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Verwirrung um Behörden-Statement Hat Bitpanda Ärger mit der britischen Finanzaufsicht?

Bereits am gestrigen Dienstag, 22. Februar, berichtete BTC-ECHO als erstes deutsches Medium exklusiv über die Übernahme von Trustology, einem Londoner Krypto-Custodian, durch Bitpanda. Nun äußert sich die britische Finanzaufsicht FCA zu dem Merger. Ist der Deal in Gefahr?

David Scheider
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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Bitpanda

Quelle: Shutterstock

Mit der Krypto-Regulierung ist es so eine Sache. Wer auf europäischem Boden Krypto-Dienstleistungen anbieten will, muss sich dazu zunächst einmal durch das Dickicht des Bürokratiedschungels kämpfen. Das ist nicht ganz unbegründet. Schließlich war der Sektor in den Anfangstagen von Bitcoin und Co. vollkommen unreguliertes Terrain – das ICO-Desaster von 2017 fußte auch auf unzureichenden Rahmenbindungen, die zu einer Art kambrischen Explosion an dezentralen Fundraisern geführt hatten. Allein, 90 Prozent der Projekte waren entweder unbrauchbar oder Scams. Die SEC ermittelt bis heute.

Seitdem hat sich einiges geändert. Die EU hat mit den 5. Anti-Geldwäsche-Richtlinien erstmals Krypto-Unternehmen in die Pflicht genommen, typischen aufsichtsrechtlichen Regularien zu genügen. Zwar sind die Regeln teils streng, doch grundsätzlich ist ein fester, gesetzlicher Rahmen eine gute Nachricht.

Dass es diese Regeln gibt, hat nun auch Bitpanda zu spüren bekommen. Denn nachdem das Unternehmen den in UK ansässigen Custodian Trustology (künftig Bitpanda Custody) gekauft hat, gab die britische Regulierungsbehörde ein Statement heraus, das einen wenig willkommen heißenden Ton anschlägt. Darin heißt es:

“Die FCA kann Schritte unternehmen, um die Registrierung eines Kryptoasset-Geschäfts auszusetzen, wenn sie nicht davon überzeugt ist, dass die Firma oder ihr wirtschaftlicher Eigentümer geeignet und angemessen ist.”

Muss Bitpanda um seine Lizenz bangen?

Angesichts der ungewöhnlichen Reaktion seitens der FCA spekulierte so manches Medium, darunter auch Fachmedien wie Bloomberg und The Block, dass sich die Finanzbehörde an dem Zusammenschluss störe und ihn gar behindern könnte. Bloomberg etwa verwies auf die Möglichkeit, dem Unternehmen seine Lizenzen wegnehmen zu können:

Die britische Finanzaufsichtsbehörde äußerte Bedenken über [Bitpanda] und erklärte, sie sei befugt, dem Unternehmen die Zulassung zu entziehen, wenn sie feststelle, dass das Unternehmen oder seine Eigentümer ungeeignet seien.

Bloomberg

Allein, dieses Szenario ist nicht realistisch. Natürlich kann eine Aufsichtsbehörde bei Nichtbeachtung der Regularien den Laden dicht machen – das ist auch gut so. Wer Bitpanda in der Vergangenheit beobachtet hat, muss aber feststellen, dass sich das Unternehmen mustergültig an bestehende Vorgaben hält. In Deutschland etwa ist weit und breit keine Werbung zu sehen, obwohl das Unternehmen hier längst aktiv ist (ob der Broker-Dienst taugt, entnehmt ihr dem Ratgeber). Aber: ohne BaFin-Erlaubnis keine Werbung – und daran hält sich das Unternehmen auch.

Bitpanda-Expansion nicht gefährdet

Bei der FCA-Mitteilung handelt es sich vielmehr um ein Standardprocedere. Wie BTC-ECHO aus Unternehmenskreisen exklusiv erfahren hat, wurden im Vorfeld zum Trustology-Deal Absprachen mit dem Regulator getroffen und im Umkehrschluss liegt ein nachträgliches Verbot fern. Zunächst darf Bitpanda daher das Londoner Start-up wie geplant übernehmen – und auch in UK operieren. Gegenüber BTC-ECHO sagte ein Unternehmenssprecher:

Sowohl Bitpanda als auch Trustology sind absolut zuversichtlich, dass bei den Überprüfungen der FCA von Bitpanda als neuem wirtschaftlichen Eigentümer von Trustology keinerlei Probleme auftreten werden. Diese Prüfung des neuen Eigentümers […] ist grundsätzlich ein Standardverfahren der FCA. Bitpanda hat eine sehr gute Arbeitsbeziehung mit der FCA, die über diese Transaktion bereits lange im Voraus informiert wurde […]

Bitpanda gegenüber BTC-ECHO

Vermutlich lässt sich das FCA-Statement als eine Art Präzedenzfall auslegen. Schließlich hat es einen ausländischen Merger mit einem britischen Krypto-Unternehmen bisher nicht gegeben. First Mover betreten eben neues Terrain – mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.

Auch für die FCA ein Präzedenzfall

Dass Marktbeobachter in dem FCA-Text ein drohendes Aus für den Merger sehen, zeugt indes eher von Unwissenheit über die aufsichtsrechtliche Praxis auf dem europäischen Kontinent denn einem wirklichen Clinch zwischen den beiden Parteien. Übernahmen von Finanzinstitutionen müssen ganz selbstverständlich vom Regulator begleitet werden, allein schon aus Geldwäsche-Gesichtspunkten. Genau wie die BaFin muss auch die FCA neue Mehrheitseigentümer auf ihre Tauglichkeit prüfen.

Dass die Behörde vor der eingehenden Prüfung von Bitpanda einen Kommentar veröffentlicht hat, ist allerdings eher ungewöhnlich, hat aber vermutlich einen ganz profanen Grund: Die Behörde ist überlastet. Auf der Website der FCA heißt es:

Aufgrund hohen Volumens ist es zu Verzögerungen bei der Zuweisung von Meldungen unter der Leitung der FCA gekommen. Derzeit vergehen etwa zwei Monate zwischen der Einreichung einer vollständigen Meldung und der Zuweisung an einen Sachbearbeiter.

Financial Conduct Authority

Allen Unkenrufen zum Trotz steht der Expansion von Bitpanda in Großbritannien nämlich nicht mehr viel im Wege.

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