Metaverse Facebook: Meta bald das größte Unternehmen der Welt?
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Facebook CEO Marc Zuckerberg als Engel im Metaverse

Quelle: Shutterstock

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Gemessen am Börsenwert ist Facebook das zurzeit siebtgrößte Unternehmen der Welt. Mit seiner neuen Metaverse-Strategie hat der Konzern um Mark Zuckerberg allerdings gute Chancen, zur weltweiten Nr. 1 aufzusteigen. Welche Rolle Kryptowährungen, NFTs sowie Social Token dabei spielen könnten und wie eine Alternative zur potenziellen Dystopie aussehen kann.

Die Ambitionen von Facebook, in den Krypto-Sektor einzutauchen, sind nicht neu. Die Odyssee mit ihrem Stablecoin scheint kein Ende zu finden. Man kommt mit den Regulatoren auf keinen grünen Zweig und immer wieder müssen die Projektpläne angepasst werden. Inzwischen kann der Eindruck gewonnen werden, dass Facebook müde ist, das Projekt weiter voranzutreiben. Zumal Facebook betont, dass es sich um ein vom Konzern unabhängiges Vorhaben handelt. Auch gab es bereits Äußerungen, dass der Stablecoin ganz bewusst nur als Übergangslösung gesehen werde, bis es einen digitalen US-Dollar von der amerikanischen Zentralbank gibt.

So attraktiv eine eigene Konzernwährung mit potenziell über 2,5 Milliarden Nutzern sein kann, dürfte Facebook mit seiner neuen Konzernpriorität – das Metaverse Horizon zu schaffen – noch viel größere Ambitionen pflegen, die ebenfalls in den Krypto-Sektor hineinreichen könnten.

Facebook ist tot, es lebe Meta

Der Facebook CEO Mark Zuckerberg möchte bis zu 10.000 Stellen in Europa schaffen und 10 Milliarden US-Dollar investieren, um eine virtuelle Welt zu errichten, in der wir alles das machen, was wir auch im echten Leben tun. Arbeiten, einkaufen, Sport treiben oder Freunde treffen: in diesen neuen virtuellen Welten soll zukünftig ein signifikanter Teil unserer heutigen Wertschöpfung stattfinden. Sogar Facebook selbst wird zu Meta umbenannt, wie Zuckerberg am Donnerstagabend bekannt gegeben hat.

Genauso wie Facebook heute mit seinen Plattformen und Messenger-Diensten die Infrastrukturen für den sozialen Austausch bereitstellt, möchte der Konzern auch die digitalen Straßen und Grundstücke kontrollieren, auf denen man zukünftig die nächsten Stufen unserer Interaktionen abwickelt. Der Netzwerkeffekt ist zu verlockend, als ihn ungenutzt zu lassen. Zumal die Gefahr besteht, dass andere Metaversen entstehen, die Facebook als Social-Media-Plattform Nr. 1 den Rang ablaufen.

Social Token und NFTs als Eckpfeiler einer virtuellen Volkswirtschaft

In diesem Metaverse könnten vor allem zwei Token-Konzepte dafür sorgen, dass Facebook eine Art “private, weltweite Volkswirtschaft” entwickelt. Die Nutzeraccounts könnten durch Social Token einen klar definierbaren monetären Wert erhalten. Nutzer mit hoher Reichweite würden so sehr wertvolle Accounts schaffen können. Die Nutzer auf einmal an der Wertschöpfung zu beteiligen, wäre dabei alles andere als ein altruistischer Schachzug der Datenkrake. Vielmehr würde durch die Social Token ein hoher Anreiz und Wert generiert werden, der wiederum in Dienstleistungsangebote re-investiert werden könnte. Der Wert der digitalen Volkswirtschaft würde dadurch massiv zu steigern sein.

Das andere Token-Konzept umfasst Non-fungible Token (NFTs), um Knappheit im digitalen Raum abbilden zu können. Auf diese Art und Weise könnten beispielsweise unsere Avatare eine eigene Garderobe erhalten. Auch könnten via NFTs Grundstücke erworben werden, um beispielsweise einen Shop zu betreiben. Der Facebook Manager David Markus äußerte bereits, dass sich der Konzern NFTs genauer anschaue. Auch die Facebook Wallet Novi soll NFTs unterstützen können.

