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Hunderte Apps, eine Firma – Infura Der stille Riese, der Ethereum am Laufen hält

Infura verbindet Apps wie Metamask mit der Blockchain. Mitgründer E.G. Galano über den langen Weg zum Erfolg – und Kritik am Merge.

Moritz Draht
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Ethereum

Beitragsbild: Shutterstock

| Infura verbindet über 400 Apps mit der Blockchain, darunter Metamask, Brave und Uniswap.

Kaum jemand kennt sie, doch ohne die Firma Infura würde bei Ethereum nicht viel laufen. Seit 2016 ist das Unternehmen mit Sitz in New York, USA, der stille Riese im Hintergrund des Netzwerks. Als größter API-Provider für Ethereum verbindet er über vierhundert Apps wie Brave oder Metamask mit der Blockchain. Wir trafen auf der ETHBerlin einen der Mitgründer, E.G. Galano, 38. Wie ist Infura so groß geworden? Und was denkt Galano über den Merge und die Kritik an Proof of Stake? Ein Gespräch.

Infura
E.G. Galano, einer der Gründer von Infura. Quelle: Infura

BTC-ECHO: Wie entstand Infura?

E.G Galano: Ich kam Ende 2015 in den Blockchain-Space und lernte Joe Lubin, einen der Köpfe hinter Ethereum und den Gründer von ConsenSys kennen. Ich und meine späteren Mitgründer stellten einigen der Teams innerhalb von ConsenSys die Infrastruktur für Nodes bereit. Und wir entschlossen, das mit Infura als Service anzubieten. Einer unserer ersten Kunden war 2016 die populäre virtuelle Brieftasche Metamask, ebenfalls entwickelt von ConsenSys.

BTC-ECHO: Wie genau funktioniert euer Service?

Galano: Blockchains sind Peer-to-Peer-Netzwerke. Eines der frühsten dieser Art ist BitTorrent. Wenn du in so einem Netzwerk etwas hoch- oder herunterladen willst, brauchst du eine technische Schnittstelle, die dich damit verbindet, die API. Das heißt im Fall von Blockchains: Wenn du Transaktionen schreiben oder die Daten lesen möchtest, brauchst du einen Netzwerk-Knoten und einige Gigabyte an Datenspeicher. Beides erfordert Ressourcen und technisches Know-how. Wir stellen diese Schnittstelle für viele Apps auf Ethereum bereit, zum Beispiel Metamask oder Uniswap, die größte dezentrale Börse der Welt.

Podcast

BTC-ECHO: Viele hatten Angst, dass beim Merge etwas schiefgeht. Warst du aufgeregt?

Galano: Ich war die ganze Nacht wach und habe den Livestream geschaut. Eine Katastrophe hätte immer passieren können, aber wir waren sehr nah an den Tests dran und ich war sehr zuversichtlich, dass es funktioniert. Die intensive Vorarbeit hat sich ausgezahlt.

BTC-ECHO: Wo siehst du den größten Nutzen für Ethereum vom Merge?

Galano: Der Energieverbrauch sinkt drastisch. Gerade Leute, die neu in Krypto waren, haben daraus ein größeres Problem gemacht, als es eigentlich ist. Wir sind jetzt klimaneutral. Es ist ein gutes Argument, um Ethereum zu nutzen. Es fördert auch den Wettbewerb im Space. Wir können uns nun ganz auf die Benutzerfreundlichkeit konzentrieren. Der Merge war nur der erste Schritt einer großen Vision. In den nächsten Monaten und Jahren geht es darum, Ethereum schneller zu machen. Darauf freue ich mich besonders.

BTC-ECHO: Top-Kryptobörsen wie Coinbase halten über 30 Prozent des Stakes, Tendenz steigend. Tauscht ihr die großen Banken nicht einfach gegen große Börsen aus? Inwiefern ist das besser als Proof of Work?

Galano: Ich sehe es nicht besonders anders als Mining. Proof of Stake ersetzt das Kapital, das für Mining genutzt wurde, indem man einen Stake im Smart Contract einsperrt und dafür Belohnungen erhält. Beim Mining wächst dein Anteil mit dem Wert deiner Infrastruktur, die du einsetzt. Genauso ist es beim Staking. Wenn es ein Problem ist, dann eines, das schon vorher existierte. Ich habe die Tweets gesehen, die das behaupten, was du sagst.

Aber es gibt mit Proof of Stake einen Mechanismus zur Dezentralisierung. Wir können festlegen, dass die Belohnungen für eine Entität sich verringern, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllt. Zum Beispiel: Wir sehen, dass zu viele Menschen ihre Nodes über Cloudserver laufen lassen, wie Amazon Web Services. Wir können eine Liste erstellen. Natürlich könnt ihr sie darüber laufen lassen, aber wenn eine bestimmte Menge an Leuten das tut, verringern sich für sie alle die Belohnungen vom Staking. Es würde Diskussionen geben, es müsste ein Client programmiert werden. Wer nicht damit einverstanden ist, kann jederzeit eine Hardfork der Blockchain machen.

BTC-ECHO: Über 50 Prozent der Netzwerk-Knoten von Ethereum laufen über Amazon Web Services. Jeff Bezos könnte euch den Hahn zudrehen. Der deutsche Cloud-Dienstleister Hetzner hat das schon getan. Besteht die Gefahr einer Zensur des Netzwerks?

Galano: Ich sehe es als Deplattforming-Risiko. Du brauchst eine Exit- oder Backup-Strategie für solche Fälle. Wir haben eine Partnerschaft mit Microsoft und Azure. Wir haben physische Datencenter gebaut, um sicherzugehen, dass wir nicht von einem Cloudanbieter abhängig werden. Amazon würde uns nicht einfach vom Netz nehmen, sondern uns vorher Bescheid geben, mindestens 24 Stunden. Sie sind ein seriöses Unternehmen. Für Ethereum wäre höchstens eine kurze Störung, dann geht das System wieder Online. Jemand wird sagen: All diese Block Rewards gehen an niemanden, weil alle ausfallen, und ich werde die Person sein, die sie bekommt. Die finanziellen Anreize und die Tatsache, dass es sich um einen Validator handelt, würden meiner Meinung nach dazu führen, dass das Netzwerk sich selbst stabilisiert, so wie es das Design vorsieht.

BTC-ECHO: Wo siehst du das Ökosystem von Ethereum in zehn Jahren?

Galano: Wir bauen gerade die besten Werkzeuge und geben sie den Entwicklern in die Hand. Das liebe ich. Wir arbeiten heute mit Konzepten, die vor drei Jahren kaum noch jemandem bekannt waren. In zehn Jahren möchte ich sehen, dass wir die Werkzeuge so verfeinert haben, dass normale Nutzer mit einer Blockchain interagieren, ohne es zu merken. Sie werden es nicht vom traditionellen Internet unterscheiden können.

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