Im Bitcoin-Netzwerk wächst der Streit um BIP-110. Ab Block 961.632 sollen Nodes, die den Vorschlag unterstützen, Blöcke von Minern ablehnen, die nicht über Versionbit 4 ihre Bereitschaft signalisieren. Zum Zeitpunkt des Schreibens steht Bitcoin bei Block 961.566. Bei einer durchschnittlichen Blockzeit von zehn Minuten dürfte die entscheidende Schwelle gegen 23:15 Uhr (MEZ) am Samstagabend erreicht werden.
Was eine Abspaltung für Bitcoin-Inhaber bedeutet
Sollte sich infolge von BIP-110 tatsächlich eine zweite Chain bilden, verfügen Inhaber mit eigenen privaten Schlüsseln zunächst auf beiden Blockchains über dieselbe Anzahl an Coins. Beide Chains teilen sich bis zur Abspaltung dieselbe Transaktionshistorie. Einen vergleichbaren Effekt gab es 2017 bei der Abspaltung von Bitcoin Cash. Ob die Coins auf einer möglichen BIP-110-Kette einen nennenswerten Wert hätten, ist allerdings fragwürdig.
Ein Verkauf dieser zusätzlichen Coins könnte zunächst auch die ursprünglichen BTC gefährden. Der Grund ist fehlender Replay-Schutz: Eine für die abgespaltene Kette signierte Transaktion kann auch auf der originalen Blockchain gültig sein und dort erneut ausgeführt werden. Bitcoin-Entwickler Kevin Loaec warnt deshalb davor, die vermeintlich kostenlosen Coins vorschnell zu bewegen. “Nichts zu tun, ist die sicherere Option”, so Loaec. Ohne eine signierte Transaktion gebe es auch nichts, was auf der anderen Chain wiederholt werden könne.
Bitcoin Soft Fork: BIP-110 mit bislang wenig Zustimmung
BIP-110 ist ein temporärer Soft Fork, der die Datenmenge begrenzen soll, die Bitcoin-Transaktionen transportieren können. Der pseudonyme Entwickler Dathon Ohm fordert Nutzer deshalb auf, Bitcoin Knots statt Bitcoin Core einzusetzen.
“Es wird nicht empfohlen, Bitcoin Core zu verwenden, da es unsicher wird, sobald die verpflichtende Signalisierung beginnt”, schreibt Ohm. Miner ohne entsprechendes Signal könnten demnach Blöcke produzieren, die von BIP-110-Nodes als ungültig verworfen werden.
Die bisherige Unterstützung bleibt jedoch überschaubar. Laut dem von BIP-110 angeführten Monitor signalisierten bei Block 961.421 lediglich 47 von 1.806 Blöcken Zustimmung. Das entspricht 2,60 Prozent. Für eine frühzeitige Aktivierung wären 1.109 signalisierende Blöcke erforderlich.
Michael Saylor und Adam Back zweifeln
Für Strategy-Gründer Michael Saylor ist deshalb klar: “Bei Block 961.632 lehnen BIP-110-Nodes nicht signalisierende Blöcke ab. Wenn die großen Miner nicht umschwenken, läuft Bitcoin normal weiter, während BIP-110 ins Stocken gerät oder in die Bedeutungslosigkeit abzweigt”, schreibt er.
Auch Blockstream-CEO Adam Back sieht keinen ausreichenden Konsens. BIP-110 habe diesen nicht, weil die Idee technisch nicht funktioniere, erklärte er. Der Vorschlag hätte seiner Meinung nach keinesfalls die Zustimmung des Bitcoin-Erfinders bekommen, denn “Satoshi war nicht geistig zurückgeblieben“.
