BTC unter Beschuss Anti-Bitcoin-Kampagne: Warum es jetzt ernst für die Kryptowährung wird
Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 6 Minuten

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Es gab schon immer Befürworter und Gegner von Bitcoin. Dennoch zeigt sich mit den neuen Allzeithochs von Bitcoin auch ein neuer Grad an Spaltung in der Gesellschaft. Kritiker unterschiedlichster Couleur holen immer vehementer gegen die Kryptowährung aus. Warum die Kritik gegen Bitcoin oftmals unberechtigt ist und wie uns Mahatma Gandhi dabei hilft, die Ruhe zu bewahren.

Grundsätzlich gilt, dass es jedem freigestellt ist, Bitcoin gut oder schlecht zu finden. Niemand wird dazu gezwungen, sein Geld in BTC zu investieren. Dennoch liest sich in einigen Kommentaren der großen Tageszeitungen eine regelrechte Wut und Verbitterung gegenüber der Bitcoin-Etablierung heraus. Anstatt sachlicher Kritik gegen Bitcoin – die es definitiv auch geben muss – werden plumpe Unterstellungen getätigt, um nicht nur die Kryptowährung selbst, sondern auch die Menschen, die in BTC investieren, zu diskreditieren.


Elon Musk der Klimasünder

Nach dem Tesla-Bitcoin-Kauf durch Krypto-Fan Elon Musk war der mediale Aufschrei groß. Auf die Verkündung des 1,5 Milliarden US-Dollar Investments folgten auch schon die ersten bitterbösen Kommentare. Elon Musk, der sich in der Vergangenheit aktiv für den Klimaschutz eingesetzt hatte, wird nun unterstellt, mit einer gehörigen Portion Doppelmoral am Werk zu sein. Der Vorwurf: Man kann kein Klimaschützer sein und Bitcoin unterstützen.

Eine BTC-Transaktion verbraucht soviel Strom wie eine Tesla-Autofahrt durch ganz Europa, schreibt ein Online-Magazin. Ebenfalls liest man in sehr vielen Kommentaren, dass das Bitcoin-Netzwerk soviel Strom verbraucht wie das Land Norwegen.

Wo bleibt die Abwägung?

Jeder Bitcoin-Befürworter muss sich dieser Kritik stellen. Es kann nicht abstritten werden, dass der Stromverbrauch bei BTC exorbitant ist. Entsprechend muss die Frage gestellt werden, ob der Wert des Bitcoin-Netzwerkes diesen Stromverbrauch rechtfertigt. Leider findet man in den Anti-Bitcoin-Kommentaren nur selten eine differenzierte Abwägung.

Es wird vorweg unterstellt, dass BTC keinen Zweck erfüllt und deshalb jeglicher Stromverbrauch als Klimasünde ausgelegt werden kann. Eine derartige Argumentation ist schlichtweg moralisch überheblich. Es ist anmaßend, zu bestimmen, was eine Berechtigung hat, Strom zu verbrauchen und was nicht. In diesem Kontext hätte man zumindest die Frage aufwerfen müssen, welchen Wert und Nutzen ein dezentraler und globaler Wertspeicher besitzen kann – gerade weil dieser so viel Strom benötigt.

Darknet-Währung statt digitalem Wertspeicher

Neben der Klima-Argumentation findet sich nach wie vor der Kritikpunkt, dass Bitcoin als Währung genutzt werde, um kriminelle Transaktionen zu tätigen. Auch dieser Vorwurf lässt oftmals eine ausgewogene Meinung vermissen. Zum einen wird nach wie vor das Gros aller kriminellen Transaktionen über US-Dollar-Bargeldbestände abgewickelt. Zum anderen ist BTC pseudonym, sodass Verfolgungsbehörden sehr einfach die Transaktionsmuster nachverfolgen können. Dank Bitcoin konnten so schon kriminelle Organisationen überführt werden.

Ein ganz anderer Aspekt als die Kriminalisierung von Bitcoin ist die Unterstellung, dass dessen primärer Sinn in der Funktion eines Zahlungsmittels liegt. Sicherlich mögen das einige Krypto-Enthusiasten so sehen, dennoch wird BTC in erster Linie als Wertspeicher in das Portfolio mit aufgenommen. Schließlich bezahlt man seinen Lebensmitteleinkauf auch nicht mit Gold oder Silber. Nur weil Bitcoin eine Währungsfunktion besitzt und es grundsätzlich möglich ist, dass man damit seinen Kaffee bezahlt, heißt das noch lange nicht, dass das auch sinnvoll ist.

Daraus lässt sich auch der Vorwurf der Volatilität relativieren. Für einen Vermögenswert wie eben Bitcoin ist es unproblematisch, deutlich schwankungsanfälliger zu sein als Euro und US-Dollar. Es wäre sehr verwunderlich, wenn BTC mit seiner noch jungen Historie, hohem (Kurs-)Aufholbedarf und dezentraler Konzeption mit den Wechselkursen der G20-Nationen mithalten könnte – das kann und soll Bitcoin zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch gar nicht.

