Mt.Gox: Geschädigte Kunden der Bitcoin-Börse verlieren ihren Anführer

Mt.Gox: Geschädigte Kunden der Bitcoin-Börse verlieren ihren Anführer

Der Gründer und Koordinator des größten Gläubigerzusammenschlusses der inzwischen geschlossenen Bitcoin-Börse Mt.Gox zieht sich zurück. Andy Pag hat sich entschlossen, seine Ansprüche an den Meistbietenden zu verkaufen.

Am 4. April verkündete Andy Pag, der Gründer der Mt.Gox Legal (MGL), dem größten Zusammenschluss von Gläubigern der insolventen Bitcoin-Börse Mt.Gox, dass er sich aus der Arbeit zurückzieht und seine Anteile für etwa 15 Prozent des Wertes verkauft. Es handelt sich um einen vereinbarten Kaufpreis von 600 US-Dollar pro Bitcoin, also etwa 532 Euro.

Die Forderungen der Mt.Gox Legal belaufen sich auf ein Volumen von schätzungsweise 125.000 BTC. Das entspricht einem Gegenwert von rund 576 Millionen Euro. Knapp 1.000 Gläubiger erheben über die MGL ihre Ansprüche gegenüber dem japanischen Unternehmen, das am 28. Februar 2014 Insolvenz angemeldet hatte ein.

Die MGL wurde gegründet, um die Gläubiger koordiniert vorgehen zu lassen. Eine Hauptforderung war, dass der Schadenersatz in Kryptowährungen ausbezahlt wird und nicht in Fiatgeld. Es sollte sichergestellt werden, dass die Gläubiger Bitcoin erstattet bekommen, die dem Wert ihrer BTC-Bestände zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs des Handelsplatzes entsprechen.

Pag erklärte in seinem Rücktrittsschreiben:

Ich denke nicht, dass ich ohne einen Anteil an der Schadenssumme die Gläubigergruppe vertreten kann.

Er wird seine Aufgaben zum Ende des Monats niederlegen.

Erstattung bestenfalls in anderthalb Jahren möglich

In seinem Brief an die MGL-Mitglieder verwies Pag darauf, dass die Erstattung der verlorenen Bitcoin voraussichtlich weitere eineinhalb bis zwei Jahre oder länger dauern wird. Dabei merkte er an, dass die Rückerstattung und die Verteilung der Vermögenswerte für einen längeren Zeitraum zum Erliegen kommen dürften. Als Grund führte er eine ausstehende Entscheidung der japanischen Justiz an, die eine CoinLab-Forderung von 16 Milliarden US-Dollar gegenüber Mt.Gox betrifft. Ursprünglich beliefen sich die Forderungen von CoinLab auf 75 Millionen US-Dollar. Der MGL-Koordinator befürchtet, dass der Entschädigungsprozess dadurch zusätzlich in die Länge gezogen wird.

Pag bezichtigt zudem Mark Karpelès, den Gründer von Mt.Gox, für Mehrkosten und Verzögerungen sorgen zu wollen.

Karpelès sollte eine Bewährungsstrafe verbüßen, nachdem ein japanisches Gericht zu dem Entschluss kam, dass er die Bücher von Mt.Gox manipuliert hat. Allerdings erhielt er später einen Freispruch.

Silkroad-Erpresser haben Mt.Gox gehackt

Curtis Green und Shaun Bridges, zwei amerikanische Ermittler um die Silkroad, wurden 2014 festgenommen und ein Jahr später schuldig gesprochen, am Hack der Krypto-Börse Mt.Gox beteiligt gewesen zu sein. Der Zusammenbruch der Börse zu Beginn des Jahres 2014 führte zum Verlust von mindestens 850.000 BTC im damaligen Wert von rund 460 Millionen US-Dollar, also ca. 408 Millionen Euro. Der heutige Wert liegt bei umgerechnet rund 3,73 Milliarden Euro.

Der umstrittene Brock Pierce hat unabhängig davon die sogenannte GoxRising-Bewegung ins Leben gerufen und behauptet, er könne die Krypto-Börse neu aufsetzen und die Entschädigung der Gläubiger beschleunigen.

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