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Intel Der neue Stern am Bitcoin-Mining-Himmel?

Intel, der weltweit größte Chiphersteller, möchte die Mining-­Industrie aufmischen. In der Nähe von Magdeburg in Sachsen-Anhalt soll bis 2027 ein neues Chipwerk entstehen. Aber wird dort auch gemint?

Marlen Kremer
 |  Lesezeit: 10 Minuten
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Intel Chip

Beitragsbild: Shutterstock

| Als Halbleiter-Urgestein nimmt Intel das Bitcoin-Mining-Geschäft in Angriff. Was steckt in dem Chip?

Ein kleiner Zeitungsausschnitt von vor über 50 Jahren ist das Zeugnis einer Unternehmensgründung, die in einem der erfolgreichsten Unternehmen der Neuzeit mündete.

Im kalifornischen Mountain View schlossen sich Robert Noyce und Gordon Moore zu Intel zusammen, welches ein halbes Jahrzehnt später der größte Computerchip-Hersteller der Welt sein sollte. Neuland war das für das Duo jedoch nicht: Als Tech-Urgesteine im Silicon Valley waren Noyce und Moore bereits an der Gründung der Halbleitersparte des Unternehmens Fairchild beteiligt, unter dessen Aufsicht der erste integrierte Schaltkreis entwickelt wurde.

Doch die Engstirnigkeit des Unternehmens missfiel Noyce nach einer Weile – er wollte mehr, sehnte sich nach technologischen Innovationen. “Ich glaube nicht, dass ich [noch einmal] bei einem Unternehmen einsteige, das einfach nur Halbleiter herstellt”, schrieb Noyce in seinem Kündigungsschreiben an Fairchild. “Ich will eher versuchen, ein kleines Unternehmen zu finden, das versucht, ein Produkt oder eine Technologie zu entwickeln, die bisher noch niemand entwickelt hat.”

Die Geburtsstunde Intels

1968 war dieser Zeitpunkt gekommen. Zwar stieg Noyce nicht in einem existierenden Unternehmen ein, gründete jedoch kurzerhand mit seinem Kollegen Moore ein eigenes Standbein im aufstrebenden Technologiesektor. Die pulsierende Ader Intels leitete sich dabei von einem der Hauptgründe ab, den einst sicheren Silicon-Valley-Hafen Fairchild zu verlassen: Innovation, Forschung und Entwicklung.

So kam Intels erstes Produkt, der Speicherchip 3101 SRAM (statisches RAM), bereits ein Jahr nach der Gründung auf den Markt. Ein Jahr später dann wurde Intel durch einen Auftrag des japanischen Rechner-Unternehmens ­Busicom in eine etwas andere Richtung gedrängt. Demnach sollte Intel eine andere Art Chip entwickeln, der die Funktionen einer Rechenmaschine abbilden können sollte.

Mit dem Unterfangen beauftragt, machte sich Intel-Ingenieur Ted Hoff an die Entwicklung und ebnete den Weg zu nichts Geringerem als der modernen Computerindustrie, wie wir sie heute kennen.

Während Intels Computerchips ihre Spezifikationen in ihrer physischen Architektur trugen, kreierte Hoff für den japanischen Taschenrechner erstmals den Mikroprozessor Intel 4004 – einen universellen Chip, der unterschiedlich programmierbar ist. “Die Menschen waren […] in dem Konzept gefangen, dass ein Computer ein wertvolles, mehrere Millionen Dollar teures Gerät ist”, erklärte Hoff. “Mit diesem Produkt veränderten wir die Wahrnehmung der Menschen von Computern und die Richtung, in die sich die Computerindustrie entwickeln würde”, so Hoff weiterhin. “Wir haben den Computer demokratisiert.”

Kultstatus und Kurseinbrüche

Die Corona-Pandemie hat die Notwendigkeit für Rechenzentren global durch den vermehrten Einsatz von digitalen Technologien enorm verstärkt. Während Intel als Chiphersteller davon profitieren konnte, ist die starke Nachfrage jedoch in eine weltweite Chipknappheit umgeschlagen.