Bitcoin muss nicht effizient sein

An diese Erklärung schließt sich auch direkt der Vorwurf an, dass Bitcoin von effizienteren Systemen über kurz oder lang abgelöst wird. Schließlich ist die Skalierung von Bitcoin mit (theoretisch) maximal sieben Transaktionen pro Sekunde haushoch jedem anderen Transaktionssystem, insbesondere zentral organisierten Systemen, unterlegen.


Auch dieser Kritikpunkt ist kurzsichtig. Schließlich spielt es im Grunde keine Rolle, wie viele Transaktionen das Bitcoin-Netzwerk verarbeiten kann. Für einen Vermögenswert ist die Echtzeitabwicklung im Gegensatz zu einer “Bezahlwährung” nur bedingt relevant. Zumal man über sogenannte Second-Layer-Lösungen auch diese Hürde nehmen kann. Sollte also das Bedürfnis bestehen mit Abwicklungssystemen wie SWIFT, Visa oder stärker zentral organisierten Blockchain-Protokollen zu konkurrieren, dann kann man sich ergänzende Infrastrukturen zunutze machen, die viele Tausend Bitcoin-Transaktionen pro Sekunde ermöglichen.

Ein Kampf um Deutungshoheit

Natürlich lassen sich noch weitere Kritikpunkte in den unzähligen Anti-Bitcoin-Kommentaren der letzten Tage finden. Dennoch ist es erstaunlich, dass es sich oftmals um die gleichen Argumente handelt, wie noch zum Krypto-Hype im Jahr 2017 und davor. Man hätte vermuten können, dass die Etablierung und Institutionalisierung von BTC (und Kryptowährungen generell) dazu beigetragen hätte, derartige Vorbehalte abzubauen. Waren es 2017 oftmals noch Computer-Nerds, Glücksritter und Anarchisten, die den Bitcoin-Kurs befeuert hatten, so sind es heute die größten Unternehmen und Finanzhäuser der Welt.

Ganz gleich, ob es der größte Vermögensverwalter der Welt ist (Blackrock) oder der größte globale Börsenbetreiber (Chicago Mercantile Exchange): Professionelle Dienstleister öffnen sich für das Geld institutioneller Kunden. Hedgefonds und institutionelle Kunden, ergo das Smart Money, fragen nahweislich Bitcoin nach. Diese als “dumm” darzustellen, dürfte immer schwieriger werden. Welchen Wert digitale Knappheit haben kann, wird zunehmend immer mehr Menschen bewusst.

Mit Cartoon-Helden gegen Bitcoin

Während einige Bitcoin-Kritiker in den letzten Monaten und Jahren ihre Position überdacht haben – der Hedgefondsmanager Ray Dalio wäre als ein solches Beispiel zu nennen – so gibt es auch Personen, die ihre Kritik noch weiter intensivieren.

Hier wären die Ökonomen Peter Schiff und Nouriell Roubini anzuführen. Je stärker der Bitcoin-Kurs steigt, desto abwertender werden die Vergleiche gegenüber Bitcoin. In einem Interview mit Bloomberg äußerte Roubini, dass die “Familie Feuerstein” aus der amerikanischen Cartoon-Serie besseres Geld gehabt hätte als Bitcoin. Auch Ökonom Schiff sieht in Bitcoin nichts weiter als eine große Blase. Unweigerlich wird der Bitcoin-Kurs eines Tages gegen null US-Dollar tendieren, wie er auf Twitter verkündet.

Der Bitcoin-Siegeszug nach Mahatma Gandhi

Der Versuch, BTC und seine Investoren ins Lächerliche zu ziehen, zeigt, wie bedroht sich Bitcoin-Kritiker mit hoher öffentlicher Reputation, wie eben Roubini und Schiff, fühlen. Natürlich kann man deren Meinung einfach ignorieren. Problematisch wird es allerdings, wenn auch Regulierungsbehörden diese Meinungen aufgreifen und zur Staatsräson erklären.

So rückt ein “Bitcoin-Verbot” beispielsweise in Indien oder Nigeria immer näher. Das zeigt, wie sehr sich immer mehr Akteure in die Enge getrieben fühlen und Angst vor einem Bedeutungsverlust besitzen. Aus dieser Gegenwehr lässt sich gut ableiten, wo sich die Bitcoin-Etablierung heute befindet. Um dies etwas genauer zu bestimmen, hilft es, sich ein Zitat von Mahatma Gandhi genauer anzuschauen:

Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

Mahatma Gandhi

Auf Bitcoin bezogen könnte man sich folgende Interpretation erlauben:

  1. Phase (ignorieren): Bis 2017
  2. Phase (lachen): Bis 2021
  3. Phase (bekämpfen): Von 2021
  4. Phase (Sieg): Zwischen 2025 – 2030

Die ersten beiden Phasen lassen sich durchaus gut durch die gemachten Beobachtungen in die aufgeführten Zeiträume einordnen, auch wenn die Übergänge fließend sind. Wie sich Bitcoin in Zukunft durchsetzen und vor allem zur Wehr setzen wird, ist natürlich reine Spekulation.


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