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Machtspiele  Bitcoin und die Ukraine-Krise: Diese Szenarien sind denkbar

Die Zuspitzung der Ukraine-Krise hat die Finanzmärkte beunruhigt. Zwischen einem verbalen Schlagabtausch ohne größere Konsequenzen, harten Sanktionen mit wirtschaftlichen Folgen oder gar militärischem Eingreifen ist alles denkbar. Was dies für Bitcoin sowie den Devisenmarkt bedeuten kann.

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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Bitcoin Münzen in Farben der ukrainischen Flagge

Quelle: Shutterstock

Auch wenn gegenwärtig der Ausgang der Ukraine-Krise unklar ist, drohen verschiedene Szenarien, Einfluss auf die Finanz- und Kryptomärkte zu nehmen. Sollten auf die bislang verbalen Auseinandersetzungen Taten folgen, dann wäre das vor allem für Russland eine wirtschaftliche Katastrophe.

Als Konsequenz würde die Landeswährung Rubel massiv abgewertet. Korrespondierend dazu würde eine verstärkte Kapitalflucht aus russischen Vermögens- und Geldwerten erfolgen. Die russische Regierung müsste entsprechende Maßnahmen erlassen, um den Vermögenstransfer und die Abwertung zu unterbinden. Als Teil der Kapitalverkehrskontrollen wäre ein Bitcoin-Verbot respektive ein Verbot diverser Krypto-Anlageformen naheliegend.

Bitcoin-Verbot in Russland

Zwar wurde erst kürzlich bekannt, dass der russische Staat von dem viel diskutierten Bitcoin-Verbot absieht, dennoch muss das nicht bedeuten, dass es in einem Ernstfall auch so bleibt. Restriktionen und Verbote folgen oftmals erst, wenn sich der Staat in einer Notlage befindet.

Schließlich würde eine Eskalation Russlands Haupteinnahmequelle, das Erdgas und Erdöl, empfindlich treffen. Ein signifikantes Haushaltsdefizit wäre die Folge, bei gleichzeitig immer schlechter werdenden Refinanzierungsbedingungen am freien Kapitalmarkt.

Um dennoch die Staatsausgaben sowie soziale Ruhe im Land finanzieren zu können, müsste die russische Notenbank massiv Geld drucken. Die Inflationserwartung würde ebenfalls den Effekt der Kapitalflucht noch einmal verstärken. Staatlich schlecht zu kontrollierende Finanzinfrastrukturen, ergo Blockchain-Infrastrukturen, müssten entsprechend schnell eingeschränkt werden.

Gleichzeitig würde die Entwicklung einer digitalen Zentralbankwährung nach chinesischem Vorbild beschleunigt werden, um schneller auf bankenunabhängige Infrastrukturen zurückgreifen zu können. Dies könnte ebenfalls den Druck auf Bitcoin und Co. erhöhen. So gab die Zentralbank am Dienstag, dem 15. Februar, bekannt, dass die ersten Test-Transaktionen noch in der ersten Jahreshälfte stattfinden sollen.

Das spricht gegen ein Bitcoin-Verbot in Russland

Auf der anderen Seite gibt es auch Gründe für Russland, Bitcoin nicht zu verbieten. Zum einen könnte Russland seine günstige Energie sowie klimatisch guten Bedingungen nutzen, um durch Bitcoin Mining zumindest in Teilen Verdienstausfälle zu kompensieren. Des Weiteren könnten Kryptowährungen dem Im- und Export Russlands helfen, Sanktionen zu übergehen.

So hat beispielsweise der Iran – dessen politische Exponiertheit Parallelen zu Russland aufweist – erst kürzlich Kryptowährungen für Im- und Export-Unternehmen erlaubt. Sollte es also wie bei dem Iran im Jahr 2018 zum Ausschluss aus den westlich dominierten Zahlungssystem wie SWIFT kommen, dann könnten private Kryptowährungen wie Bitcoin zumindest auch hier die Effekte ein wenig abmildern.

