Südkorea verzeichnet bei der Geldwäsche mit Kryptowährungen einen drastischen Anstieg. Nach Angaben der Nationalen Polizeibehörde wurden allein im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1.214 Fälle registriert. Im gesamten Jahr 2025 waren es lediglich acht Fälle, 2023 sogar nur drei. Damit hat sich die Zahl innerhalb eines Jahres um das 152-Fache erhöht.
Mit einem Anteil von 79,4 Prozent stellten Geldwäschefälle erstmals die größte Kategorie der Krypto-Kriminalität in Südkorea dar. Noch im vergangenen Jahr dominierte Anlagebetrug das Bild. Die Behörden führen den starken Anstieg auf professionell organisierte Netzwerke zurück, die Kryptowährungen nutzen, um kriminelle Erlöse ins Ausland zu transferieren und ihre Geldströme zu verschleiern.
Krypto lockt organisierte Täter
Nach Erkenntnissen der Ermittler kommen vor allem Stablecoins wie Tether zum Einsatz, um Einnahmen aus Drogenhandel, illegalem Glücksspiel oder Phishing-Betrug über Landesgrenzen hinweg zu bewegen. Zudem beobachten die Behörden immer häufiger organisierte Gruppen, die sich ausschließlich auf Geldwäsche mit Kryptowährungen spezialisiert haben.
Ein aktueller Fall zeigt die Dimensionen dieser Entwicklung. Zwischen Februar 2024 und April 2025 sollen 23 Verdächtige Kryptowährungen im Wert von rund 11,1 Millionen US-Dollar für eine in Kambodscha ansässige Phishing-Gruppe transferiert haben. Nach Angaben der Ermittler wurden dabei illegale Wechselstuben und grenzüberschreitende Geldwäschestrukturen genutzt.
Trotz der stark gestiegenen Fallzahlen bleibt die Strafverfolgung schwierig. Im ersten Halbjahr 2026 nahm die Polizei lediglich 18 Tatverdächtige fest. Ermittlungen scheitern häufig daran, dass Kryptowährungen über ausländische Börsen verschoben und anschließend in andere Vermögenswerte umgetauscht werden.
Die Behörden verschärfen deshalb ihre Kontrollen des Krypto-Sektors. Bereits 2025 gingen bei der koreanischen Finanzaufsicht mehr als 36.684 Verdachtsmeldungen zu Transaktionen mit Kryptowährungen ein. Experten gehen davon aus, dass ohne eine engere internationale Zusammenarbeit und strengere Kontrollen organisierte Geldwäsche über Kryptowährungen weiter zunehmen dürfte.