Mit einem Umsatz im vierten Quartal 2021 von 20,5 Milliarden US-Dollar verzeichnete der Chiphersteller ein Wachstum von drei Prozent im Jahresvergleich. “Das vierte Quartal war ein heiliger Moment für die gesamte Technologiebranche, weil wir den Jahrestag des Intel 4004 feierten – des Chips, der die Welt veränderte”, erklärte Intels CEO Pat Gelsinger.

Die Mikroprozessortechnologie, die durch den Intel 4004 ins Leben gerufen wurde ermöglich es uns, auch während der Pandemie in Verbindung zu bleiben

Pat Gelsinger

Der CEO erwartet jedoch, dass die Chipknappheit noch bis in das Jahr 2023 anhalten wird. Die Intel-Aktie notiert zurzeit bei rund 36 US-Dollar und vermeldet damit einen Kursverlust von circa 25 Prozent seit Jahresbeginn. Die Investor:innen scheinen von Intels Leistung nicht gänzlich überzeugt zu sein.

Nach der Verkündung der Q4-Ergebnisse im Januar sowie nach einem weiteren Investoren-Call Mitte Februar musste der Technologiekonzern jeweils Kurseinbrüche hinnehmen.

Auch heute ist das Geschäftsmodell Intels noch auf die Grundpfeiler der Innovation, Forschung und Entwicklung ausgerichtet. Um dem nachzukommen, befindet sich Intel derzeit auf Expansionskurs. Demnach stehen neue Produktionsstätten auf zwei verschiedenen Kontinenten in den Startlöchern.

Zum einen plant Intel die bisher größte Chipfabrik der Welt im US-Bundesstaat Ohio und legt dafür satte 20 Milliarden US-Dollar hin. Zum anderen verkündete das Unternehmen jüngst, eine neue Produktionsstätte in Magdeburg aufsetzen zu wollen. Das 33 Milliarden US-Dollar schwere Investment für das Chipwerk an der Elbe soll “voraussichtlich im Jahr 2027 in Produktion” gehen, erklärt Intel gegenüber BTC-ECHO.

Die Krypto-Schmuddelecke

Schnelle und sichere Transaktionen, Zensurresistenz, finanzielle Inklusion und dezentrale Machtverhältnisse: Das sind die Dinge, die sich Menschen von der originären Kryptowährung Bitcoin versprechen.

Um Bitcoin zu verstehen, muss man sich jedoch auch mit dem Konsens in einem dezentralen System auseinandersetzen. Letztendlich muss in dem Netzwerk gewährleistet sein, dass sich alle Teilnehmer:innen auf die identische Version der Blockchain einigen.

In Analogie zum Goldschürfen wird der Vorgang, einen neuen Block mit Transaktionsinformationen zu verifizieren, Mining genannt. Für die erfolgreiche Validierung eines Blocks werden die Münzschürfer belohnt. Die Verifizierung eines neuen Blocks verlangt jedoch enorme Rechenleistung, denn die Miner stehen in einem Wettkampf, die Lösung eines mit dem Block verbundenen mathematischen Problems schnellstmöglich zu finden.

Von CPUs zu ASIC-Minern

Was man braucht, um eine lohnenswerte Rechenleistung hervorzubringen? Ein herkömmlicher Taschenrechner könnte das mathematische Problem zwar theoretisch lösen, gegen die Konkurrenz durchsetzen könnte man sich damit aufgrund der fehlenden Geschwindigkeit jedoch nicht.

Anfangs setzte man in der Mining-Industrie daher auf CPUs. Aufgrund der steigenden Anzahl an Bitcoin-Minern und der damit verbundenen erhöhten Schwierigkeit, den gültigen Hash zu finden, reichte die Rechenleistung einer CPU rasch nicht mehr aus. GPUs sollten Abhilfe schaffen.

