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Generation Krypto  Bitcoin-Etablierung: Der am meisten unterschätzte Faktor

Diverse Faktoren beeinflussen die Etablierung der Krypto-Ökonomie sowie die Marktkapitalisierung von Bitcoin und Co. Warum das Alter respektive die Generationenfrage ein unterschätzter Einflussfaktor ist und was wir daraus lernen können.

Sven Wagenknecht
 |  Lesezeit: 6 Minuten
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Beitragsbild: Shutterstock

| Die Frage der Krypto-Affinität ist oftmals auch eine Frage des Alters.

Was nützt das klügste Gesetz, die vielfältigste Kultur oder die fortschrittlichste Technologie, wenn die Gesellschaft noch nicht dafür bereit ist? Diese Frage oder besser gesagt Problemstellung lässt sich auf viele gesellschaftliche Themen anwenden. Neben sozio-ökonomischen Konfliktlinien wie arm oder reich, gebildet oder ungebildet, Stadt oder Land, gibt es eine Konfliktlinie, die vor allem die Krypto-Etablierung betrifft und die lautet: jung oder alt.

Lieber Bitcoin als Gold oder Lebensversicherung

Ob man aufgeschlossen gegenüber Bitcoin, NFTs oder DeFi ist, liegt vor allem am Alter. Diverse Umfragen zeigen, dass jüngere Menschen, gar Jugendliche, viel aufgeschlossener und vor allem selbstverständlicher mit der Krypto-Ökonomie hantieren als ältere Menschen.

Eine dieser vielen Umfragen stammt von der deVere Group, einer der weltweit größten unabhängigen Finanzberatungen. Demnach würden mehr als 67 Prozent der Generation Y, auch Millennials genannt, Bitcoin gegenüber Gold bevorzugen. Auch besäßen laut dem Alternative Investment Report von der Investmentfirma Alto Millennials eher Kryptowährungen als eine Lebensversicherung. Der amerikanische Finanzdienstleister Stilt kommt sogar in seiner Umfrage zu dem Ergebnis, dass 94 Prozent aller Krypto-Besitzer zwischen 18 und 40 Jahre alt sind, sprich der Generation Z oder den Millennials angehören.

Zu ähnlichen Ergebnissen ist auch BTC-ECHO in einer Umfrage mithilfe des Meinungsforschungsinstitut Forsa gekommen – Ergebnisse wurden in der Aprilausgabe des BTC-ECHO Magazins veröffentlicht. Dies führt zu der These, dass je jünger ein Mensch ist, desto höher auch die Wahrscheinlichkeit ist, dass dieser Kryptowährungen besitzt oder besitzen wird.

Von Nokia lernen

Die These, dass die Zukunft der Krypto-Ökonomie in den Händen der jungen Menschen liegt, zeigt auch das Beispiel Nokia. Der damalige Marktführer für Handys hat den Wechsel zum Smartphone, also Touchscreens, verpasst.

Eine Ursache für die strategische Fehlentscheidung von Nokia wird, neben vielen anderen Gründen wie überhebliches Management und fehlende Software-Fokussierung, unter anderem in der Produkterforschung gesehen, genauer gesagt, bei den Produkttests mit Testpersonen in sogenannten Fokus-Gruppen. Um herauszufinden, ob Touchscreens von zukünftigen Kunden angenommen werden, hat man diese angeblich nur von erwachsenen Probanden testen lassen. Das Ergebnis war, dass klassische Tastaturen “zum Drücken” gegenüber den Touchscreens bevorzugt wurden. Nokia entschied sich anfänglich gegen die gläsernen Bildschirmflächen, der Rest ist Geschichte.

Hätte man, wie viele andere Unternehmen es machen, auch Kinder und Jugendliche in die Tests inkludiert, dann wären die Ergebnisse wahrscheinlich weniger stark gen Tastenhandys ausgefallen. Schließlich haben jüngere Menschen oftmals weniger Berührungsängste mit neuen Technologien und sind weniger von veralteten Denkmustern beeinflusst.

NFTs und Bitcoin so selbstverständlich wie Smartphone Games

Für einen 50-Jährigen mag es besonders sein, ein NFT zu besitzen oder einen Bitcoin zu versenden. Ein heutiges Schulkind hingegen muss ebenjenes Verständnis nicht erst kultivieren. Die Existenz von NFTs oder Bitcoin sind selbstverständlich, weil es diese für den jungen Menschen immer schon gab. Ganz im Gegenteil: ein Schulkind, das bereits mit sieben Jahren Videos auf dem Smartphone schaut und Spiele spielt, wird nicht verstehen können, warum eine Banküberweisung nicht in Echtzeit funktioniert, wenn man doch über das Internet alles in Millisekunden versenden kann.

