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Ein Gerichtsprozess, der in die Bitcoin-Geschichte eingeht Hodlonaut vs. Craig Wright: Ist er Satoshi Nakamoto?

Am Montag hat der Bitcoin-Prozess von Craig Wright und Twitter-Pseudonym Hodlonaut begonnen. Seit 2019 schon bekämpfen die beiden sich und werfen damit die Frage in den Gerichtssaal: Ist Wright wirklich Satoshi Nakamoto?

Dominic Döllel
 |  Lesezeit: 0 Minuten
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Satoshi Nakamoto Statue

Beitragsbild: Shutterstock

| Seit Anfang Mai 2016 behauptet der australische Unternehmer Craig Steven Wright, der Erfinder von Bitcoin zu sein.

Wer nach dem Erfinder von Bitcoin sucht, stößt immer auf denselben Namen: Satoshi Nakamoto. Das Problem: Es handelt sich um ein Pseudonym. Vermutlich niemand kennt seine wahre Identität.

Das Mysterium Satoshi

Seit Jahren spekuliert man im Kryptospace, wer der echte Satoshi ist. Namen wie Hal Finey oder Dave Kleiman schwirren schon länger im Netz umher. Der australische Multimillionär Craig Wright behauptet sogar selbst, der Erfinder von Bitcoin zu sein.

Das sorgt immer wieder für teils aberwitzige Streits: Erst vor kurzem wetterte der “What Bitcoin Did“-Podcast-Moderator Peter McCormack gegen den “vermeintlichen” Satoshi. Er beschimpfte ihn als Schwindler, Lügner und Schwachkopf. Wright klagte dagegen. Ein britischer Richter vom High Court entschied: Die Beleidigungen würden seinem Ruf ernsthaft schaden. McCormack müsse Schadensersatz in Höhe von nur 1 britischen Pfund leisten.

Der Fall Hodlonaut versus Craig Wright

Im März 2019 begann das nächste Drama. Ein unter dem Pseudonym bekannter Twitter-User Hodlonaut veröffentlichte einige böse Posts über Wright. In den später gelöschten Beiträgen beschuldigte er diesen ein Lügner und Betrüger zu sein.

Der vermeintliche Satoshi schlug zurück und reichte gerichtliche Beschwerde gegen seinen Peiniger ein. Einen Monat später setzte er, um die Identität des Unbekannten zu erfahren, ein “Kopfgeld” in Form von 5000 US-Dollar in Bitcoin Satoshi Vision (BSV) aus.

Ein privater Ermittler enthüllte die wahre Person hinter Hodlonaut. Der reichte in Norwegen ein Feststellungsurteil ein. Er sei demnach gegenüber Wright nicht schadensersatzpflichtig. Dieser wiederum klagte im Juni 2019 in Großbritannien gegen Hodlonaut wegen Verleumdung.

Die britischen Richter entschieden im Mai dieses Jahres, dass dem Ruf von Wright kein ernsthafter Schaden zugefügt worden sei. Hodlonaut wurde zur Zahlung des Gerichtsverfahrens in Höhe von 112.000 britischen Pfund verurteilt.

Gerichtsverfahren aktuell

Seit Montag läuft nun ein mehrtägiges Gerichtsverfahren in Norwegen.

Twitter-User @bitnorbert berichtete live vor Ort über die Geschehnisse. Gegenüber BTC-ECHO fasste er die erste drei Verhandlungstage zusammen. Demnach hätte das "Gericht für diesen Fall den größten Gerichtssaal Norwegens für ganze sieben Tage reserviert." Die ersten beiden Tage seien Eröffnungserklärungen von beiden Seiten gewesen, in denen die Anwälte die von ihnen eingereichten Beweise durchgegangen seien. "Diese Tage fühlten sich ein bisschen lang an, weil Anwälte, die Dinge laut vorlesen, nicht besonders interessant sind", meinte er.

Gestern haben sich die Dinge jedoch entwickelt, als wir das Kreuzverhör der Parteien hörten – Hodlonaut und Wright. Der Verdacht war, dass Wrights Seite versuchen wird, Hodlonaut als einfachen Cyber-Mobber zu delegitimieren, und das haben sie tatsächlich versucht. Aber es bleibt nicht wirklich bestehen, wenn Hodlonaut zeigen kann, dass Wright dasselbe tut.

Twitter-Nutzer @bitnorbert

Seiner Meinung nach sei es schwer zu sagen, wo die Richterin bisher steht. Norwegen habe keine Geschworenen, nur Richter. "Also wird letztendlich alles von ihr entschieden. Sie stellt beiden Seiten kritische Fragen, wie es sich gehört", erklärte er.

Nach dem gestrigen Tag glaube ich persönlich, dass sie es mit Wright schwer findet, da er Schwierigkeiten hatte, viele Dinge zu erklären, und sehr emotional wurde.

Twitter-Nutzer @bitnorbert

In den kommenden Tagen sollen Zeugen von beiden Seiten auftreten und ihre Aussage machen. Dabei stehen alle Beteiligten übrigens unter Eid. Wer in Deutschland beispielsweise gemäß § 288 Absatz 2 Strafgesetzbuch eine falsche Beweisaussage unter Eid ablegt, ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu bestrafen.

Wie wichtig ist der Fall für Bitcoin?

Die #WeAreAllHodlonaut-Bewegung, schon 2019 nach der Jagd auf Hodlonaut gegründet, bekam kurz vor dem Prozess wieder mehr Aufmerksamkeit. Im Juni teilte Hodlonaut mit, wie viel Geld er bereits für den Kampf gegen CSW ausgegeben hätte.

Um ihn auf finanzieller Sicht zu unterstützen, wurde die DefindingBTC-Kampagne ins Leben gerufen. "Spenden sind JETZT live – wir streben 2,1 Millionen US-Dollar an, aber jeder Sat zählt", heißt es auf Twitter. Für die Bitcoin-Community geht es in diesem Verfahren um mehr als nur den Gewinn von Hodlonaut gegen Craig Wright. Ein Urteil zum Vorteil den pseudonymen Twitter-User würde einen Präzedenzfall schaffen. In Zukunft könnte dieser richtungsweisend für weitere Bitcoin-bezogene Gerichtsstreitigkeiten sein.

Dass der verrufene Australiern wirklich Satoshi Nakamoto ist, bezweifeln viele Bitcoiner. Wright verteidigt dennoch weiterhin seinen Standpunkt. Wer seine Recherchehausaufgaben gemacht hat, weiß allerdings längst: Wir alle sind Satoshi Nakamoto.

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