Die Grafikkarte konnte vor allem mit hoher Effizienz von sich immer wiederholenden Aktivitäten punkten. Doch auch diese Alternative hatte wegen der zunehmenden Beliebtheit der größten Kryptowährung mit der Zeit ausgedient.

Wenn man nun etwas vorspult, landet man bei einem Gerät, das sich heutzutage bei den meisten Krypto-Minern wiederfindet: beim ASIC-Miner. Seit seiner Emergenz im Jahr 2013 ist diese Art von Hardware zum Standard im Mining-Geschäft aufgestiegen.

Bei ASIC-Minern werden Mikrochips benutzt, die physisch auf das Minen ausgelegt sind. Eine wettbewerbsfähige Mining-Farm mit hocheffizienten ASIC-Minern kostet neben den enorm hohen Anschaffungskosten jedoch vor allem eines: Strom.

Stromverbrauch in Zahlen

Analysen zufolge beansprucht das Mining von Bitcoin jährlich in etwa so viel Strom wie die Energieversorgung Schwedens. Laut Berechnungen des Bitcoin Mining Councils (BMC) belief sich der Jahresstromverbrauch im Jahr 2021 auf 220 TWh.

Deswegen ist es für Miner besonders wichtig, Energiekosten zu sparen. Die Frage des Stromverbrauchs ist jedoch von der Frage der Umweltfreundlichkeit zu unterscheiden. Für Letzteres ist der Energiemix des Minings ausschlaggebend, der sich nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Miner zu Miner unterscheiden kann.

Dem BMC zufolge soll der Anteil erneuerbarer Energien im weltweiten Bitcoin-Mining bereits bei über 50 Prozent liegen. Eine Studie von CoinShares berechnete außerdem, dass sich der Bitcoin für 41 Millionen Tonnen an CO2 verantworten muss – die globale Bankenindustrie jedoch für mehr als das Dreifache (unabhängig sind weder BMC noch ­Coin­Shares, weswegen ihre Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind).

Stand heute gibt es jedoch einige Lücken in der Berichterstattung des Bitcoin-Minings: Die Umweltdebatte rund um Bitcoin ist kompliziert. Letztendlich muss die Frage beantwortet werden, wofür wir bereit sind, Energie aufzuwenden. Schließlich lassen wir uns auch die jährliche Weihnachtsbeleuchtung nicht nehmen, oder?

Energieverschwendung für die einen ist essenziell für die anderen. Eine wahre Schmuddelecke also – im Krypto-Space und für Otto Normalverbraucher schon lange nicht mehr lukrativ, oder?

Intels Mining-Avantgarde

Genau hier möchte Intel ansetzen: “Wir sehen die Möglichkeit, innovative Technologien anzubieten, die dazu beitragen können, den Bedarf an Produkten mit verbesserter Energieeffizienz und geringeren Umweltauswirkungen in diesem aufstrebenden Markt zu decken”, erklärt der Chiphersteller gegenüber BTC-ECHO.

Und an diesen Produkten hat der weltweit größte Computerchipproduzent wohl einige Jahre geforscht. Schon 2018 sicherte man sich ein entsprechendes Patent für einen energieeffizienten Mining-Chip.

Erst jüngst kam dann der Aufschrei in der Krypto-Szene, als Intel auf einer Konferenz mit einem Vortrag über seinen Blockchain Accelerator namens Bonanza Mine gelistet worden war. Der Vortrag wurde jedoch letztendlich mit einem kollektiven Seufzer entgegengenommen, da sich die Präsentation lediglich um das bereits 2018 ausgearbeitete Mining-Konzept handelte, welches die aktuelle Konkurrenz in puncto Effizienz nicht ausstechen kann.

In dem Patent erklärte Intel damals schon, dass es an einer Lösung arbeite, die “die Gesamtfläche der Schaltung und den Stromverbrauch um etwa 15 Prozent reduzieren” könne. Dem Unternehmen geht es vor allem darum, den ökologischen Fußabdruck zu minimieren.