Gerade ältere Menschen, die die Krypto-Ökonomie für Unsinn halten, dürften den gleichen Denkfehlern unterliegen wie die damaligen Nokia-Manager. Es fehlt schlichtweg an einem ausreichenden Digitalverständnis, das nicht nur theoretisch gelernt, sondern auch in der Praxis angewendet werden kann.

Generation Z: Digitale Kleidung ist bereits selbstverständlich

Vor diesem Hintergrund lässt sich nur erahnen, wie gigantisch vor allem der NFT-Sektor in den kommenden Jahren werden dürfte. Bereits heute werden viele Milliarden US-Dollar durch sogenannte Skins und In-Game-Items ausgegeben. Insbesondere in den USA ist es absolut normal, dass Jugendliche einen signifikanten Teil ihres Taschengeldes genau dafür ausgeben. Ebenfalls lässt sich beobachten, dass die Käufer von digitalen Gegenständen immer älter werden. Aus der Spielerei wird immer öfter Ernst.

Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass große Bekleidungs-Marken wie Nike oder Adidas auch digitale Kleidung entwickeln. Die CryptoKicks von Nike sind das beste Beispiel dafür, wohin die Reise geht. Digitale Influencer wie Lil Miquela sind bereits heute im NFT-Sektor unterwegs und erreichen Millionen von jungen Menschen, überwiegend der Generation Z.

Wer sich darauf einlässt, dass unser Leben zukünftig, altersübergreifend, immer stärker in den digitalen Welten abspielen wird, der wird sich auch an den Gedanken gewöhnen können, dass NFTs der Grundpfeiler einer digitalen Ökonomie sind. Wer behauptet, dass NFTs ein vorübergehender Trend sind und sich digitale Kleidung nicht durchsetzen wird, wird vor dem skizzierten Hintergrund mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sehr falsch liegen. Aus den skizzierten Beobachtungen lassen sich vor allem zwei Rückschlüsse ziehen.

Von der Jugend die Investmentchancen von morgen erklären lassen

Zum einen sollte man – sofern man nicht selbst der Generation Z angehört – darauf schauen, was die jungen Menschen machen. Anstatt in Telegram-Gruppen mit gleichaltrigen Kollegen “abzuhängen”, einfach mal mit den Jugendlichen aus dem Bekanntenkreis sprechen. Blockchain Gaming, NFT-Lifestyle-Produkte und Communities durch beispielsweise Popstars oder Influencer, E-Sports, digitale Fashion etc. sind alles Wachstumssektoren, die in den kommenden Jahren weiter abheben dürften und die anfänglich vor allem durch junge Menschen kommerziell vorangetrieben werden.

Der größte Vermögenstransfer aller Zeiten

In den kommenden Jahren werden viele Billionen US-Dollar und Euro von der einen auf die nächste Generation übertragen. Menschen der Baby-Boomer-Generation (1946 – 1964) werden ihren Kindern, also der Generation X (1965 – 1980) sowie der Generation Y (1981 – 1996) so viel Kapital beziehungsweise Vermögenswerte vererben wie noch nie zuvor in der Geschichte.

Damit einher geht eine gigantische Neu-Allokation, die zugunsten digitaler Assets ausfallen dürfte. Die digital-affinen Erben dürften unter anderem Geldmarktpapiere, Lebensversicherungen oder Gold gen Bitcoin und anderer digitaler Assets umtauschen. Dieser Effekt respektive die Mittelzuflüsse machen sich nicht in den nächsten 24 Monaten bemerkbar. Auf die nächste Dekade bezogen aber sehr wohl.

Natürlich spielen zahlreiche andere Faktoren in die Krypto-Etablierung und Marktkapitalisierung hinein. Doch mit Blick auf die Demografie lässt sich festhalten, dass der Faktor Zeit Krypto-Enthusiasten mit in die Hände spielt.

Der Appell an Krypto-Start-ups

An dieser Stelle sei angemerkt, dass es sich hierbei um Tendenzaussagen handelt. So gibt es sehr wohl sehr alte Menschen, die große Bitcoin-Fans sind und wiederum junge Menschen, die nichts von Bitcoin und Co. halten. Der Anspruch muss also sein, generationenübergreifend für eine “Krypto-Aufklärung” zu sorgen.

Umgekehrt lässt sich daraus die Forderung ableiten, dass gerade Krypto-Start-ups, wo überwiegend junge Menschen arbeiten, auch die älteren Generationen nicht aus den Augen verlieren dürfen. Eine diverse Ansprache und ein diverses Angebot sind eine Grundvoraussetzung für eine Krypto-Etablierung in der Breite.

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