Twitter und Reddit scharren mit den Kufen

Andere Social-Media-Plattformen stoßen ebenfalls in den NFT-Sektor vor. So will Twitter NFTs für das Profilbild ermöglichen und Reddit ist anscheinend dabei, einen NFT-Marktplatz aufzubauen, wie aus aktuellen Postings hervorgeht. Entsprechend naheliegend ist es, dass wir bald noch deutlich mehr von Facebook zu diesen Bereichen der Token-Ökonomie hören dürften.


Aufgrund seiner Marktmacht und schieren Größe muss Facebook beziehungsweise Meta nichts überstürzen. Lieber lernt der Konzern aus den Fehlern der anderen, um dann mit einer besseren User Experience und mehr Kapital um die Ecke zu kommen. Gerade im Kontext des Metaverse wäre es jedenfalls ziemlich unglaubwürdig, wenn Facebook nicht auch NFTs und Social Token in seiner Strategie berücksichtigen würde.

Facebook (Meta) bald wertvoller als Apple?

Sollte es Facebook tatsächlich gelingen, die Token-Konzepte in sein Metaverse zu integrieren, dann hätte der Social-Media-Gigant gute Chancen, zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufzusteigen. Aktuell steht Facebook mit einem Börsenwert von rund 900 Milliarden US-Dollar auf Platz sieben der wertvollsten Unternehmen. Die Nr. 1 Apple liegt bei stolzen 2,5 Billionen US-Dollar. Mit dem Metaverse und einer potenziellen “Bevölkerung” von über 2,5 Milliarden Menschen könnte der Konzern eine neue Wertschöpfungsstufe erreichen, die ihn ganz nach oben katapultiert.

Nicht nur könnte der Konzern noch mehr Geld mit Werbung verdienen, sondern er könnte auch “Steuerabgaben” einführen. So könnte Facebook beispielsweise virtuelle Ladenlokale dazu verpflichten, eine Umsatzsteuer zu zahlen, um gewerblich in der Facebook-Welt tätig zu sein. Solange sich im Facebook-Metaverse die meisten Nutzer und Unternehmen tummeln, hat der Konzern auch eine enorme Preissetzungsmacht. Jeder möchte schließlich dort sein, wo auch die anderen sind respektive das größte Angebot vorherrscht. Auch Social Token, die auf den ersten Blick gegen die Logik einer Datenkrake sprechen, könnten so zur Grundlage für eine eigene Steuerpolitik werden.

Dystopie im Herzen Europas

Natürlich handelt es sich hierbei um reine Spekulation. Noch fehlt es an Beweisen, die eine derartige Strategie belegen. Dennoch bieten sich derartige Konzepte an, um die Nutzer von dezentralen Alternativen abzuhalten. Wenn Facebook keine Token-Konzepte mit entsprechenden Anreizen für die Nutzer bietet, besteht die Gefahr, dass nachher Blockchain-Protokolle wie Decentraland immer mehr Marktanteile für sich abschöpfen können. Auch mit seinem Metaverse-Projekt könnte Facebook eine ähnliche Pseudodezentralität anstreben, wie mit Diem respektive ehemals Libra: Token ja, Blockchain nein.

Die Dystopie einer virtuellen nicht-staatlichen Weltmacht könnte insbesondere durch die Personalstrategie von Facebook an Wahrscheinlichkeit hinzugewinnen. Mit dem Schaffen von 10.000 Stellen in Europa macht sich der Konzern immer weiter unabhängig vom amerikanischen Staat. Gleichzeitig könnte er durch geschicktes Taktieren die Staaten gegeneinander ausspielen und so verhindern, dass man ihn zu Tode reguliert.

Der Konflikt, der durch Facebooks Metaverse droht, dürfte die Kapriolen um den ehemaligen Stablecoin Libra respektive Diem noch einmal deutlich übersteigen. Es bleibt zu hoffen, dass wirklich dezentrale Projekte im Metaverse an Boden gegenüber Facebook gutmachen und faire, digitale Volkswirtschaften ermöglichen.  



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