Nestlé: Grünes Licht für Blockchain nach Tests mit Babybrei

Timo Dziggel

von Timo Dziggel

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Timo Dziggel

Timo Dziggel studiert im Master Komplexes Entscheiden an der Uni Bremen. Darin beackert er das Spannungsfeld aus Philosophie, Ökonomie, Politik- und Rechtswissenschaft. Aus diesen Perspektiven nähert er sich auch den Themen Krypto und Blockchain. Besonders interessiert er sich für das Potential der Blockchain-Technologie, das Problem der Machtkonzentration in der Plattformökonomie zu lösen.

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Quelle: Shutterstock

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Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé will den Blockchain-Einsatz im laufenden Geschäftsjahr ausweiten. Ziel sei es, das Vertrauen bei Verbrauchern, Unternehmen und Lieferanten zu stärken.

Bereits seit eineinhalb Jahren ist Nestlé Teil einer Blockchain-Initiative, welche die Giganten der Nahrungsmittelbranche an einen Tisch bringt. Im Rahmen des IBM Food Trusts erproben Schwergewichte wie Walmart, Unilever und Nestlé die Blockchain als Mittel zeitgemäßen Supply-Chain-Managements. Von der Blockchain erhofft man sich die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln. Die dadurch geschaffene Transparenz soll letztlich das Vertrauen aller Beteiligten stärken – seien es Verbraucher, Unternehmen oder Lieferanten.

Walmart kündigte bereits vergangenen September an, die Blockchain partiell zur Rückverfolgung von Lebensmitteln einzusetzen. Auch Carrefour startete im Oktober erste Feldversuche. Nun äußerte sich Benjamin Dubois, seines Zeichens Zuständiger für Blockchain und digitale Transformation bei Nestlé, über den aktuellen Stand der Initiative. Laut Dubois habe der Konzern erste Tests mit einem einfachen Produkt, einem Babybrei, bereits durchgeführt. Offenbar verliefen diese zufriedenstellend. „Für 2019 planen wir, den Betrieb auf andere Anbieter und Verbraucher auszuweiten“, so Dubois gegenüber der schweizerischen Nachrichtenagentur AWP.

„Echtzeit-Visibilität“ durch QR-Codes

Dubois betonte außerdem, dass die Konsumenten den entscheidenden Impuls zur Blockchain-Initiative gegeben haben: „Grundsätzlich besteht die Forderung der Verbraucher nach mehr Transparenz und Vertrauen. Die Blockchain wurde als eine der Technologien identifiziert, diese zu erfüllen.“ Konkret wolle man Daten zur Ernte, Verarbeitung und Transport des jeweiligen Produkts auf der Blockchain speichern. Die Vision sei es, dass vom Produzenten über den Händler bis zum Endverbraucher alle binnen Sekunden Zugang zu diesen Informationen erhalten können.

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Nestlé arbeitet bereits daran, diese Vision der „Echtzeit-Visibilität“ Wirklichkeit werden zu lassen. So überlege der weltgrößte Lebensmittelkonzern mit Sitz in Vevey, die Informationen mittels eines QR-Codes zur Verfügung zu stellen. Durch den Scan eines Produkts erhielte man Zugriff zu den darüber auf der Blockchain gespeicherten Informationen.

Wie Dubois weiter ausführt, würden nebst den Verbrauchern auch die beteiligten Unternehmen und der Konzern selbst von einer besseren Rückverfolgbarkeit profitieren. Im Falle einer Rückrufaktion bräuchten diese anstatt von Tagen nur Minuten, um die betroffenen Produkte zu identifizieren. Die Unternehmen behielten weiterhin die Kontrolle über den Detailgrad der Informationen, die sie in die Blockchain einspeisen wollen.

Technische Herausforderungen stehen Massenadaption noch im Weg

Laut Dubois stehe man allerdings noch nicht vor der großflächigen Implementierung. So seien noch viele technische Herausforderungen zu bewältigen, darunter die Interoperabilität von Datenplattformen. Auch sei noch nicht klar, ob sich letztlich eine private, öffentliche oder gar hybride Version der Blockchain durchsetzt.

Ungeachtet dessen erhält Nestlé Unterstützung vonseiten des Verbraucherschutzes. So rannte der Konzern mit der Ankündigung, vermehrt auf die Blockchain zu setzen, offene Türen beim Westschweizer Konsumentenverband FRC ein. Der Schweizer Politiker und FRC-Verantwortliche für Digitalisierung, Jean Christophe Schwaab, etwa lobt die Technologie als „prinzipiell fälschungssicher“ und begrüßt die Entscheidung, die Informationen auch den Konsumenten zugänglich zu machen.

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