Bitcoin notiert am Montagmorgen unweit der 80.000 US-Dollar. Auf Wochensicht konnte die Kryptowährung um gut 2 Prozent zulegen. Anleger lauern derweil auf den nächsten Ausbruch, doch so mancher Analyst sieht die Rallye auf wackeligen Beinen.
Grund dafür sind mehrere Metriken, die die Marktbeobachter besorgen. Es fehle allgemein eine Bestätigung der Rallye, so zumindest der Konsens zweier Analysten auf CryptoQuant. So meint einer: Hinter Bitcoins Anstieg von etwa 65.000 auf 80.000 US-Dollar stecke überraschend wenig entschlossener Kaufdruck. Die Buy/Take-Ratio, die indiziert, wie stark Käufer und Verkäufer am Futuresmarkt agieren, wies zuletzt aggressive Verkäufer aus. Deshalb sei die Stabilität der Erholung noch nicht eindeutig zu erkennen, wenngleich sich das Bild Ende August leicht verbessert habe.
Tückisch ist laut einem anderen Analysten auch der Umstand, dass Bitcoins Kursausbruch am 3. September hauptsächlich durch gehebelten Handel am Futuresmarkt angetrieben wurde. Echte Käufe am Spotmarkt beziehungsweise Bewegungen auf der Blockchain kamen später und seien deutlich schwächer gewesen. Seine Warnung: Die Abhängigkeit von Futures, Hebeln und Liquidationen mache die Rallye anfälliger für eine schnelle Gegenbewegung.
Ein weiterer Analyst nahm die Inflows großer Marktakteure auf Binance unter die Lupe. Die Krypto-Börse wird aufgrund ihres Handelsvolumens gerne als Indikator verwendet. Das Ergebnis: Zwar nahmen die Inflows im Vergleich zum Februar um rund 36 Prozent ab – ein eher bullishes Signal, weil dadurch weniger Verkaufsdruck entsteht –, doch gleichzeitig verschob sich die Marktaktivität klar zu kleineren Retail-Anlegern. Falls diese Anlegergruppe tatsächlich die Rallye hauptsächlich am Spotmarkt begleitet und große Marktteilnehmer zurückhaltend bleiben, könnte es für Bitcoin schwer werden, nachhaltig über die 80.000 US-Dollar auszubrechen.
Die Käufer kommen von der Wall Street
James Butterfill hält die Sorgen der Analysten derweil für unbegründet. Gegenüber BTC-ECHO erklärte der Head of Research von CoinShares: “Die Mehrheit der Käufer ist institutionell und kommt über ETPs und OTC-Kanäle in den Markt, nicht über die Orderbücher der Börsen.” Grundlage für die Annahme sind Flow-Daten, die der Krypto-Vermögensverwalter analysiert.
Schaut man auf die Flow-Daten der Bitcoin Spot ETFs, so erkennt man tatsächlich einen positiven Trend. In den letzten drei Wochen flossen kumuliert etwa 3,8 Milliarden US-Dollar in die Indexprodukte der Wall Street.
Fed-Sitzung wird für Bitcoin zum Gradmesser
Der erste richtige Test der Bitcoin Rallye dürfte aber noch bevorstehen. Am 15. September wird die US-Notenbank entscheiden, wie es in Sachen Leitzinsen in den USA weitergehen soll. Zuletzt hatte Kevin Warsh grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, um der hohen Inflation Herr zu werden. Jüngste Arbeitsmarktdaten stützten derweil sein Vorhaben. Marktbeobachter auf CME FedWatch gehen mittlerweile zu 60 Prozent von einer Anhebung der Leitzinsen im September aus. Für Bitcoin könnte es dann ungemütlich werden.