Auch dürfte der russische Staat seine Cyberattacken gegen den Westen erhöhen, wie bereits die US-Regierung warnt. Diese Cyberattacken und Hacks können auch Lösegeld-Forderungen enthalten, die wiederum wie üblich in Bitcoin denominiert sind. Wenn also beispielsweise deutsche Unternehmen in den nächsten Wochen mit einem Computer-Virus infiziert werden, dann stehen die Chancen nicht schlecht, dass hier russische Hacker am Werk sind und BTC-Forderungen formulieren.

Letztlich dürften die aufgeführten Argumente aber nicht stark genug sein, um bei einem Absturz des Rubels ein Bitcoin-Verbot zu entkräften. Weder wären die Bitcoin-Mining-Einnahmen hoch genug, um den Haushalt nennenswert zu entlasten, noch könnte man die Zahlungsschwierigkeiten im Im- und Export ausreichend via Kryptowährungen kompensieren, da Sanktionen dieser Ausweichmöglichkeit zuvorkommen würden. Zumal der Staat ein doppeltes Spiel spielen kann. Wenn auch ein extremes Beispiel, so könnte Russland genau wie Nordkorea Kryptowährungen verbieten, sich aber gleichzeitig als Staat daran bereichern.

Konsequenzen für den Bitcoin-Kurs

Im Falle einer Ukraine-Eskalation ist mit einem kurzfristigen Einbruch der Märkte zu rechnen. Die Aktienmärkte dürfte es dabei weniger hart treffen, als den Kryptomarkt. Zum einen reagieren Kryptowährungen mit einer größeren Volatilität. Zum anderen würde ein BTC-Verbot in Russland wahrscheinlicher werden. Ebenfalls könnte das Image von Bitcoin leiden, wenn in Medienberichten verstärkt von Cyberattacken berichtet wird, die mit Kryptowährungen assoziiert sind.

So negativ die Effekte für den Bitcoin-Kurs kurzfristig wären, dürften sie nicht fundamental lange nachwirken. So hat das BTC-Verbot in China bereits gezeigt, dass kein Staat, nicht einmal China, in der Lage ist, das Bitcoin-Netzwerk nachhaltig anzugreifen. Gemessen an Russlands ökonomischer Bedeutung wäre ein mögliches Bitcoin-Verbot sehr verschmerzbar.

Größere Gefahr liegt in den USA

Die größere Gefahr für den Bitcoin-Kurs liegt stattdessen in den USA, genauer gesagt bei der amerikanischen Notenbank. Sollte sich die aktuelle Inflation von 7,5 Prozent in den USA nicht zeitnah zurückbilden, dann drohen noch mehr Zinsanhebungen in kürzerer Zeit. Die Kombination von Zinsanhebungen in den USA und perspektivisch auch in Europa, einer Eskalation des Ukraine-Konfliktes sowie einem potenziellen Krypto-Verbot in Russland, hätten das Zeug dazu, die Finanzmärkte und Bitcoin vorerst auf Talfahrt zu schicken.

Kurzfristig wären, wie in den letzten Tagen bereits zu beobachten ist, sichere Staatsanleihen, Gold sowie der US-Dollar klar auf der Gewinnerseite. Bitcoin hingegen wird vom Markt nicht als sicherer Hafen sowie Inflationsschutz, zumindest kurzfristig, wahrgenommen. Entsprechend machen sich dort Krisen-Szenarien als erstes bemerkbar.

Bitcoin-Anleger: So positioniert man sich jetzt richtig

Gegenwärtig gibt es noch keinerlei offizielle Hinweise, die auf ein konkretes Bitcoin-Verbot in Russland hinweisen, auch wenn dies die russische Notenbank bereits vor kurzem gefordert hatte. Russland hatte in der Vergangenheit immer wieder einen Zick-Zack-Kurs bei der Krypto-Regulierung eingeschlagen.

Gerade deswegen ist es aber wichtig, dass sich Krypto-Anleger im Vorfeld mit diesem Szenario auseinandersetzen. Für den Fall sollten Anleger aber eine Portfolio-Strategie besitzen. Insbesondere Trader, die mit größeren Hebeln unterwegs sind, gehen gerade ein enormes Risiko ein. Wer sich nicht als Hardcore-Spekulant betrachtet, sollte aktuell einen eher passiven respektive defensiven Anlagestil fahren. Dies gilt für den Aktiensektor, wie für den Kryptomarkt.

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