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Coin der Woche Wie sich die russische Bevölkerung mit einem Privacy Coin vor den Sanktionen drückt

Während die westlichen Mächte versuchen, russische Banken und Privatpersonen vom internationalen Zahlungsverkehr auszuschließen, verzeichnet die größte Privacy-Währung Monero (XMR), ein dickes Plus. Was macht XMR attraktiv für seine Nutzer:innen?

Marlene Müller
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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Wird Monero nun mehr in Russland verwendet?

Beitragsbild: Shutterstock

Am 21. Februar unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin die Anerkennung der “Volksrepubliken” Donezk und Luhansk durch Russland. Am 22. Februar entsendete er Truppen, worauf der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seinem Heimatland den Kriegszustand ausrief. Seit dem 24. Februar tagen die europäischen und amerikanischen Gremien und veranlassen seitdem nach und nach eine Reihe vpnSanktionen gegen Russland. Diese nehmen von Tag zu Tag an Strenge zu.

Aufgrund der nicht aussetzenden Gewalthandlungen Russlands beschloss die EU in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar Russlands Ausschluss vom SWIFT-System. Im gleichen Zeitraum schoss der Kurs des Privacy- Coins Monero (XMR) in die Höhe. Insgesamt verzeichnete der XMR Token in den letzten sieben Tagen ein Plus von über 20 Prozent und notiert zur Zeit des Schreibens bei einem Wert von 179,03 US-Dollar. Ist das Zufall?

Monero, der größte Privacy Coin

Diese Frage lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten, denn eine (eigentlich die) Kerneigenschaft von Monero ist, dass er eben ein privater Coin ist, über deren Nutzer:innen und dessen Verwendung sich sehr wenig aussagen lässt. Mit Stealth Adressen, Ring Signatures und Ring Confidential Transactions (Ring CT) haben sich die etwa 30 Entwickler:innen alle Mühe gemacht, diese Kryptowährung zum digitalen, anonymen Bargeld-Pendant zu machen.

Dies fand bislang eine verhältnismäßig große Anhängerschaft. Aktuell verzeichnet XMR eine Marktkapitalisierung von etwas über drei Milliarden US-Dollar und landet so auf Platz 45 der größten Kryptowährungen. Zugleich ist Monero damit vor zCash und Dash der größte Privacy Coin im gesamten Krypto-Space. Die 2014 erschienene Währung basiert auf dem CryptoNote-Protokoll und bezeichnet sich selbst als "sicher, privat und nicht zurückverfolgbar".

Aber genau diese Eigenschaften könnte den Privacy-Coin aktuell auch für die russische Bevölkerung und ihre Unternehmen attraktiv machen und damit möglicherweise den Preisanstieg der letzten Tage erklären. Auch andere, transparentere Kryptowährungen, wie Bitcoin, verzeichneten in der vergangenen Woche höhere Kurse und neue Wallet-Besitzer:innen mit großen Volumina.

Wie funktioniert die Anonymität bei Monero?

Die angesprochenen drei Eigenschaften machen die Kryptowährung zu einer der anonymsten im Krypto-Space. Dabei sorgt die Verwendung von Stealth Adressen dafür, dass die empfangende Person verschleiert wird. Das gelingt durch die Generierung eines einmaligen Public Keys pro Transaktion. Die empfangende Person erhält zugleich einen einmalig nutzbaren Private Key, um das versendete Geld in der Blockchain zu "suchen" und abzurufen.

Zudem gelingt es durch die Ring Adressen angeblich nicht, die beteiligten Absender:innen ausfindig zu machen. Denn dabei wird eine Gruppe von kryptografischen Signaturen erstellt. Diese enthält wenigstens eine:n realen Teilnehmer:in. Die restlichen Signatur-gebenden Akteur:innen sind jedoch ebenso validiert, wodurch es von außen nicht möglich ist, zu bestimmen, wer aus der Gruppe die Transaktion tatsächlich in Auftrag gab. Gleichzeitig wird mithilfe sogenannter Key-Identities sichergestellt, dass keine Transaktionen doppelt ausgegeben werden können.

Die Ring Confidential Transactions sorgen dafür, dass die Transaktionshöhe verschleiert wird. Man stelle sich einen Geldbeutel mit insgesamt 50 XMR vor. Mit diesem möchte man nun ein Gegenstand in Höhe von 4 XMR kaufen. Dazu muss der Geldbeutel die 50 XMR auf den Tisch legen, erhält jedoch 46 XMR zurück, während die restlichen 4 an ihre:n neue:n Besitzer:in gehen. Für den nächsten Gegenstand, der 4 XMR kostet, muss der Geldbeutel wieder 46 XMR zahlen und erhält die restlichen 42 wieder zurück.

Daraus sollte man keinesfalls schließen, dass die Monero-Coins nicht teilbar wären, denn tatsächlich sind die Beträge bis auf die zwölfte Nachkommastelle zerlegbar.

Die Verwendung

Wie diese anonymen Eigenschaften vermuten lassen, haben bislang weder Regierungs- noch Regulierungsbehörden große Freude an der digitalen Währung gefunden. Es gab bereits mehrere Versuche der amerikanischen und europäischen Behörden, dagegen vorzugehen. Ein Grund für diese Bemühungen ist, wie BTC-ECHO in der November Magazin-Ausgabe berichtete, dass Monero zu einer gängigen Bezahlmethode für Drogen, Waffen und Co. im Darknet gehört.

Man kann jetzt darüber spekulieren, ob die russische Bevölkerung für den Anstieg der XMR-Preise der letzten Woche verantwortlich ist oder die ukrainische. Erstere Bevölkerungsgruppe hätte vermutlich allen Grund, ihr Geld vor einer möglichen Abwertung zu schützen und weiterhin am internationalen Handel teilzunehmen, letztere könnten auf der Suche nach schnellen Kaufmöglichkeiten von Waffen und Munition sein. Verraten wird es die Monero-Blockchain nicht.

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