DeFi-Monitor “DeFi is eating Finance”: Wie dezentrale Finanzen die Finanzwelt neu erfinden
Leon Waidmann

von Leon Waidmann

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Deutsche Bank

Quelle: Shutterstock

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Decentralized Finance (DeFi) hat das Potenzial, die Bankenwelt massiv zu verändern – ja, man kann sogar sagen, dass DeFi gerade dabei ist, unser Finanzsystem von Grund auf neu zu erfinden. Schon heute ist der Sektor in einigen Bereichen weitaus effizienter als die traditionelle Finanzwelt.

“Software is eating the world” ist der Titel eines aus dem Jahr 2011 stammenden Artikels von Marc Andreessen. Marc Andreessen ist Mitgründer des Investment-Riesen Andreessen Horowitz. Erst kürzlich gab das Unternehmen bekannt, dass es plant, eine gigantische Summe von 2,2 Milliarden US-Dollar in den Krypto-Space zu investieren – unter anderem in DeFi.


In seinem 10 Jahre alten Beitrag beschreibt Andreessen, dass Softwareunternehmen etablierte Unternehmen ersetzen und ganze Branchen revolutionieren werden. Zehn Jahre später wissen wir, das er damit absolut recht behalten sollte.

Amazon hat den Verkauf von Konsumgütern ersetzt, Spotify die Musikindustrie übernommen und Webseiten wie LinkedIn haben traditionelle Recruiting-Methoden fast vollständig abgelöst. Und wie haben sie das geschafft? Indem sie Services angeboten haben, die schneller, billiger und besser waren, als die der “alten” Industrie. Für Andreessen war es schon damals nur eine Frage der Zeit, bis jede Branche von Software aufgefressen werden würde. Aber bislang galt das nicht für den Finanzsektor – könnte DeFi das ändern?

“DeFi is eating Finance”

Während Software in den letzten Jahren zahlreiche Industrien ersetzt hat, hat sie im Finanzsektor eine vergleichsweise geringe Rolle gespielt. Dank der etablierten Anbieter, hohen Umstellungskosten und regulatorischen Einschränkungen, hat sich die Innovation im Finanzsektor hauptsächlich an der Oberfläche abgespielt.

Zwar haben Banking-Apps und Fintech-Unternehmen die Art und Weise, wie mir Geld überweisen, verändert, aber im Grunde basiert unser heutiges Finanzsystem immer noch weitgehend auf Systemen, die in den 1970er Jahren (oder früher) entwickelt wurden.

Decentralized Finance hingegen baut unseren Finanzsektor von Grund auf neu. Menschen werden durch Smart Contracts ersetzt, Papierkram durch Code und die Rechtsdurchsetzung durch im Code festgelegte Regeln. Als Konsequenz funktionieren DeFi-Protokolle kosteneffizienter und ermöglichen gänzlich neue Geschäftsmodelle in der Finanzwelt. Interessanterweise ähnelt diese Entwicklung der Evolution innerhalb der Softwarebranche stark.

Zunächst hat sich Software von monolithischen Infrastrukturen und Anwendungen zu auf Cloud Technologie basierenden Microservices entwickelt, die Kosteneffizienzen realisieren (Ressourcenzusammenlegung, Cloud Computing) und gänzlich neue Geschäftsmodelle, wie beispielsweise Service-on-Demand, ermöglicht haben.


Unternehmen vs. DeFi-Protokolle

Natürlich ist es nicht möglich Unternehmen und DeFi-Anwendungen exakt zu vergleichen. Dennoch kann man dank Gewinn- und Verlustrechnungen relativ ähnliche Branchen miteinander vergleichen, um eine grobe Vorstellung davon zu bekommen, wie viel effektiver DeFi-Protokolle sein können.

MakerDAO (MKR) vs. Deutsche Bank

Im Jahr 2020 hatte die Deutsche Bank Infrastruktur-, Immobilien- und betriebsbezogene Kosten in Höhe von acht Milliarden US-Dollar. Das entspricht knapp 64 Prozent der gesamten Betriebskosten des Unternehmens. Diese Kostenstruktur ist bei einer so großen und strukturell wichtigen Organisation mit einer über 100 Jahre alten Geschichte zu erwarten. Im Vergleich zum Lending-Protokoll MakerDAO sieht diese Kostenstruktur aber katastrophal aus.

Denn MakerDAO benötigt keine weltweit verteilten Immobilien oder Server, um seine Services zur Verfügung zu stellen. Deshalb fällt bei MakerDAO der größte Teil der Betriebskosten auf den Personalbestand. Dieser ist aber im Vergleich zum gesamten Nettoeinkommen minimal. Das führt dazu, dass MakerDAO im Mai 2021 eine Gewinnmarge von 99 Prozent verzeichnete. Die Deutsche Bank verzeichnete im selben Zeitraum hingegen lediglich 16,11 Prozent.

Wie geht es weiter?

Im Laufe des nächsten Jahrzehnts werden DeFi-Protokolle als “Finanz-Microservices” sowohl für traditionelle Finanzinstitute, als auch für traditionelle Fintech-Unternehmen wie PayPal eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür, wie die traditionelle Finanzwelt mit DeFi verschmelzen wird, verdeutlichte jüngst ein Projekt von Compound.

Compound will mit “Compound Treasury”, einem Projekt, das speziell für Unternehmen und Finanzinstitute entwickelt wird, institutionellen Investoren einen einfachen Zugang zu DeFi bieten. Die Idee ist dabei relativ einfach: ein fester Jahreszins von vier Prozent auf alle eingezahlten US-Dollar.

Es ist daher davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren immer mehr Institutionen dezentrale Finanzanwendungen als ihre Backend-Infrastruktur nutzen, um ihren Kunden neue Finanzdienstleistungen aus der DeFi-Welt anzubieten. Obwohl durch die Integration der DeFi-Protokolle in die Fiat-Wirtschaft zusätzliche Kosten entstehen werden, wird es vermutlich dennoch um Längen effizienter sein, als die derzeitige Marktstruktur.

Ob sich das Decentralized Finance letztlich als dominantes Finanzsystem etablieren wird, ist dennoch schwer vorherzusagen. Denn: Weder Zentralbanken noch Regierungen dürften daran interessiert sein, ihr Machtmonopol vollständig aufzugeben.



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