Bis zu 65 Prozent Security Token: Die Kostenvorteile von digitalen Wertpapieremissionen
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 7 Minuten

Wertpapieremissionen an der Börse

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Security Token und deren Emission durch so genannte Security Token Offerings (STOs) sind deutlich günstiger als ihr traditionell verbrieftes Äquivalent, so zumindest die Annahme. Eine neue Studie, die BTC-ECHO exklusiv vorliegt, geht dieser Behauptung auf den Grund und versucht konkrete Zahlen zu den angeblichen Vorteilen zu liefern. Mit welchen Kosten man bei einer digitalen Wertpapieremission rechnen kann und wo die konkreten Einsparpotentiale liegen.

Oft liest man, dass Security Token Effizienz- und Kostenvorteile gegenüber traditionell verbrieften Wertpapieren mitbringen. Dass sich immer mehr Banken und Finanzunternehmen mit der Tokenisierung von Wertanlagen auseinandersetzen, ist ein Zeichen dafür, dass etwas an der Behauptung dran ist. Dennoch fehlt es an konkreten Zahlen, die einordnen, wie hoch die Kosteneinsparungen für die einzelnen Prozesse bei Wertpapieremissionen sind.


Um hier für mehr Klarheit zu sorgen, haben der Token-Custody-Anbieter Finoa und das Tokenisierungs-Start-up Cashlink eine gemeinsame Studie erarbeitet. Unter dem Titel „Cost Disruption in the Issuance Market“ zeigen die beiden Krypto-Unternehmen auf, warum das neue Medium Token der urkundlichen Verbriefung überlegen ist.

Zwischen 35 und 65 Prozent Kosteneinsparungen bei STOs

Vorab muss man festhalten, dass jede Wertpapieremission eine individuelle Kostenstruktur hat, sodass es nicht auf den Euro genau möglich ist zu sagen, wie teuer eine Wertpapieremission von Anfang bis Ende ist. Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Einsparungen durch tokenisierte Assets zwischen 35 und 65 Prozent gegenüber herkömmlichen Wertpapieremissionen liegen. Man kann also schon mal festhalten, dass es sich um signifikante Kosteneinsparungen handelt, die sowohl auf geringere Setup-Kosten als auch jährliche wiederkehrende Kosten zurückzuführen sind. Wie sich diese Einsparungen zusammensetzen zeigt die folgende Grafik:

Quelle: Cost Disruption in the Issuance Market, Finoa / Cashlink

Schritt für Schritt: Sparpotentiale aufgedeckt

Bevor man ein Wertpapier begibt, ist, sofern man sich nicht nur an bestimmte Anlegergruppen widmet, ein Wertpapierprospekt oder Wertpapierinformationsblatt notwendig. Hier können schnell viele tausende Euro an Anwaltskosten auf einen zukommen, damit man eine Genehmigung von der BaFin erhält. Da dieser Schritt nicht wirklich digitalisiert werden kann, gibt es hier auch keine Kostenunterschiede zwischen alter und neuer Welt.

Primärmarkt – Wertpapieremissionen per Knopfdruck

Die Preisvarianz bei der Primärmarktbegehung ist am größten verglichen mit den anderen Emissionsphasen. Der Grad an Digitalisierung kann hier zu Kosteneinsparungen von bis zu 68 Prozent führen. Viele manuelle und personalintensive Schritte bei der Emission können durch den digitalen Herausgabeprozess eingespart werden. So kann man sich beispielsweise die manuelle Einbuchung bei einem Zentralverwahrer sparen, ergo die Mittelsmänner-Aktivität reduzieren.f

Verwahrung und Verwaltung – Schlankere Prozesse durch Token-Infrastrukturen

Auch wenn sich die Verwahrgebühren zwischen traditionellen und digitalen Assets nicht direkt unterscheiden, lassen sich Kostenvorteile bei den wiederkehrenden und Setup- Gebühren ausmachen. So sollen laut der Studie traditionelle Setup-Kosten um bis zu drei bis viermal so hoch sein wie bei der Token-Variante. Insbesondere mit steigender Investorenanzahl kommen die Kostenersparnisse der digitaleren Verwaltung zum Tragen.

Dieser Kostenvorteil erklärt, warum einige Tokenisierungdienstleister dem Narrativ „Private Equity für Kleinanleger“ nacheifern. Durch Senkung der allgemeinen Transaktionskosten kann es für Gesellschaften wirtschaftlich interessanter werden, auch kleinere Ticketgrößen zu akzeptieren. Ein Beispiel in Deutschland für zwei solcher Anbieter, die diesem Narrativ folgen, sind die Hamburger Unternehmen CAPinside und FINEXITY.

Sekundärmarkt – So wenig Mittelsmann wie möglich

Während bei Kryptowährungen wild gehandelt wird, gibt es bei regulierten Security Token noch keinen richtigen Sekundärmarkt. Dieser muss sich, insbesondere in Abhängigkeit einer angepassten Gesetzgebung, erst noch etablieren. Dennoch kann man klar festhalten, dass die Handelskosten und Abwicklungsgebühren deutlich unter denen von traditionellen Wertpapieren liegen.

Insbesondere ist hier die Nicht-Notwendigkeit von Mittelsmännern wichtiger Bestandteil der Kosteneinsparungen. So können sich Investoren direkt mit der Börse verbinden oder sogar auf dezentralen Börsen traden, sofern dies die Regulatorik zukünftig zulässt. Gerade bei den Trading-Gebühren im stark frequentierten Handel soll laut Studie das Einsparpotential bei bis zu 80 Prozent liegen. Des Weiteren ergeben sich im Blockchain-Sekundärhandel Vorteile, die nicht immer unmittelbar mit Kosteneinsparungen verknüpft sind, wie besseres Liquiditätsmanagement oder ein potentiell internationalerer Kreis an Investoren und Tradern.

