ProShares ETF Bitcoin ETF: Trojanisches Pferd oder Kurs-Booster?
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Rotes Band wird durchgeschnitten

Quelle: Shutterstock

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Endlich ist es so weit: Der erste amerikanische Bitcoin ETF wurde von der Börsenaufsicht SEC genehmigt. Der ProShares Bitcoin ETF (Bitcoin Strategy ETF – BITO) ist seit dem 19. Oktober an der NYSE handelbar. Welche Effekte auf den Bitcoin-Kurs zu erwarten sind, warum die Future-Deckung der Indexfonds kritisch gesehen werden kann und warum Krypto-Enthusiasten das Direktinvestment bevorzugen sollten.

Grundsätzlich ist die Genehmigung eines Bitcoin ETFs eine erfreuliche Nachricht. Praktisch keine andere Wertpapiergattung konnte in den letzten zwei Jahrzehnten stärker wachsen und Mittelzuflüsse verbuchen als die börsengehandelten Indexfonds. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

  • sie sind als Sondervermögen strukturiert, sodass man das Emittentenrisiko ausschalten kann,
  • sie sind börsengehandelt, ergo liquide,
  • sie erfüllen höchste regulatorische Standards,
  • sie verfügen in der Regel über sehr geringe Gebühren, insbesondere im Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds,
  • sie bieten einfachen und kostengünstigen Zugang zu diversen Branchen und Indizes für Kleinanleger,
  • viele von ihnen sind Sparplan-fähig,
  • in manchen Jurisdiktionen, insbesondere USA, können ETFs steuerlichen Anreizen unterliegen, wenn man sie unter anderem für die Altersvorsorge nutzt.

Lieber Wertpapierdepot als Wallet

Vor allem für Kryptowährungen sind ETFs besonders attraktiv, da nach wie vor ein Gros der Anleger vor Token zurückschreckt beziehungsweise lieber das eigene Wertpapierdepot zur Vermögensanlage nutzt, als eine Wallet. Gerade die technische Komplexitätsreduktion – so fremd sie für Krypto-Enthusiasten sein mag – ist ein großes Argument für einen Bitcoin ETF.

Schließlich darf man auch nicht vergessen, dass das meiste Geld bei der Babyboomer-Generation liegt und nicht bei der Krypto-affineren, jüngeren Generationen. Für viele Menschen dieser Generation könnte der ETF der erste Berührungspunkt mit der neuen Anlageklasse sein.

Institutionelle Investoren und Inflation

Hinzu kommen institutionelle Investoren, die oftmals aus regulatorischen Gründen auf einen ETF warten müssen, um in Bitcoin zu investieren. Da das meiste Geld dort zu verorten ist, könnte dieser potenzielle Mittelzufluss zu signifikanten positiven Effekten für den Bitcoin-Kurs führen. Die tiefen Taschen hätten damit endlich ein besonders sicheres Vehikel, um ihr Portfolio um eine weitere Asset-Klasse zu erweitern.

Insbesondere Vermögensverwaltungen und Family Offices stehen unter dem Druck, das Kapital ihrer Kunden vor der Inflation zu schützen. Ein Bitcoin ETF zur Diversifikation kommt hier wie gerufen. Mit Inflationsraten in den USA und Europa von teils über fünf Prozent erhöht sich auch unter konservativen Anlegern die Offenheit, “unkonventionellere” Geldanlagen wie Bitcoin in Betracht zu ziehen.

Präzedenzfall Gold-ETFs

Das Narrativ steigender Bitcoin-Kurse dank Bitcoin ETFs begründet sich unter anderem mit Gold-ETFs. Nachdem 2003 der erste Gold-ETF herausgegeben wurde, haben sie sich zu sehr beliebten Anlageprodukten entwickelt. Allein der größte amerikanische Gold-ETF (SPDR Gold Trust) besitzt eine Marktkapitalisierung von knapp 60 Milliarden US-Dollar.

Gleichzeitig hat sich die Derivatisierung von Gold nach Meinung vieler Gold-Anhänger auf langfristige Sicht negativ auf den Kurs ausgewirkt. Der Vorwurf lautet hier, dass manche Akteure, wie unter anderem Notenbanken, physisches Gold erwerben und gleichzeitig mit Gold-Verbriefungen das Edelmetall shorten. Schließlich kann man Futures, wie sie bei dem ProShares Bitcoin ETF zum Einsatz kommen, auch zum Shorten von Kursen nutzen. Ein ETF mit Basiswert Gold-Short-Futures oder Bitcoin Short Futures kann also genau das Gegenteil von steigenden Kursen bedeuten. Manch einer wirft den Notenbanken gar eine Manipulation des Goldkurses vor, die erst durch “Papiergold” möglich geworden ist.

