Wer seine Bitcoin bei einer Umstellung auf quantensichere Signaturen schützen will, muss sie auf Post-Quanten-Adressen übertragen. Die neuen Verfahren wirken nicht rückwirkend. Halter brauchen dafür genügend Zeit und Anreize, doch bei verlorenen privaten Schlüsseln ist die Übertragung unmöglich. Es ist plausibel, dass die Schlüssel zu zwei bis drei Millionen BTC verloren sind. Es gibt aber eine Lösung.
Ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer könnte die bisherigen ECC-Signaturen fälschen, mit denen Transaktionen freigegeben werden. Hourglass V2 soll das Ausgeben bestimmter gefährdeter Coins mengenmäßig begrenzen. Der Vorschlag gilt ausschließlich für Coins auf Adressen des Typs P2PK. Bei diesem Adresstyp ist am ehesten von verlorenen privaten Schlüsseln auszugehen.
Aus diesen Beständen dürfte langfristig insgesamt höchstens ein BTC pro Block ausgegeben werden. Bis die Gesamtheit der erfassten Coins übertragen wäre, würden mindestens 32 Jahre vergehen. Das würde die Marktrisiken eines Quantendiebstahls deutlich verringern, ohne die Ausgabe vollständig zu verbieten.
Was eine Bitcoin-Sperre für Eigentümer bedeutet
Ein anderer Vorschlag, BIP-361, würde das Ausgeben mit ECC-Signaturen letztlich unterbinden. Solche Pläne können die Sperre an eine festgelegte Blockhöhe oder an Bedingungen wie den Nachweis eines ausreichend leistungsfähigen Quantencomputers knüpfen. Dieser Freeze soll verhindern, dass ein erheblicher Teil des Bitcoin-Angebots dem ersten erfolgreichen Quantenangreifer zufällt, möglicherweise einem Staat ohne besondere Verpflichtung gegenüber dem Netzwerk. Allerdings würde das Netzwerk damit bestehende Bestände unzugänglich machen. Das könnte einen Präzedenzfall schaffen und stünde in Spannung zu Bitcoins Selbstverständnis als Inhabergeld.
Ein Freeze müsste nicht jeden Coin dauerhaft unzugänglich machen. Entwickler arbeiten an Rettungsverfahren, sogenannten Rescue-Protokollen. Sie sollen Inhabern ermöglichen, eingefrorene Coins wieder auszugeben, wenn sie ihr Eigentum anders als mit dem privaten Schlüssel nachweisen. Das ist nicht für alle Adresstypen möglich. Unwiederbringlich verlorene Coins würden entweder dauerhaft unausgabbar gemacht oder blieben für Quantenangriffe anfällig.
Auf Bitcoin-Sperren verzichten?
Einige Entwickler und Mitglieder der Community wollen solche Eingriffe vermeiden und ECC niemals deaktivieren. Bitcoin soll nicht konfiszierbar und zensurresistent bleiben. Ein Diebstahl mittels gültiger Signatur wäre aus ihrer Sicht Sache von Gerichten und Strafverfolgungsbehörden, nicht der Konsensregeln.
Wenn Quantencomputer ECC brechen können, würde allerdings schon die Bewegung eines kleinen Teils der gefährdeten Coins innerhalb weniger Blöcke einen Preiseinbruch auslösen, der das Vertrauen ins Netzwerk untergräbt. Das träfe auch Halter, die alle verfügbaren Vorsichtsmaßnahmen ergriffen haben. Einige Befürworter des Nichteingreifens sehen gerade in der Unkonfiszierbarkeit Bitcoins zentrales Wertversprechen. Diese Eigenschaft aufzugeben, könnte aus ihrer Sicht zwar einen Angebotsschock verhindern, langfristig aber noch schwerwiegendere Folgen für den Wert von Bitcoin haben.
Außerdem bedeutet Nichteingreifen nicht zwangsläufig, dass die meisten gefährdeten BTC verkauft würden. Nic Carter, Partner bei Castle Island Ventures, skizzierte etwa ein Modell, bei dem ein Staat die Coins birgt und treuhänderisch verwahrt. Die ursprünglichen Eigentümer könnten sie innerhalb einer festgelegten Frist beanspruchen.
Hourglass V2 braucht Konsens
Ein Rate Limit wie bei Hourglass V2 verlangt Annahmen darüber, welche Akteure zuerst Zugang zu ausreichend leistungsfähigen Quantencomputern erhalten und welche Absichten sie verfolgen. Das spielt auch bei anderen Migrationsstrategien eine Rolle. Dennoch glaube ich, dass es schwieriger sein könnte, sich auf ein Limit und dessen Anwendungsbereich zu einigen und beides in den Konsensregeln zu verankern, als einen klaren Freeze umzusetzen.
Bei quantensicheren Transaktionen gibt es erfreuliche Fortschritte. Wie das Netzwerk mit Coins verfahren soll, die nicht migrieren können oder werden, ist jedoch nicht entschieden. Von einer Lösung sind wir noch weit entfernt.