Die 50 Millionen Euro Fallstudie

Um nicht nur mit Prozentangaben zu arbeiten, haben Finoa und Cashlink ein Fallbeispiel durchgerechnet, in dem sie die Kosten einer tokenisierten und traditionellen Emission gegenüberstellen.

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Quelle: Cost Disruption in the Issuance Market, Finoa / Cashlink

Wie eingangs erwähnt bestehen aktuell noch keine Kostenvorteile im rechtlichen Part. Bei der Erstellung eines Wertpapierprospektes und Informationsblattes sowie der Strukturierung des Wertpapieres fallen in gleichen Teilen Kosten an. Die Gesamtkosten für die Pre-Issuance setzt man in dem Fallbeispiel für beide Varianten auf 107.500 Euro an.

Anders sieht es bei der Primärmarktbegebung aus. Bei traditionellen Verbriefungen werden in der Regel Investmentbanken oder vergleichbare Mittelsmänner beauftragt. Diese beanspruchen wiederum einen relativ hohen Teil des Emissionsvolumen an Gebühren für sich. Der vergleichbare Service kann wiederum günstiger von Tokendienstleistern erbracht werden. Zumal auch hier gilt, dass es sich zu einem hohen Teil um fixe Kosten handelt. Mit steigendem Volumen wächst also auch der Vorteil der günstigeren Tokenisierungs-Infrastruktur. Für die traditionelle Begebung veranschlagt man in der Studie Kosten von rund 180.000 Euro. Bei der digitalen Variante sind es hingegen nur 80.000 Euro.

Im Zuge der geringeren Setup- und jährlich wiederkehrenden Kosten kommt man im Fallbeispiel unter Custody and Asset Service auf eine Ersparnis für die Token-Variante von 87.000 Euro. Die Ersparnisse rund um die Wallet lassen sich auch auf den Sekundärmarkt übertragen. Schließlich können auch hier durch Umgehung kostspieliger Intermediäre und Handelsplattformen Kosten eingespart werden. Die Netzwerkgebühren bei digitalen Assets sind im Vergleich zu den Brokerage-Gebühren und den Kosten durch eine zentrale Abwicklungsstelle wie Clearstream in Deutschland deutlich geringer. Für das Fallbeispiel wird den Handelsgebühren einer traditionellen Verbriefung von rund 1.700 Euro lediglich Gebühren von rund 300 Euro in der tokenisierten Variante entgegengesetzt.

Was gibt es zu beachten?

Natürlich haben die Ersteller der Studie, Finoa und Cashlink, ein Interesse daran, dass digitale Wertpapieremissionen in einem besonders guten Licht stehen. Das ändert dennoch nichts an der Tatsache, dass die Argumente für eine Tokenisierung valide und nachweisbar sind. Dass das Medium Token effizienter als die traditionelle Wertpapierverkörperung ist, lässt sich nicht bestreiten. Die gelieferten Zahlen in der Studie bieten daher einen wichtigen Ankerpunkt für viele Unternehmen und Finanzdienstleister, die sich noch unsicher sind, ob eine Tokenisierung wirklich Vorteile mit sich bringt.

Diese Unsicherheit schlägt sich aktuell vor allem im rechtlichen Aspekt der Tokenisierung nieder. Zwar werden in dem Fallbeispiel die Kosten für die Pre-Issuance als identisch angesehen, allerdings fehlt es bei digitalen Assets noch an Erfahrungswerten und rechtlicher Klarheit. Pioniere, die hier den digitalen Börsengang wagen, laufen zumindest Gefahr, mit größeren rechtlichen Unklarheiten konfrontiert zu werden. Ebenfalls ist man als Emittent mit der Unsicherheit auf Anlegerseite und daraus resultierenden Vorbehalten konfrontiert.

Um einen klaren und funktionalen Rahmen zu schaffen, entstehen daher rund um die digitale Wertpapieremission neue, zeitgemäße Gesetze. Man sollte sich entsprechend immer die Abhängigkeit von der Regulatorik bewusst machen. Wie viel günstiger eine Tokenisierung ist, kann in letzter Instanz weniger von den technischen als von den regulatorischen Rahmenbedingungen abhängen. Beispielsweise müssen seit diesem Jahr Token-Verwahrer eine Lizenz bei der BaFin beantragen.

Warnschuss für die Old Economy

Die generelle Umstellung auf das Medium Token als ein neuer Standard schafft auch Vorteile, die man nicht unmittelbar mit Blockchain und Token assoziiert. So bietet die neue Finanzinfrastruktur den Anlass auch alle Hintergrundprozesse schlanker und digitaler aufzustellen. Die Transformation auf das Medium Token ist somit eine gute Möglichkeit alte Strukturen aufzubrechen und sauber neu aufzusetzen. Theoretisch könnte man so die Kostenvorteile der Tokenisierung in direkte und indirekte Einsparungspotentiale unterteilen.

Traditionelle Finanzdienstleister, die sich grundsätzlich mit der Digitalisierung schwertun, werden nun durch die Tokenisierung mehr denn je angezählt. Die Studie ist ein Warnschuss für diejenigen Finanzhäuser, die glauben, sich nicht schnellst möglichst digital transformieren zu müssen. Die nächste Generation an jungen und digitalaffinen Unternehmern steht jedenfalls bereit, um den etablierten Playern ihre Marktanteile abzunehmen.

Wer mehr zu der Studie erfahren oder diese anfordern möchte, kann sich sowohl an Finoa als auch an Cashlink wenden. Diese können unter der folgenden E-Mail-Adresse kontaktiert werden: [email protected] und [email protected]


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