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Rabattaktion  Coinbase, Bakkt und Co.: Jetzt in Krypto-Aktien einsteigen?

Kryptowerte und Tech-Aktien kannten in diesem Jahr nur eine Richtung: gen Süden. Besonders gelitten haben Aktien von Kryptounternehmen: von Coinbase und Bakkt bis zu Riot Blockchain oder Marathon Digital Holdings. Ist der Boden erreicht und ein Nachkauf sinnvoll?

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 7 Minuten
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Krypto-Aktien im Sale

Beitragsbild: Shutterstock

| Eine Frau hält mehrere Einkaufstaschen mit ihrem Unterarm. Gilt die Shoppinglaune auch für Krypto-Aktien?

Es mag hart klingen, doch die Performance von Bitcoin auf 12-Monatssicht ist besser als die von den allermeisten Aktien im Krypto-Bereich. Vor einem Jahr, also im Juni 2021, stand Bitcoin kaum höher als heute. Anders sieht es bei den namhaften Krypto-Aktien aus. Der Kurs von Unternehmen wie Block, MicroStrategy oder Coinbase lag im Schnitt doppelt so hoch wie gegenwärtig. Folglich kann der Gedanke aufkommen, dass diese Aktiengesellschaften überproportional vom Markt abgestraft wurden und nun als günstig bewertet werden können.

Nicht Korrektur, sondern Zusammenbruch

Schaut man sich nicht die 12-Monatsfrist an, sondern den Abstand zum Allzeithoch (ATH), der für die meisten Krypto-Aktien im Herbst 2021 erreicht wurde, wird das Bild noch düsterer. Bei nicht wenigen Aktien finden wir einen Abstand von bis zu 90 Prozent zum Allzeithoch. Nachfolgend eine handvoll Krypto-Aktien, die es besonders schwer getroffen hat:

  1. Bakkt: ATH bei rund 44 USD, aktueller Kurs rund 2,90 USD (-84 %)
  2. Coinbase: ATH bei rund 300 USD, aktueller Kurs rund 67 USD (-78 %)
  3. Riot Blockchain: ATH bei rund 37 USD, aktueller Kurs rund 6,20 USD (-83 %)
  4. Marathon Digital: ATH bei rund 70 USD, aktueller Kurs rund 8,80 USD (-87 %)
  5. Hut 8 Mining Corp.: ATH bei rund 14 USD, aktueller Kurs rund 2,30 USD (-83 %)

Die Liste lässt sich beliebig weiterführen: Die Mehrheit der Krypto-Aktien ist zum Allzeithoch im Herbst vergangenen Jahres zwischen 70 und 90 Prozent im Minus. Sicherlich waren die Aktien zum damaligen Zeitpunkt deutlich überbewertet und die Kurse nicht fundamental gerechtfertigt. Krypto ist schließlich Teil der Tech-Blase gewesen – so ehrlich sollte man sein.

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Krypto-Aktien: Ein Phänomen der ehemaligen Nullzinspolitik?

Durch die anziehende Inflation schwingt das Pendel jetzt aber in die entgegengesetzte Richtung. Steigende Leitzinsen und eine negative Erwartung an das Makroumfeld führen zu einer Übertreibung gen Süden. Immer öfter ist das Wort Rezession aus dem Mund namhafter Investoren oder Ökonomen zu hören.

Mit Blick auf die Kurse der Krypto-Aktien drängt sich die Frage auf, was denn nicht eingepreist sein soll. Natürlich kann der Ukraine-Krieg weiter eskalieren und auch die Inflation kann sich hartnäckiger halten als bislang von den Marktteilnehmern angenommen. Dennoch kann es genauso gut auch zu einer Entspannung bei den beiden angesprochen Punkten kommen. Auch der Blick auf Sentiment-Indizes wie den Fear-and-Greed-Index oder die Cashquote unter Fondsmanagern zeichnen ein Bild von großer Angst und großem Pessimismus. So unmöglich perfektes Timing an der Börse ist, mehren sich die Zeichen, dass wir nicht mehr allzu weit vom Boden entfernt sein dürften.

Kurs-Gewinn-Verhältnis macht Hoffnung

Dieser Eindruck verstärkt sich in Teilen mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Krypto-Aktien. Dabei teilt man den Börsenkurs durch den Gewinn je Aktie. Je niedriger das KGV, desto preiswerter die Aktie. Als Faustformel gilt, dass ein KGV von über 20 als tendenziell teuer gilt. Rutscht das KGV hingegen in den negativen Bereich, da das Unternehmen Verluste macht, dann ist dies wiederum sehr negativ. Um einen Eindruck zu erhalten, wie es bei den Krypto-Aktien aussieht, nehmen wir wieder unsere fünf Kandidaten von oben:

  1. Bakkt: KGV 2021 keines ausgewiesen und für 2022e bei -3,99
  2. Coinbase: KGV 2021 bei 17,65 und für 2022e bei -9,88
  3. Riot Blockchain: KGV 2021 bei -285,90 und für 2022e bei 6,02
  4. Marathon Digital Holdings: KGV 2021 bei -92,76 und für 2022e bei 10,80
  5. Hut 8 Mining Corp.: KGV 2021 bei -17,66 und für 2022e bei 6,73

Wir stellen fest, dass mit Ausnahme von Coinbase das KGV (2021) bei allen anderen Krypto-Aktien im negativen Bereich war. Dabei zeigt sich, dass es vor allem die Mining-Unternehmen (3, 4 und 5) besonders schwer getroffen hat. Ihre Verluste fallen massiv aus, dafür liegt ihr Ausblick für das 2022er KGV in einem attraktiven Bereich zwischen 6 und 11.

