Ausgehebelt Binance und FTX ziehen sich selbst die Zähne
Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Ein Smartphone liegt auf einem Computerbildschirm, der Aktienkurse anzeigt. Auf dem Bildschirm des Smartphones ist das Logo von Binance zu sehen.

Quelle: Shutterstock

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Nach Binance beschneidet nun auch FTX das Margin-Trading massiv. Unterdessen beugt sich auch Uniswap dem regulatorischen Gegenwind.

Wer die jüngsten Aktivitäten bei der Krypto-Regulierung verfolgt hat, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, das sich die Bitcoin-Börsen verstärkt auf dem Radar der Finanzmarktaufsichten wiederfinden. Nun häufen sich die Zeichen, dass sich die Exchanges zunehmend auf Kuschelkurs mit der Regulatorik begeben. Nicht nur gehören KYC-Prozeduren mittlerweile zur Tagesordnung – gerade bei Börsen, die den Wechsel von Fiat in Kryptowährungen ermöglichen. Auch was umstrittene Investment-Vehikel- und Dienstleistungen angeht, die den Argwohn so mancher Finanzmarktaufsicht auf sich gezogen haben, haben einige Bitcoin-Börsen zuletzt die Handbremse angelegt. Jüngstes Beispiel für diese Entwicklung sind die Entscheidungen von Binance und FTX, die Leverage auf ihren Future-Trading-Plattformen massiv einzugrenzen.


Binance und FTX senken Hebel auf maximal 20x

Den Anfang machte FTX am 25. Juli. Gründer und CEO Sam Bankman Fried verkündete auf Twitter, dass sich FTX zu einer Senkung des maximalen Hebels von 101x auf 20x entschlossen habe. Zu den genauen Gründen für die Entscheidung äußert sich “SBF” in seiner 11-teiligen Tweet-Reihe kaum. Die Quintessenz seines Tweet-Storms: FTX habe schon immer verantwortungsvolles Trading propagiert, sich aber dennoch zu einer Senkung des maximalen Hebels durchgerungen – offenbar auch, um den Einzug der Regulierung in den Krypto-Sektor gerecht zu werden:

Und so werden wir nach vielem Hin und Her hier den ersten Schritt machen: einen Schritt in die Richtung, in die sich die Branche bewegt, und das schon seit einer Weile. Heute werden wir die hohe Hebelwirkung von FTX abschaffen. Der größte erlaubte Wert wird 20x sein,

so der FTX-Chef, der vorher betonte, dass High-Leverage-Trading auf FTX ohnehin ein Nischendasein fristete. Der durchschnittliche Hebel habe demzufolge bei 2x gelegen.

Binance zieht nach

Nur wenig später verkündete Binance-Chef Changpeng “CZ” Zhao eine ähnliche Maßnahme für die Futures-Plattform der weltgrößten Bitcoin-Börse. Während Bestandskunden dort vorerst weiterhin mit hanebüchenen Hebeln handeln können, müssen Neukunden seit dem 19. Juli mit 20x vorlieb nehmen.

@binance futures hat letzten Montag, 19. Juli, also vor 7 Tagen, begonnen, neue Benutzer auf einen maximalen Hebel von 20x zu beschränken. (Wir wollten daraus kein Ding machen). Im Interesse des Verbraucherschutzes werden wir dies für bestehende Benutzer schrittweise in den nächsten Wochen anwenden,

so Zhao, der sich einen eingeklammerten Seitenhieb auf FTX offenbar nicht verkneifen konnte.


Auch du, Uniswap?

Bereits im Vorfeld hat es selbst bei der dezentralen Konkurrenz von Binance und FTX Bewegung in Sachen Investorenschutz gegeben. Wie Uniswap Labs, die Organisation hinter der größten dezentralen Exchange (DEX) nach Handelsvolumen, letzte Woche bekannt gegeben hat, wurden über 100 Token der Uniswap-Bedienoberfläche auf app.uniswap.org verbannt. Darunter finden sich zahlreiche synthetische Assets, die die Kurse von Aktien oder Rohstoffen abbilden und Regulatoren damit potenziell ein Dorn im Auge sind.

Gerade Stock Token haben zuletzt verstärkten Gegenwind von der Regulierungsseite erhalten. Vor diesem Hintergrund scheint auch die Entscheidung von Uniswap, derartige Token von seinem Interface zu verbannen, getroffen worden zu sein.

Um weiterhin innovativ zu sein und dieses Tool für die Uniswap-Community bereitzustellen, beobachten wir die sich entwickelnde regulatorische Landschaft. Heute haben wir im Einklang mit Maßnahmen anderer DeFi-Schnittstellen die Entscheidung getroffen, den Zugang zu bestimmten Token über app.uniswap.org zu beschränken.

Dabei betont das Projekt, dass die Token weiterhin über die Plattform handelbar seien – das Uniswap Protokoll sei schließlich quelloffen.

Wichtig ist, dass das Uniswap-Protokoll – anders als die Benutzeroberfläche – eine Reihe von autonomen, dezentralen und unveränderlichen Smart Contracts ist. Es bietet uneingeschränkten Zugang für jeden mit einer Internetverbindung. Ebenso hat diese Entscheidung keine Auswirkungen auf den Code der Uniswap-Schnittstelle, der Open Source bleibt, oder die vielen anderen Portale oder lokal betriebenen Instanzen, die für den Zugriff auf das Uniswap-Protokoll verwendet werden,

heißt es in einem Blog-Eintrag der DEX vom 23. Juli.


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