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Online-Wahlen Demokratie durch Blockchain: Voatz-App für virtuellen Parteitag

Das Unternehmen Voatz kooperierte erneut mit der Demokratischen Partei Michigan, um Nominierungen und Abstimmungen via Blockchain zu handhaben.

Alexander Leyde
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Anhänger der US-Demokraten

Beitragsbild: Shutterstock

Einmal ist keinmal, doppelt hält besser, alle guten Dinge sind drei, also warum nicht noch öfter: Zum vierten Mal kooperierte die Demokratische Partei aus Michigan mit dem Startup Voatz. Zwischen dem 29. und 30. August fand ihr Parteitag statt – dabei ging es um die Nominierung von Richtern für den Obersten Gerichtshof des Bundesstaats und um Vorstandsmitglieder verschiedener Universitäten Michigans.

Wegen der Corona-Pandemie fand die gesamte Versammlung digital statt. Fast 2.000 Delegierte schlugen deshalb aus der Ferne Kandidaten vor, von denen sich einige über eine Nominierung freuen durften. Die endgültige Wahl wird dann am 3. November – zeitgleich mit der Präsidentschaftswahl – stattfinden.

Für Voatz war dies der erste Parteitag, bei dem Kandidaten digital nominiert und gewählt wurden. Die vorherigen Parteitage fanden vor Ort statt, bei dem nur die Abstimmung über die App lief. Für das Startup also ein absolutes Novum. Dabei arbeiten die Entwickler eng mit der Partei zusammen, um allen Delegierten die Teilnahme zu ermöglichen: Extra Tools für Menschen mit Sehschwäche bauten sie ein, außerdem richteten sie einen Informationsschalter für Wähler ohne die Möglichkeit zur Internetwahl ein. Das Unternehmen ist aber nicht parteigebunden und arbeitete auch bereits mit den Republikanern zusammen.

Sprungbrett oder Sargnagel?

Das System auf Blockchain-Basis verifiziert Delegierte und erspart dadurch den Gang zur Wahlurne. Das löst bei Beobachtern gemischte Gefühle aus. Einerseits preisen viele die Möglichkeit, mehr Menschen am US-Wahlsystem durch die Voatz-App teilhaben zu lassen. Tatsächlich nahmen etwa 91 Prozent der Demokratischen Delegierten in Michigan an den Wahlen teil. US-Amerikanischen Militärs und ihren Angehörigen erlaubte die App ebenfalls bereits, ihre Stimme abzugeben.

Andererseits reißt die Kritik an Voatz nicht ab. Intransparenz wird dabei immer wieder zum Thema. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) spricht in diesem Zusammenhang von Sicherheitslücken. Und Trail of Bits, das Unternehmen auf Sicherheitsprobleme hin untersucht, zog ebenfalls ein kritisches Urteil. Personen mit (unrechtmäßigem) Zugang zum Backend von Voatz könnten demnach abgegebene Stimmen unter anderem deanonymisieren, ungültig machen oder verändern.

Allgemein berge die Stimmenabgabe – so die Bedenken – über eine Blockchain gewisse Gefahrenpotenziale. Digitale Systeme seien grundsätzlich angreifbar. Betrugs- und Manipulationsmöglichkeiten brächten die Demokratie erst recht in Gefahr, meint Jeremy Epstein von der Association for Computing Machinery NGO. Ein Paradox, wenn man davon ausgeht, mit der BlockchainAnwendung die Wahlbeteiligung erhöhen zu wollen.

Voatz widerspricht

Die Vorwürfe konterte das Startup mit der Beschuldigung, nicht richtig recherchiert zu haben. Das letzte Wort ist damit über die Nutzung von Internet und Blockchain im US-amerikanischen Wahlsystem noch nicht gesprochen. In anderen Ländern, beispielsweise in Estland und in der Schweiz, sind ähnliche Wahlmodelle schon länger möglich.

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