Schlimm, schlimmer, Mining

Wem der Goldbarren oder Gold-ETF zu langweilig ist, der greift auf Gold-Minengesellschaften zurück. Schließlich profitieren diese überdurchschnittlich, wenn der Goldpreis steigt. Dieser Hebel gilt auch für Bitcoin-Minengesellschaften. Bei steigenden Bitcoin-Kursen steigen ihre Aktienkurse stärker als die der genannten Kryptowährung – gutes Management beziehungsweise effiziente Arbeitsweise vorausgesetzt.

Dieser Hebel kann jedoch auch in die andere Richtung ausschlagen. Insbesondere dann, wenn die Produktion, sei es von Gold oder eben Bitcoin, kaum noch rentabel ist. Steigende Leitzinsen machen die finanzierungsintensiven Mining-Maßnahmen immer unattraktiver. Gleichzeitig drücken steigende Energiekosten auf die Marge des energieintesiven Geschäfts. Während manch Nahrungsmittelhersteller oder Pharmakonzern die Inflation, vor allem die Energiepreisinflation, durch höhere Preise weitergeben kann, können dies die Mining-Unternehmen nicht. Sie haben keine Preissetzungsmacht, sondern müssen sich an den Marktpreisen orientieren.

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Bitcoin-Reserven müssen dran glauben

Es ist beeindruckend, dass angesichts dieser schlechten Rahmenbedingungen für Bitcoin-Miner die Hashrate derart stabil bleibt. Die meisten Krypto-Mining-Unternehmen konnten in den vergangen beiden Jahren sehr viel Geld einsammeln. Es scheint, dass sie gegenwärtig unbeirrt weiter schürfen und von ihren Cash-Reserven leben.

Auf der anderen Seite verkaufen erste Miner bereits verstärkt ihre Bitcoin, um ihren Betrieb am Laufen zu halten. Einige Monate kann das problemlos gutgehen. Irgendwann kommt allerdings der Punkt, an dem der Bitcoin-Kurs steigen oder andernfalls die Difficulty (also der Aufwand, einen Bitcoin zu schürfen) fallen muss, um ausreichende Profitabilität gewährleisten zu können.

Krypto-Aktien: Der Blick in das Portfolio

Wer beispielsweise auf Blockchain ETFs wie VanEck Digital Asset Equity oder ETC Group Digital Assets & Blockchain Equity setzt, der sollte sich bewusst sein, dass die Gruppe der Mining-Gesellschaften den höchsten Anteil im Fonds, im Vergleich zu anderen Krypto-Branchen wie Vermögensverwaltung oder Brokerage, einnehmen. Noch stärker als beispielsweise Coinbase, Block oder Silvergate Capital sind sie als Wette auf steigende Bitcoin-Kurse zu verstehen.

Wer sich dem hohen Risiko von Mining-Aktien bewusst ist, der kann auf der anderen Seite auch mit einer schnellen Ver-X-Fachung rechnen, sollte der Bitcoin-Kurs wieder zu alten Höhen zurückfinden. Wer mit dem Gedanken liebäugelt, der muss noch strenger als sonst angeraten, einen Blick auf die Verfassung respektive Reserven des Unternehmens zu werfen. Es wäre schließlich sehr ärgerlich, wenn dem Unternehmen bis zum nächsten Bullrun die Puste ausgeht und man eine Depotleiche verbuchen muss.

Fazit

Alle Krypto-Aktien sind heftig unter die Räder gekommen. Von sehr teuren Niveaus im Herbst 2021 zu tendenziell günstigeren Niveaus gegenwärtig, haben sich ihre Kurse entwickelt. Wer von dem mittel- bis langfristigen Erfolg der Krypto-Ökonomie überzeugt ist und zu der Einschätzung gelangt, dass der Großteil der negativen Einflussfaktoren in den Kursen eingepreist ist, der kann mit ersten, vorsichtigen Nachkäufen beginnen.

Wie bei allen Tech-Aktien gilt auch bei Krypto, dass ihre Kurse noch stärker als beispielsweise defensive Dividendentitel von der kollektiven Marktpsychologie abhängen. Die Emotionen Gier und Angst spielen bei den Geschäftsmodellen mit besonders hohen Zukunftserwartungen eine sehr große Rolle. Wer sich nun am anti-zyklischen Investieren probiert, muss sich nicht nur den hohen Risiken bewusst sein, sondern auch über ein ausreichend großes Selbstbewusstsein verfügen, um gegen den Strom zu schwimmen.

Wie es mit dem Kryptomarkt in den nächsten Monaten weitergehen könnte, erfahrt ihr auch in unserer aktuellen Juni-Ausgabe des BTC-ECHO Magazins.

Disclaimer: Der Artikel spiegelt lediglich die persönliche Meinung des Autors wider und ist keinesfalls als Kauf- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen.

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