Quo vadis Krypto? E-Yuan anstatt Bitcoin: Chinas Wohlstand in Gefahr?
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Yuan Banknoten als Gegenentwurf zu Bitcoin

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China steht kurz vor der Einführung seines digitalen Renminbi (auch E-Yuan genannt) und verbietet zugleich Bitcoin und Co. Warum das aktuelle Krypto-Verbot voller Widersprüche steckt, es trotzdem chinesische Kryptowährungen geben wird und sich vor allem Deutschland mit China-Kritik zurückhalten sollte.

Mit dem Vorgehen gegen Bitcoin und Teile des Tech-Sektors zeigt sich die kompromisslose Seite Chinas. Eigentum und finanzielle Freiheit kann es demnach nur geben, wenn sie im Sinne und vor allem unter der Kontrolle des Staates ist. Das Aufkommen der Krypto-Ökonomie könnte daher ein Stolperstein für China sein, sofern es keine wettbewerbsfähige Alternative bieten kann.


E-Yuan ist kein Ersatz für Bitcoin

Als Alternative zum Bitcoin soll der E-Yuan dienen. So kann man immer wieder lesen, dass China mit seiner digitalen Zentralbankwährung, eine bessere Alternative zum Bitcoin bieten möchte.

Sicherlich mag China eine gute oder gar bessere Alternative zu Amazon oder Daimler aufbauen können. Dennoch stellt sich die Frage, inwiefern der Vergleich E-Yuan und Bitcoin überhaupt möglich ist? Die Analogie ist zu kurz gegriffen. Schließlich sind chinesische Konzern-Pendants wie Alibaba oder BYD, trotz aller staatlichen Eingriffe, immer noch private und im Kern hochkapitalistische Unternehmen und lassen daher eine Vergleichbarkeit zu. Digitale Zentralbankwährungen sind hingegen ein rein staatliches Produkt. Theoretisch wäre auch der Vergleich staatlich vs. privat möglich, doch dafür bräuchte es einen Wettbewerb.

Ein Wettrennen ohne Gegner

Bei dem US-Dollar können die Menschen mit ihrer Geldbörse frei abstimmen. Sinkt das Vertrauen in den US-Dollar, kann dadurch der Schweizer Franken genauso profitieren wie eben auch Bitcoin. In Folge kann zumindest annähernd, wenn auch nicht unter ganz gleichen Bedingungen, ein Wettbewerb entstehen. Genau dieser Wettbewerb und eine Bewertung nach besser oder schlechter kann es in China durch das Bitcoin-Verbot aber nicht geben. Der E-Yuan ist demnach eine Alternative, ohne Alternative.

Bitcoin nur ein Nebenschauplatz?

Nun mag es für viele Menschen verschmerzbar sein, dass sie keinen Zugriff auf Bitcoin haben. Doch gilt in China nicht nur ein Bitcoin-Verbot, sondern ein grundsätzliches Verbot von privaten Kryptowährungen. Entsprechend muss man fragen, was die Alternativen zu den Kryptowährungen sind, die gar nicht als Geld- oder Wertspeicherersatz fungieren?

Wenn man davon ausgeht, dass sich Blockchain-Protokolle als Alternative zu zentralen Unternehmensstrukturen etablieren, ergibt sich der nächste Widerspruch im China-Krypto-Ban. Schließlich wird damit nicht nur eine Währung oder ein Wertspeicher namens Bitcoin verboten, sondern auch die Grundlage privater dezentraler Unternehmensformen.

Ethereum, Cardano oder Solana zu verbieten, bedeutet zukünftige Dienstleistungen zu untersagen. Daraus ergeben sich für China, um dennoch wettbewerbsfähig zu bleiben, nur zwei Alternativen:


1) Man wettet gegen dezentrale Dienstleistungen und hofft, dass die zukünftige Wertschöpfung weiterhin bei den zentralen – und damit staatliche kontrollierbaren – Unternehmen verbleibt.

