ETH im Wandel Generalprobe für London: Ethereum-Update EIP-1559 geht in den Testbetrieb
Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 4 Minuten

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Ethereum steht mit London vor einem weiteren wichtigen Update. Nun ist die Hard Fork, mit der Ethereum ein neues Gebührenmodell erhalten wird, in den Testbetrieb gegangen. Doch braucht es London und EIP-1559 überhaupt noch – oder ist das Gebührenproblem von Ethereum durch Sidechains bereits gelöst? Ein Blick auf die EIP-1559 und seinen möglichen Einfluss auf die “Spritpreise”.

Das von Teilen der Ethereum-Community langersehnte Ethereum Improvement Proposal (EIP) 1559 ist am 24. Juni auf dem Ethereum-Testnetzwerk Ropsten lanciert worden. EIP-1559 ist zentraler Bestandteil des anstehenden Ethereum-Upgrades London. Es beschreibt einen neuen Mechanismus für die Berechnung von Transaktionsgebühren. Durch eine Basis-Gebühr, die sich nach der Netzwerkauslastung richtet, sollen die Transaktionsgebühren berechenbarer werden. Wer seine Transaktionen schneller abgewickelt sehen will, hat die Möglichkeit, den Minern zusätzlich zur Base Fee ein “Trinkgeld” (Tip) zu zahlen. Mindestens genauso wichtig wie das neue Gebührenmodell ist indes die Änderung der maximalen Block-Größe. Bislang darf ein Ethereum-Block bis zu 12,5 Millionen Gas-Einheiten groß sein. Mit EIP-1559 steigt die Obergrenze auf 25 Millionen Gas. Allerdings ist nicht vorgesehen, dass dieses Limit permanent ausgereizt wird. Vielmehr ist eine Block-Belegung von 50 Prozent angepeilt. Die zusätzlichen Kapazitäten sollen bei Auslastungsspitzen zum Tragen kommen und einer “Verstopfung” des Netzwerks entgegenwirken.


Ethereums Gas Fee Problem

Gas bezeichnet die Gebühr, die für das Ausführen von einzelnen Smart-Contract-Operationen anfällt. Grundsätzlich gilt: Je komplexer die Berechnung, desto mehr Gas-Einheiten werden für die Ausführung benötigt. In Zeiten hoher Auslastung – für Ethereum lange ein Dauerzustand – sind nicht nur die Blöcke voll, sondern auch im Mempool, dem “Wartezimmer” der Transaktionen, herrscht hoher Andrang. Weil die Nachfrage nach einem Platz in einem Block entsprechend deutlich größer ist als das Angebot, steigt der durchschnittliche Preis für eine Gas-Einheit, da Nutzer:innen sich gegenseitig überbieten, um schneller in einen Block zu kommen. Das Ergebnis: Die gesamte Transaktion wird teurer. Das hat den Ethereum-basierten DeFi-Sektor lange Zeit gerade für Kleininvestor:innen unattraktiv gemacht. So sind Transaktionsgebühren von 100 USD für einen einfachen Umtausch von ERC-20 Token über eine DEX wie Uniswap keine Seltenheit, wenn der Andrang auf Ethereum besonders hoch ist. Eine schöne Visualisierung des Treibens auf der Ethereum Blockchain bietet die Seite txstreet.com.

EIP-1559: Keine Garantie für niedrigere Gas Fees

EIP-1559 will dem durch eine automatische Regulierung der Base Fee entgegensteuern. Übersteigt die Block-Auslastung den Wert von 12,5 Millionen Gas-Einheiten, wird der Preis pro Gas-Einheit angehoben. Liegt der Wert darunter, wird auch das Gas billiger. Es herrscht innerhalb der Ethereum-Community Uneinigkeit darüber, ob EIP-1559 zu billigeren Gas-Preisen führen wird. Zu den Skeptikern gehört auch das Ethereum-Urgestein Fabian Vogelsteller, der Erfinder des ERC-20 Standards. Vogelsteller hält sogar eine Erhöhung der durchschnittlichen Transaktionsgebühren durch EIP-1559 für möglich. Auch die Krypto-Analysten von Coinmetrics zeigten sich in ihrem Ethereum Gas Report Ende März skeptisch gegenüber der These, dass EIP-1559 Ethereum-Transaktionen langfristig billiger machen kann.

Hat Ethereum überhaupt noch ein Gebührenproblem?

Ein Blick auf die Daten des Blockchain-Explorers Etherscan offenbart unterdessen, dass die Gebühren im Juni auch ohne EIP-1559 deutlich gesunken sind.

Ethereum: Durchschnittliche Gas Fees in 2021. Quelle: Etherscan.io

Eine mögliche Erklärung liegt in der heftigen Korrektur am Gesamtmarkt, angeführt vom Einbruch der Leitwährung Bitcoin. Das hat zunächst zu einer erhöhten Trading-Aktivität geführt, die freilich auch vor dem DeFi-Sektor nicht haltgemacht hat. Die letzte Spitze bei den Gas Fees gab es am 22. Juni, jenem Tag, an dem BTC einen Abstecher unter die 30.000 USD machte.


Sidechains greifen Ethereum unter die Arme

Doch auch die wachsende Adoption von Layer-2-Netzwerken sorgen für eine zusätzliche Entlastung der Ethereum Blockchain. Hier hat sich vor allem Polygon (MATIC) hervorgetan. Die Sidechain hat seit April ein massives Wachstum an den Tag gelegt.

Total Value Locked (TVL) in Polygon. Quelle: DeFi Llama

Vor allem im Mai haben immer mehr Investor:innen Kapital von der Ethereum Blockchain nach Polygon ausgelagert. Diese Entlastung trägt einen Teil zu den niedrigeren Gas Fees bei.

EIP-1599 für mehr Berechenbarkeit

Am 22. Juni hat sich jedoch zuletzt gezeigt, dass auch die verstärkte Nutzung von Sidechains Ethereum-Nutzer:innen nicht vor starken Ausschlägen bei den Transaktionsgebühren bewahrt. Hier könnte EIP-1599 mit seiner automatisch regulierten Base Fee Abhilfe schaffen. Allerdings muss bedacht werden, dass die Miner nichts von der Base Fee haben – die Basis-Gebühr wird vernichtet, wodurch die Knappheit von ETH erhöht wird.

Was für Hodler:innen begrüßenswert ist, stellt für Miner einen umso größeren Anreiz dar, sich Transaktionen mit großem “Tip” auszusuchen – und wir haben das gleiche Problem wie mit dem aktuellen Gas Fee Modell. Daher kommt es vor allem darauf an, ob die Anhebung des Gas-Fee-Limits pro Block ausreichen wird, um genügend Zeiten niedriger Auslastung zu gewährleisten, sodass auch Nutzer:innen, die nur einen kleinen oder gar keinen Tip an die Miner zahlen können, ihre Transaktionen schnell durchzuführen. Der aktuelle Test von EIP-1559 beziehungsweise London wird diesbezüglich wohl bald neue Erkenntnisse liefern.


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