Nakamoto Family Foundation: Wir sind alle Satoshi Nakamoto

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

Quelle: MILAN, ITALY, MAY 8TH 2017.Anonymous character with mask. Anonymous is a loosely associated international network of activist and hacktivist entities. via shutterstock

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Seit dem 29. Juni 2018 gibt es auf der Website nakamotofamilyfoundation.org einen ersten Auszug aus dem Buch „Duality”. Der Autor des Buches soll der legendäre Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto sein. Bei näherer Betrachtung kommt man jedoch zu einem anderen Schluss.

Wer ist Satoshi Nakamoto? Die Suche nach der Identität hinter dem Namen „Satoshi Nakamoto“ gibt nach wie vor Rätsel auf. Die aktuellste Nachricht erschien auf der Webseite nakamotofamilyfoundation.org. Hier veröffentlichte der mutmaßliche Satoshi einen Auszug aus seinem geplanten Buch. Ein Blick in den Auszug lässt starke Zweifel daran aufkommen, dass es sich um den „echten“ Satoshi handelt.

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Auf der Seite, die den Auszug aus dem kommenden Buch ankündigt, sagt Satoshi, dass sein Buch in zwei Teilen erscheinen wird. In einem leicht zu lösenden Cryptogramm (Vorsicht: Spoiler!) verrät er den Titel des Buches: Honne and Tatemae. Dieser Titel beschreibt ein Phänomen, das wir erst kürzlich in unserer Reihe zur digitalen Identität beschrieben: Der Unterschied zwischen der inneren Einstellung (Honne) und der Maskerade (tatemae), die wir in der Gesellschaft aufziehen – die sozialen Rollen.

Ferner räumt er zugleich ein:

„Ich will festhalten, dass es viele gibt, die an diesem Projekt teilhatten, viele Namen davon habe ich nicht genannt. Individuen, die sich aus verschiedenen Gründen entschieden haben, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Aus Respekt ihnen gegenüber, habe ich sie nicht genannt.“

„Satoshi“ und die Cypherpunks

Im Auszug beschreibt er die Grundidee hinter Bitcoin und dass sie der Cypherpunk-Bewegung entstamme, der er im Alter von 14 Jahren beigetreten sei. Satoshi Nakamoto sei außerdem die japanische Entsprechung des Namens „John Smith“ –  Lieschen Müller oder Otto Müller. Er erklärt weiter:

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„Irgendwann wurde es für einen Teil der Community offensichtlich, dass Satoshi Nakamoto nicht real sein könnte. Und obwohl ich alle Register zog, um das zu ignorieren, waren einige Menschen clever genug, um das Ganze zu durchblicken. Vielleicht war Satoshi Nakamoto tatsächlich nur ein Pseudonym. Vielleicht war ich auch gar nicht aus Japan, sondern englischer Abstammung. Einige kamen zu diesem Schluss, nachdem sie meine Art zu Schreiben analysierten. Um ehrlich zu sein, war das etwas, was ich schon früh gelernt habe – gutes Englisch. (Ich muss allerdings zugeben, dass ich weiß, dass sich mein Schreibstil in der Zwischenzeit geändert hat. Ich verwende keine double spaces mehr und ich weiß auch, dass ich mich nicht mehr so ernst nehme, vielleicht weil ich älter geworden bin. Wenn man in den 20ern versucht, älter zu erscheinen als man ist, um in einer Community, die Alter mit Erfahrung gleichsetzt, akzeptiert zu werden und um sein eigenes Projekt voranzutreiben – ihr würdet nicht glauben, was man alles tut.“

Sind wir nicht alle ein bisschen Satoshi?

Literarisch gesehen hat man es hier mit einem (höchstwahrscheinlich bewussten) Spiel mit den Kategorien Autor und Protagonist zu tun. Bereits der Titel deutet auf eine solche Spaltung hin. Auch der Hinweis, dass viele Menschen an dem Projekt teilhatten, lässt vermuten, dass es nicht der „echte“ Satoshi ist, der diese Zeilen geschrieben hat. Vielmehr wirft es die Frage auf, ob es diesen echten Satoshi überhaupt gibt. In Verbindung mit dem Hinweis, dass sich hinter Satoshi Nakamoto die japanische Entsprechung von Otto Müller verbirgt, kann man aus dieser Perspektive schließen: Wir sind alle Satoshi Nakamoto. Zumindest wenn es nach der Nakamoto Family Foundation geht – wer auch immer dahinter steckt.

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