Bitcoin Futures ETF: Das trojanische Pferd

Dies könnte auch die Offenheit der amerikanischen Wertpapieraufsicht SEC gegenüber Futures-Verbriefungen erklären. Anstatt sich positiv für ETFs mit einfacher Bitcoin-Hinterlegung auszusprechen, lobt man die Terminkontrakte. Damit unterscheiden sich die amerikanischen BTC ETFs auch von den kanadischen, die ohne den Umweg über die Futures den Basiswert Bitcoin verbriefen. Nachteilige Rolleffekte für die Anleger, auch als Contango bekannt, können damit ausgeschlossen werden. Zumal man unnötige Komplexität durch die Future-Verbriefungen vermeidet.


Vorsichtig formuliert könnte man den amerikanischen Behörden damit unterstellen, dass sie sich mit Futures eine Hintertür offenlassen, um gegebenenfalls den Bitcoin-Kurs besser beeinflussen respektive shorten zu können. Insgesamt würde man die gut kontrollierbaren Bitcoin-Futures-Märkte im eigenen Interesse stärken und noch liquider machen. 

Hat BTC bald zwei verschiedene Kurse?

Während Investoren aktuell Kurs-Aufschläge zahlen, damit sie Bitcoin als reguliertes Wertpapier erwerben können – so zum Beispiel beim Grayscale Trust –, dürfte sich dies ins Gegenteil umkehren. Zukünftig könnten ähnliche Effekte wie bei Edelmetallen eintreten. In volatilen Marktphasen können sich die Kurse zwischen physischem und verbrieftem Basiswert nämlich deutlich auseinander bewegen.

Da immer weniger Bitcoin frei an Börsen verfügbar sind und stattdessen von großen Verwahrgesellschaften verwaltet werden, könnten “echte” Bitcoin an Wert gegenüber Zertifikaten, Futures, ETFs etc. perspektivisch hinzugewinnen. Der Bitcoin im eigenen Wallet könnte dann mehr Wert sein, als das äquivalente Bitcoin-Derivat.

Fazit zum Bitcoin ETF

Es ist wahrscheinlich, dass die Nachfrage nach dem Bitcoin ETF sehr groß sein wird. Allein in den ersten zwei Tagen kamen über eine Milliarde US-Dollar an Mittelzuflüssen zusammen. Noch nie gab es einen ETF mit einem so durchschlagenden Erfolg. Gleiches gilt für den kanadischen Bitcoin ETF. So gab es in der kanadischen ETF-Vergangenheit keinen erfolgreicheren Indexfonds, als den ersten Bitcoin ETF (Purpose Bitcoin ETF – BTCC). Der an der Toronto Stock Exchange gelistete ETF hat nach bereits einem Monat die eine Milliarde-CAD-Marke (umgerechnet 700 Millionen Euro) geknackt.

Die zahlreichen neuen amerikanischen Future-basierten Bitcoin ETFs, wie der zweite amerikanische Bitcoin ETF von VanEck, haben damit eine gute Chance, zusammen innerhalb der nächsten 12 Monate Mittelzuflüsse im hohen zwei oder unteren dreistelligen Milliarden-US-Dollar-Bereich zu akkumulieren. Der Effekt auf den Bitcoin-Kurs wäre damit klar positiv.

Eine Bitcoin-Kursexplosion nur aufgrund von Bitcoin ETFs ist in kurzer Zeit allerdings nicht zu erwarten. Sehr wohl aber können durch ETF-Zulassungen Markt-psychologische Impulse (FOMO) in Gang gesetzt werden, die sich wiederum verstärkend auf einen steigenden Bitcoin-Kurs auswirken können. Diese und andere Effekte, wie zum Beispiel technische Dynamiken, können natürlich sehr wohl den ETF-Effekt überkompensieren und eine signifikante Rallye triggern. Das neue Bitcoin-Allzeithoch ist jedenfalls ein Beweis dafür, dass die Bitcoin-ETF-Zulassung gut am Markt ankam.

Da auch Ethereum Futures an den großen Terminbörsen wie CME gehandelt werden, dürfte zudem auch die Nr. 2 bald von ETFs profitieren. An ETFs, die nun sehr viele weniger kapitalisierte Kryptowährungen abbilden, ist aber nicht zu denken. Die regulatorischen Hürden, geringe Marktkapitalisierung und der Mangel an Futures dürfte die möglichen Krypto-Basiswerte für ETFs vorerst recht beschränkt halten.

Krypto-Enthusiasten können die ETF-Produktinnovationen aber kaltlassen. Schließlich gibt es kaum einen Grund, warum man als Privatperson einen ETF gegenüber einem Direktinvestment in Bitcoin bevorzugen sollte. Zumal die sonst so attraktive Diversifikation von ETFs bei dem “Ein-Basiswert-Produkt” nicht gegeben ist.  Am Ende des Tages stellen verbriefte ETFs aber einen Anachronismus dar. Schließlich sind Token das moderne und effizientere Medium. Die zugelassenen ETFs sind da eher ein technologischer Rückschritt, der allerdings notwendig ist, um die alte mit der neuen Welt – übergangsweise – zu verbinden.


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