Gegenüber BTC-ECHO erklärte Intel, dass “die Modernisierung und der Umwelteinfluss” zu den größten Herausforderungen der Krypto-Mining-Industrie zählen. Inzwischen soll es jedoch eine zweite Generation des energieeffizienten ASIC-Miners geben, die “später in diesem Jahr” lieferbar sei, so Raja M. Koduri, Senior Vice President bei Intel, in einem Blogpost.

“Wir arbeiten direkt mit Kunden zusammen, die unsere Nachhaltigkeitsziele teilen”, heißt es. Argo Blockchain, Jack Dorseys BLOCK und GRIID Infrastructure sind bereits als Kunden des neuen Mining-Chips an Bord.

Die genauen Spezifikationen der zweiten Generation des Bonanza Miners ist jedoch nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln. Eine starke Vermutung wurde jedoch von einem der ersten Abnehmer des neuen Bonanza Miners, GRIID, in die Welt gesetzt.

In Unterlagen, die bei der SEC eingereicht wurden, spricht das Unternehmen von einer “ASIC-Chip-Technologie der nächsten Generation von einem US-Fortune-500-Unternehmen”. Namentlich wird Intel zwar nicht erwähnt, die Beschreibung trifft jedoch erstaunlich genau zu. In diesen Unterlagen gibt GRIID überdies einige technische Details der ASICs preis.

Demnach soll der neue Miner für bereits 5.625 US-Dollar zu haben sein und eine Hashrate von 135 TH/s erreichen können. Zudem könne der neue Miner eine Energieeffizienz von 26 Joule pro Terahash erreichen, heißt es. Im Vergleich zur Industrie-Goldklasse, dem S19j XP der Marke Bitmain, wäre der neue Miner also um 5 TH/s schwächer und um 5,5 Joule pro Terahash weniger effizient. Dafür soll der vorgestellte Miner aber auch nur etwa die Hälfte kosten.

Auch uns wollte der Chiphersteller nicht verraten, ob es sich in der Präsentation wirklich um den neuen Bonanza Miner handelt. “Wir können bestätigen, dass neben anderen auch GRIID Infrastructure zu den Kunden unseres Blockchain Accelerators gehört”, erklärte uns Intel, identifizierte sich jedoch nicht eindeutig als Hersteller der Hardware, die in dem Dokument beschrieben wird.

Auch ist es unklar, ob GRIID durch große Bestellungen eventuelle Rabatte erhalten hat oder ob die dargelegten Spezifikationen zu speziell angefertigten ASICs gehören. Derweil hat Intel das mit der Mining-Industrie verbundene Potenzial, so scheint es, schon längst erkannt.

Der Dinosaurier in der Chipherstellung nutzt damit nicht nur die jahrzehntelange Erfahrung, sondern auch den im Unternehmen eingebrannten Drang nach neuen Entwicklungen. “Das Mining von Kryptowährungen wird mit oder ohne Intel erfolgen”, erklärte man uns. Dass die innovative Ausgestaltung der Mining-Industrie viele Vorteile für den Krypto-Space, aber auch für den Markt der erneuerbaren Energien mit sich bringen wird, hat das Unternehmen derweil verstanden.

“Intel zielt darauf ab, energieeffiziente Bausteine bereitzustellen, die anstelle vieler ineffizienter Mining-Lösungen verwendet werden können, die heute in Betrieb sind. Das Mining von Kryptowährungen kann mit erneuerbaren oder kohlenstoffneutralen Energiequellen durchgeführt werden, treibt neue Investitionen in die Infrastruktur für erneuerbare Energien voran und kann dem Stromnetz Vorteile beim Lastausgleich verschaffen.”

Dass die vermeintliche Umweltsünde den Ausbau erneuerbarer Energien intensiviert, ist ein Argument, welches in der Krypto-Szene schon länger Anklang findet. Mit dieser Einstellung könnte es Intel durchaus gelingen, den Space aufzumischen und Bitcoin und CO₂ für manch einen Kritiker in neuem Licht erscheinen lassen.

Disclaimer

Dieser Artikel erschien bereits in der Aprilausgabe des BTC-ECHO Magazins.

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