Die allmählich verstreichende Frist für den Clarity Act im US-Senat bereitet der Krypto-Industrie neue Sorgen. Matt Hougan, Chief Investment Officer des Vermögensverwalters Bitwise, skizziert in seinem wöchentlichen Memo die Folgen eines Scheiterns der Krypto-Gesetzgebung. Trotz sinkender Erwartungen auf Prognosemärkten betont Hougan, dass die Dynamik des Krypto-Marktes nicht mehr aufzuhalten sei.
SEC-Regeln als praktikable Übergangslösung
Verpasst der US-Senat die Frist für ein beschleunigtes Verfahren, tritt der Entwurf für den Clarity Act in einen ungewissen Schwebezustand ein und dürfte erst im Herbst erneut verhandelt werden, nach den Zwischenwahlen. Die dürften ohnehin zum Gradmesser des Erfolgs werden. Immerhin drohen die Republikaner laut aktuellen Wahlumfragen die Mehrheiten im Kongress an die Demokraten zu verlieren. Letztere sind bekanntermaßen kritischer gegenüber Krypto.
Diese anhaltende Unsicherheit veranlasst manche professionelle Investoren dazu, vorerst an der Seitenlinie zu verharren. Sobald der Krypto-Markt ein mögliches Scheitern der Vorlage vollständig einpreist, fällt diese Unsicherheit aber weg.
Hougan rechnet in diesem Fall mit einer Erholung von Bitcoin, Ethereum und Co. im Herbst. Außerdem steht die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) bereit, um regulative Leitlinien vorzugeben. Paul Atkins betonte jüngst, seine Behörde sei bereit, willens und in der Lage, Regeln zu erlassen, die dieselben Probleme ansprechen wie der Clarity Act. Solche behördlichen Regeln könnten kurzfristig sogar innovationsfreundlicher ausfallen als ein parteiübergreifender Kompromiss.
Krypto-Innovation auch ohne politische Unterstützung?
Unabhängig von den politischen Grabenkämpfen schaffen große Akteure der traditionellen Finanzwelt bereits ihre eigene Fakten. Neben den Bitcoin Spot ETFs von BlackRock oder Fidelity und Tokenisierungsprojekten bei Nasdaq oder JPMorgan starten Zahlungsdienstleister wie Visa, Mastercard und Stripe derzeit neue Stablecoin-Plattformen mit Coinbase.
Der Bitwise-CIO vergleicht die Situation mit der schleppenden US-Internetgesetzgebung der 1990er-Jahre, als Unternehmen den Markt eroberten, während Gesetze im Senat feststeckten. Hougan gibt sich daher optimistisch: “Zu diesem Zeitpunkt hat Krypto genügend Schwung, um das Finanzwesen über Jahrzehnte hinweg umzugestalten, unabhängig davon, was in den nächsten Tagen passiert.”

