Marktupdate Ethereum-Deflation? “London”, Staking und DeFi drosseln Ether-Supply
Moritz Draht

von Moritz Draht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Ethereum-Münze vor einem Chart

Quelle: Shutterstock

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Drei Wochen nach der Hard Fork “London” machen sich die ersten Effekte des EIP-1559 bemerkbar. Zur Verknappung der Ether-Bestände tragen aber auch andere Entwicklungen im Netzwerk bei.

Der Krypto-Markt legt zum Wochenende den Rotstift an. Die Gesamtmarktkapitalisierung knickt im Vergleich zum Vortag um 2,4 Prozent ein, der Vorsprung über der 2-Billionen-Marke schmilzt somit auf 68 Milliarden US-Dollar. Nach einem fulminanten Wochenauftakt, bei dem der Bitcoin-Kurs seit langer Zeit mal wieder die Fühler über 50.000 USD ausgestreckt hatte, büßt auch die Krypto-Leitwährung Boden ein. Zu Redaktionsschluss notiert der BTC-Kurs bei 46.892 mit einem Minus von 2,1 Prozent. Im 30-Tage-Trend schlägt sich die größte Kryptowährung jedoch mit einem Plus von 20 Prozent recht wacker.


Ähnliches Bild bei der Nr. 2: Ethereum lässt auf Tagessicht knapp zwei Prozentpunkte liegen und rutscht somit auf 3.101 US-Dollar. Aber auch bei der zweitgrößten Kryptowährung sieht es in der Makroperspektive ganz gut aus, der Monatszähler verbucht einen 35-prozentigen Wertanstieg. Einen maßgeblichen Anteil daran hatte die am 5. August durchgeführte Hard Fork “London”, die mit dem “Verbesserungs-Upgrade” EIP-1559 einen Token-Burn-Mechanismus und ein nach Blockauslastung ausgerichtetes Gebührenmodell eingeführt hat. Die Erwartungen waren groß, was sich nicht zuletzt an einer kleiner Vorab-Rallye ablesen ließ. Rund drei Wochen später zeigen die Effekte des EIP-1559 auch bereits ihre Wirkung.

London’s Burning: Über 100.000 Ether seit Hard Fork verbrannt

Seit der Hard Fork London gilt ein neues Gebührensystem bei Ethereum. Diese wurden zu einer Grundgebühr vereinheitlicht, während die Blockgröße von 12,5 Millionen auf 25 Millionen Gas-Einheiten verdoppelt wurde. Indem die potenzielle Blockauslastung erhöht wurde, die eine 50-prozentige Auslastungsrate als Durchschnittswert halten soll, sollten sich die Gebühren im Netzwerk bei Normalbetrieb deutlich absenken. Doch nicht nur auf die Nutzerfreundlichkeit sollte sich das Upgrade auswirken. Ein ganz entscheidender Nebeneffekt ist die Drosselung der nachkommenden Angebotsmenge. Denn die Gebühren fließen nicht wie zuvor an Miner, sie werden “verbrannt”, also aus dem Verkehr gezogen.

Dieser Deflations-Effekt lässt sich bereits beobachten. Rund 106.000 Ether wurden laut oklink mittlerweile vernichtet. Doch nicht nur das EIP-1559 sorgt für eine Ether-Verknappung. Knapp sieben Millionen Ether sind inzwischen im Deposit Contract gestrandet, dem “Staking-Topf” der Ethereum Beacon Chain, und damit ebenfalls aus dem zirkulierenden Angebot – zumindest temporär – verschwunden. Vernichtet sind sie zwar nicht, dennoch sorgt der Staking-Trend, der einen Vorgeschmack auf den zu erwartenden Hype beim Ethereum-2.0-Launch gibt, für eine Drosselung am Markt. Hinzu kommt, dass auch die Exchange-Reserven fallen. Mit 15,5 Millionen erhältlichen Ether bewegen sich die Börsenreserven aktuell auf dem Niveau von November 2018.

Quelle: Glassnode

Gas Gebühren: (noch) keine Entspannung in Sicht

Im Gegensatz zur Angebotsmenge hat sich die Hard Fork noch nicht so recht bei den Gas-Gebühren bemerkbar gemacht. Diese haben sich zwar im Vergleich zur ersten Jahreshälfte deutlich normalisiert. Dennoch haben sie sich seit London von durchschnittlich 64 Gwei auf aktuell 97 Gwei erhöht.


Quelle: Etherscan

Dafür verantwortlich ist in erster Linie der wieder entflammte Hype am NFT-Markt, der sich maßgeblich auf der Ehereum Blockchain abspielt. Ein Fünftel aller Gas-Gebühren entfallen zurzeit auf die NFT-Handelsplattform Opensea, an der in den letzten Tage Spitzenwerte von über 200 Millionen US-Dollar Handelsvolumen gemessen wurden.

Der größte Anteil geht auf das NFT-Projekt Art Blocks zurück, das alleine für ein Handelsvolumen von 254 Millionen US-Dollar in den letzten sieben Tagen verantwortlich ist.

Ethereum Hash-Rate-Rekordhoch

Über sinkende Einnahmen können sich Miner daher nicht beschweren. Wurde im Zusammenhang mit der Gebührenvernichtung durch die Hard Fork noch von einer Lohnkürzung bei den “Ether-Gräbern” ausgegangen, zeigt sich, dass sich die Einnahmen der Miner seither kaum verändert haben.

Quelle: OKLink

Dass sich Spekulationen um einen einsetzenden Rückzug der Miner, die schließlich spätestens bei der finalen Umstellung auf Ethereum 2.0 in den Ruhestand geschickt werden, als haltlos erweisen, zeigt sich zudem mit Blick auf die Rechenleistung im Ethereum-Netzwerk. Die Hash Rate hat mit 622 Terahashes pro Sekunde (TH/s) erst gestern ein neues Rekordhoch erklommen.

Quelle: Glassnode

Nicht zuletzt trägt der DeFi-Markt, wo der aktuelle Total Value Locked (TVL) mit 82 Milliarden US-Dollar nur fünf Milliarden US-Dollar vom Allzeithoch entfernt liegt, zum Ethereum-Wachstum bei. 9,8 Millionen Ether sind zurzeit in DeFi-Protokollen gebunden, was sich zusammen mit der Gebührenvernichtung, dem Staking-Trend und sinkenden Börsenbeständen auf lange Sicht in die Kursentwicklung einpreisen dürfte.



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