2) Man erlaubt pseudo-dezentrale Alternativen, die versuchen Smart-Contract-Funktionalitäten der bestehenden Kryptowährungen nachzuahmen. Diese würden allerdings niemals eine dezentrale Governance besitzen, da sich der Staat als “Koordinator” absichern müsste. Zudem hätte man ein Problem mit den Daten. Während man Alibabas Datensilos kurzerhand enteignet, könnte man dies bei Blockchain-Dienstleistungen nicht machen, da die Daten bei den Nutzern verbleiben.

Token-Infrastrukturen Made in China

Da China im Zweifel besser als die meisten anderen Nationen die Bedeutung der Digitalisierung versteht – und diese als Chance begreift, Boden gegenüber dem Westen gutzumachen – wird sie ebenfalls diverse Smart-Contract-Protokolle herausgeben. Ein gutes Beispiel dafür ist das staatliche Blockchain Netzwerk BSN, das vom Anwendungsspektrum über den reinen Werttransfer hinausgeht.

Dass sich diese Smart-Contract-Plattformen gegenüber ihren “freien” Pendants durchsetzen, ist auch eine Frage des “System-Glaubens”. Gegenwärtig kann man nicht sicher sagen, ob es China nicht doch hinbekommen wird, eine Autokratie auf der Blockchain zu errichten. Stichworte wie “Open Source” und “Permissionless” müssen daher in den nächsten Jahren wirklich zeigen, dass freie Systeme gegenüber geschlossenen im Vorteil sind.

Um das Wohlstandsversprechen aufrechtzuerhalten, stehen die Chancen allerdings nicht schlecht, dass es auch in China zukünftig Krypto-Dienstleister geben wird. Damit maximales Wirtschaftswachstum generiert werden kann, muss man auch den Unternehmen und Menschen Zugang zur Krypto-Wertschöpfung bieten. Sollte es dazu kommen, wird dies allerdings nur über staatlich kontrollierte Verwahrstellen laufen, die immer den vollen Zugriff auf die Kryptowährungen und vor allem die Identität der Nutzer haben. Eine sogenannte non-custodial Wallet, bei der der volle Zugriff beim Nutzer liegt, wäre in diesem Szenario nicht vorstellbar.

Deutschland näher an China als gedacht?

So leicht man sich über das autoritäre China beklagen mag, sollte man gerade in Deutschland auch vor der eigenen Haustür kehren. Mit der in Deutschland neu erlassenen Kryptowertetransferverordnung vom Bundesfinanzministerium geht Deutschland nicht nur einen nationalen Alleingang innerhalb der EU, sondern versucht ebenfalls gegen non-custodial Krypto-Dienstleistungen vorzugehen. Jedes Krypto-Unternehmen, das unter diese Verordnung fällt, muss ab sofort – auch wenn eine 24 Monate Übergangsfrist eingeräumt wird – sämtliche Transaktions- und Herkunftsdaten aufzeichnen sowie nachweisen können.

Eine Zusammenarbeit mit DeFi-Protokollen oder non-custodial Angeboten wird damit in der Praxis massiv erschwert. Dies schadet nicht nur der heimischen Krypto-Industrie, sondern zwingt deutsche Staatsbürger im Zweifel auf ausländische Angebote – oder eben direkt dezentrale Angebote – zurückzugreifen. Natürlich ist Deutschland damit immer noch weit vom chinesischen Autoritarismus entfernt. Doch zeigt es, dass auch andere Nationen mit den Krypto-Restriktionen Chinas liebäugeln. Angesichts der internationalen Regulierungswelle, wie sie zurzeit vor allem in den USA diskutiert wird, sollte man nicht nur mit dem Finger nach China zeigen. Auch in den westlichen Industrienationen stehen dezentrale Finanzanwendungen vor einer schweren Zeit.


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