinn je Aktie liegt mit 84 Cent mehr als doppelt so hoch wie erwartet. Die Börse reagiert aber zunächst verhalten und trotz boomender USDC-Nutzung herrscht bei Circle womöglich Handlungsbedarf.
Der Schein trügt
Auf den ersten Blick scheint bei Circle alles glatt zu laufen. Nettogewinn und EBITDA steigen, und der Gewinn je Aktie ist mehr als doppelt so hoch wie erwartet. Zudem zieht das USDC-Transaktionsvolumen stark an: ein Plus von 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein tieferer Blick in den aktuellen 10-Q zeichnet allerdings ein besorgniserregenderes Bild.
Ein großer Teil des Gewinns stammt nämlich nicht aus dem Kerngeschäft, das zuletzt kränkelt – die Zinserträge aus den Reserven schrumpfen im Jahresvergleich um 8 Prozent – sondern aus dem Presale des ARC-Tokens. Circles eigene Blockchain Arc mit dem nativen Token ARC ist Mitte September gestartet. Bereits im Mai und Juni hatte Circle Token im Wert von 242 Millionen US-Dollar an institutionelle Investoren verkauft, wovon jetzt rund 182 Millionen im dritten Quartal verbucht wurden. Ein Einmaleffekt, der so nicht wiederkehrt.
Ohne diesen sehen Circles Zahlen nicht mehr so gut aus. Sowohl Umsatz und Reserveerträge als auch die Gewinnmarge fallen, wenn man ARC aus der Betrachtung herausnimmt. Dazu kommen hohe Distributionskosten. Allein 331 Millionen US-Dollar, also gut die Hälfte der Reserveerträge, gingen an Coinbase. Das ist beachtlich, schließlich sind die Reserveerträge Circles Brot und Butter Geschäft. Und obwohl rund fünf Prozent der Stellen abgebaut wurden, steigen die operativen Kosten um 16 Prozent. Das dürfte erklären, warum die Börse trotz des Gewinnsprungs zurückhaltend reagiert.
Wie Circle das Ruder herumreißen will
Im Earnings-Call zeigt sich Circle optimistisch für die Zukunft. Im Zentrum der Strategie steht auch hier wieder die hauseigene Blockchain Arc samt Token. Künftig will das Unternehmen an Staking-Rewards, Token-Verkäufen und Ecosystem-Incentives verdienen. Die Staking-Rewards sollen dabei der größte Treiber werden, denn der Stablecoin-Riese will seine eigenen ARC-Token staken und selbst als Validator im Netzwerk mitwirken. „Das dürfte die wichtigste wiederkehrende Einnahmequelle für Circle aus Arc werden“, so CFO Jeremy Fox-Geen. Sie solle mit der Zeit weiter wachsen.
Circle hält rund 25 Prozent aller ARC-Token. Zum Presale-Preis wären diese rund 750 Millionen US-Dollar wert, in der Bilanz tauchen sie bislang aber gar nicht auf. Neben Arc sollen Partnerschaften wie die mit Binance den USDC-Umlauf steigern. Jedoch erhöhen solche Deals zugleich die Distributionskosten und drücken in der Konsequenz die Marge – Fox-Geen antizipiert selbst einen Rückgang für das vierte Quartal.
Es zeichnet sich ab, dass sich das Unternehmen vom Stablecoin-Kerngeschäft weg diversifizieren und mit weiteren Standbeinen Gewinne einfahren will. Die neuen Erlösquellen sind bislang aber noch klein, und auf einen Schub wie durch den ARC-Presale sollte man vorerst nicht hoffen. Darüber hinaus hängt die Abhängigkeit vom Zinsniveau wie ein Damoklesschwert über der Zukunft des USDC-Emittenten.
