Mit dreistelligen Millionenbeträgen beeinflusst das Fairshake-Netzwerk die Kongresswahlen in den USA. Nach fünf Siegen in den Bundesstaaten Michigan und Washington, musste die mächtigste und finanzstärkste Krypto-Lobby in den USA eine schmerzhafte Niederlage in Detroit verzeichnen.
Fairshake setzt nicht auf Parteien
Das Ziel des Netzwerkes ist es, überparteilich Abgeordnete in den US-Senat und das Repräsentantenhaus zu wählen, die Krypto- und Blockchain-Technologien positiv gegenüberstehen. Krypto-Kritiker sollen so gezielt aus dem Amt gedrängt werden.
Für das Erreichen dieses Ziels steht Fairshake eine Wahlkampfkasse von mehr als 193 Millionen US-Dollar zur Verfügung, von denen noch knapp über 129 Millionen US-Dollar für die heiße Phase des Wahlkampfes bis Anfang November übrig sind. Die Krypto-Unternehmen Coinbase und Ripple gelten dabei als größte Geldgeber mit Spenden in Höhe von 56 beziehungsweise 48 Millionen US-Dollar. Die gleiche Summe hatten sie bereits für den vergangenen Wahlzyklus 2024 bereitgestellt. Weitere 24 Millionen US-Dollar kommen von der Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz, die bereits 2013 ein früher Investor von OpenCoin war, dem späteren Ripple.
Wo die Millionenstrategie aufging
Als sogenannter Super PAC darf Fairshake den Kandidaten und ihren Wahlkampfteams keine direkten Beiträge zukommen lassen. Darum wählt das Netzwerk häufig das Web über die Finanzierung von unabhängig produzierten Fernsehbeiträgen oder anderen Onlineanzeigen. Aber auch Postsendungen und andere Wahlkampfmaßnahmen, die zur höheren Sichtbarkeit der gewünschten Kandidaten beitragen, werden finanziert. Gerade in Vorwahlen mit vergleichsweise geringen Wahlkampfbudgets können sechs- oder siebenstellige Ausgaben bereits einen großen Einfluss auf den Ausgang der Wahl haben.
So finanzierte der Krypto-Finanzausschuss Defend American Jobs bei den Vorwahlen in Michigan Werbungen im Wert von über einer halben Millionen US-Dollar für den Republikaner Bill Huizenga. In Washington gab das ebenfalls zum Fairshake gehörende Protect Progress jeweils etwa 100.000 US-Dollar für die Demokratinnen Suzan DelBene, Kim Schrier und Marilyn Strickland aus. Die Republikanerin Amanda McKinney profitierte von 507.000 US-Dollar. Alle fünf Kandidaten erreichten ihr Wahlziel.
Der Zwei-Millionen-Flop von Detroit
Die Strategie geht jedoch nicht immer auf. In Detroit, dem 13. Kongressbezirk von Michigan, hatte der amerikanische Krypto-Finanzausschuss Protect Progress den Amtsinhaber Shri Thanedar mit insgesamt zwei Millionen US-Dollar unterstützt und trotzdem gegen den Herausforderer McKinney verloren.
Für den Super PAC war es unabhängig von dem investierten Kapital eine besonders schmerzhafte Niederlage. Der Amtsinhaber war ein strategischer Verbündeter des Netzwerkes. Er hatte den Clarity Act mitgetragen und war in weitere Krypto-Dossiers eingebunden.
Der eigentliche Gewinn entsteht erst im Kongress
Wie sehr sich die finanziellen Unterstützungen des Krypto-Finanzausschusses ausgezahlt haben, wird sich aber ohnehin erst in der eigentlichen Gesetzgebung zeigen. Die Vorwahlen sind ein erster Indikator dafür, wie viel Macht das Netzwerk auf die spätere Gesetzgebung bei kryptorelevanten Themen hat, aber die Fairshake-Kandidaten müssen gar nicht jedes Rennen gewinnen.
Es reicht, wenn Politiker wissen, dass ein industriekritisches Votum in den späteren Gesetzgebungsprozessen, Millionen für einen Herausforderer oder für Gegenwerbung mobilisieren kann. Die Größe der Wahlkampfkasse macht diese Drohkulisse dabei besonders glaubwürdig. Ob aus den ganzen Bemühungen letztlich ein regulatorischer Ertrag entsteht, entscheidet sich dann bei den kommenden Abstimmungen über die US-Krypto-Gesetze. Bis zur Kongresswahl am 1. November 2026 werden aber sicherlich noch einige finanzkräftige Werbekampagnen finanziert.

