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Fähnchen im Wind Sparkassen gegen Bitcoin: Ein bedauerliches Eingeständnis

Der Deutsche Sparkassen und Giroverband hat sich am Montag, dem 27. Juni, gegen die angedachte Einführung des Krypto-Handels entschieden. Angst und Opportunismus haben sich damit vor die Innovation gestellt. Ein Kommentar.

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 3 Minuten
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Sparkassengebäude

Beitragsbild: Shutterstock

| Ein typisches Sparkassengebäude in Leizpig (2021)

In den letzten Monaten bestand die Hoffnung, dass sich die deutschen Sparkassen für den Handel mit Kryptowährungen öffnen. Mehrere Monate hatte man innerhalb des Verbandes über die Krypto-Etablierung diskutiert. Nun ist an diesem Montag die Entscheidung gegen eine Wallet gefallen, die Kryptowährungen wie Bitcoin unterstützt. Stattdessen setzt man lediglich auf eine Walletlösung für tokenisierte Wertpapiere, wie zum Beispiel Immobilienschuldverschreibungen.

Sparkassen: Der Glaube an das Analoge überwiegt

Als Kreditanstalten des öffentlichen Rechts können und müssen Sparkassen nicht die Innovationskraft eines Fintechs erfüllen. Sehr wohl müssen sie aber ihre Zukunftsfähigkeit als Universalbank sicherstellen. Die Haltung der Sparkassen-Finanzgruppe gegenüber Kryptowährungen lässt Zweifel an ihrem Innovationswillen aufkommen.

So heißt es in der Begründung des Deutschen Sparkassen und Giroverband (DSGV), dass es die Aufgabe von Sparkassen sei, “Kunden vor unkalkulierbaren Risiken zu schützen. Deswegen empfehlen die Gremien den Instituten der Sparkassen-Finanzgruppe, den Handel mit Kryptowährungen nicht anzubieten”. Eine treibende Kraft dürfte unter anderem DSGV-Chef Helmut Schleweis gewesen sein, der äußerte, dass er Kryptowährungen seinen Kunden nicht empfehlen könnte. Der Präsident der bayrischen Sparkassen, Ulrich Reuter, geht sogar noch einen Schritt weiter und sagte Kryptowährungen Ähnlichkeiten mit Schneeballsystemen nach, wie es laut Medienberichten heißt.

Kunden wie Kinder behandeln

Mit der Entscheidung gegen Kryptowährungen zeigt sich eine gewisse Überheblichkeit. Es ist anscheinend vollkommen in Ordnung, dass Sparkassen via Brokerage ihren Kunden Zugang zu Hebelzertifikaten und Pennystock-Aktien anbieten, die schnell zum Totalverlust führen. Doch Bitcoin, der in der Krise weniger korrigiert hat als viele Tech-Aktien, ist zu risikoreich? Es scheint, dass es für die Sparkasse sehr wohl “unkalkulierbare Risiken” gibt, die hingenommen werden.

Kunden werden damit wie Kinder behandelt, denen man vorschreibt, was sie tun dürfen. Kein Wunder, dass sich das viele Kunden nicht gefallen lassen und Gelder gen Trade Republic oder Coinbase abziehen. Im vollen Bewusstsein lässt man lieber Kundengelder zur Konkurrenz abwandern, als Gefahr zu laufen, ein “Krypto-Schmuddelimage” zu bekommen. Junge und digitalaffine Kunden hält man so nicht.

Sparkassen: Wie Fähnchen im Wind

Auch zeigt sich in der Entscheidung ein marktabhängiger Opportunismus. Vor einem halben Jahr im “Bullenmarkt” wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen. Da nun aber Innovationswerte stark korrigiert haben und damit auch ihr Image, will man plötzlich nichts mehr damit zu tun haben. Wahrscheinlich muss erst wieder eine neue Krypto-Blase respektive Euphorie entstehen, in der sich Sparkassen dann zum Höhepunkt der Kurs-Rallye doch entschließen werden, Krypto-Handel anzubieten, zum Nachteil ihrer Kunden, die dann im Anschluss viel Geld verbrennen werden.

Gerade in Zeiten von hoher Inflation braucht es Alternativen zum Girokonto und unzumutbaren Produkten wie kapitalgedeckten Lebensversicherungen, siehe Riesterrente. Derart teure und unsinnige Finanzprodukte zu vertreiben, scheint kein Problem für die Sparkassen sein zu. Den Vertriebsprovisionen ist man sich dann doch nicht zu schade.

Security Token als Trostpflaster

Dass man sich wenigstens für digitale Wertpapiere öffnet, mag ein Trostpflaster sein. Mit einer Befriedigung der Kundenbedürfnisse hat dies allerdings nichts zu tun. Kaum jemand dürfte bei seinem Sparkassenberater nachgefragt haben, ob es auch digitale Schuldverschreibungen zu erwerben gibt.

Anders sieht es bei Kryptowährungen aus. Viele Kunden würden sich wünschen, diese bei ihrer Hausbank, der sie voll und ganz vertrauen, zu erwerben. Daraus wird jetzt nichts. Anstatt verbraucherfreundliche Pionierarbeit zu leisten, erhöht man die Wahrscheinlichkeit, dass unbedarfte Kunden mit Kryptwunsch bei schwarzen Schafen landen.

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