Mit Robo-Advisors in Bitcoin investieren – ein Blockchain-Center-Seminar

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Am 24. Mai veranstaltete das Blockchain Center der Frankfurt School of Finance ein Seminar zum Thema institutioneller Investments in Kryptowährungen. Verschiedene Referenten betrachteten die Möglichkeiten, die sich mit Kryptowährungen für Fondsmanager und Anleger ergeben. Neben Fragestellungen zur Verwahrung von Bitcoins wurden die Möglichkeiten von Robo-Advisors und von Machine Learning im Kryptosektor diskutiert.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tanja Giese

Die Frankfurt School of Finance ist vielen mit ihrem Blockchain Center ein Begriff. Seit Ende 2016 organisiert der um Professor Philipp Sandner organisierte Thinktank Meetups, schreibt Paper und organisierte jüngst eine Konferenz über Krypto-Assets. Über letztgenannte hat BTC-ECHO berichtet.


Am 24. Mai veranstaltete das Blockchain Center der Frankfurt School of Finance einen Workshop über Kryptofonds. In Kooperation mit Dechert LLP sollten die Möglichkeiten diskutiert werden, die die neue Asset-Klasse Kryptowährungen für Fondsmanager mit sich bringt.

Philipp Sandner hat diesen Punkt in einem kurzen Impulsvortrag betont. Er behauptete, dass die gerade bei Banken bekannte „Blockchain vs. Bitcoin“-Position innovationshemmend sei, da technologische Neuerungen primär von Start-ups aus dem Krypto-Ökosystem kämen. Er ist davon überzeugt, dass in zehn Jahren fast alle finanziellen Transaktionen auf der Blockchain basieren. Als Beispiele für schon jetzt realisierte Anwendungsfälle im Kontext der Vermögensverwaltung nannte Sandner Arbitrage-Geschäfte und sich auf ICOs spezialisierende Fonds.

Kryptowährungen für Robo Advisors – ein fehlendes Puzzlestück?

Im ersten Vortrag führte Christian Labetzsch von Blocksize Capital in die Welt der Robo Advisors ein. Robo Advisors sind – um es einfach auszudrücken – virtuelle Assistenten und Finanzberater. Auf Basis von über Fragebögen aufgenommene Kundendaten erstellen diese automatisch Risikoprofile und ein dazu passendes Portfolio. Konkret kann man zwischen Online Advisory Tools wie easyfolio und individueller Vermögensverwaltung wie investify unterscheiden. Eine Übersicht über bestehende Systeme bietet roboverleich.com. Natürlich tut sich hier wie im Bereich anderer virtuellen Assistenten sehr viel. So wird an der Nutzung von Machine Learning oder Natural Language Processing gearbeitet.

Die Rallye von 2017 führte zu großem Interesse seitens der Vermögensverwalter an Bitcoin und anderer Kryptowährungen. Tatsächlich könnte für etablierte Robo-Advisors die Berücksichtigung von Krypto-Assets ein Key-Differentiator sein. Außerdem könnten Robo-Advisors und Anlageberater im Allgemeinen den Anlegern den Einstieg in Kryptowährungen erleichtern. Da eine regulatorische Lösung noch nicht da ist, können Robo-Advisors, sofern sie als regulierte Investment-Vehikel aufgezogen werden, Kryptowährungen nicht direkt integrieren.

Doch jenseits dieser vollständig regulierten Finanzprodukte existieren verschiedene Robo-Advisors im Krypto-Ökosystem. Als Beispiele seien RoboAdvisorCoin, NaPoleonX, SwissBorg, MelonPort und ICONOMI genannt.

Mit KI zur optimalen Krypto-Finanzverwaltung

Im zweiten Vortrag hat Christoph Impekoven, ebenfalls von Blocksize Capital, den Themenkomplex Kryptowährungen und künstliche Intelligenz diskutiert.

Er stellte vor, dass Blocksize Capital ein System entwickelte, welches zum einen algorithmisches Trading beherrscht, zum anderen Arbitrage zwischen verschiedenen Börsen berücksichtigt. Ein besonderer Bereich ihrer Tätigkeit ist das algorithmische Trading zur Liquiditätsoptimierung. Insbesondere bei großen Summen kann die mangelnde Liquidität zu einem Problem werden. Außerdem soll über die Betrachtung der Liquidität ein Slicing von Kauf- und Verkauforders möglich sein, welches keine negativen Spuren im Markt hinterlässt. Man merkt an diesem Fokus auf Liquidität, dass Blocksize Capital an Großkunden denkt.

Im Vortrag wurde auch der größere Kontext betrachtet: Impekoven zeigte auf, dass es im Bereich künstlicher Intelligenz verschiedene Projekte gibt. Numerai, Cindicator und BittsAnalytics seien nur als Beispiele genannt.

Numerai versteht sich als crowdfinanzierter Hedgefonds mit Mitbestimmungsrecht. Nutzer können Machine-Learning-Modelle für das algorithmische Trading einreichen. Wöchentlich finden Wettbewerbe statt, in denen die am besten performenden Modelle prämiert werden.

Cindicator ist ein System für Asset-Bewertung, hinter dem inzwischen über 100.000 Analysten stehen.

BittsAnalytics ist eine auf künstlicher Intelligenz basierende Plattform zur Analyse von Kryptowährungen und ICOs. Sie bietet Features wie Portfolio Tracking und liefert Tradingsignale.

Insgesamt ist der Einblick in die Welt der Robo-Advisors, welchen Blocksize Capital bietet, sehr interessant. Zwar ist weder Algotrading noch automatisiertes Asset Management neu, jedoch zeigen die vorgestellten Entwicklungen das wachsende Interesse an der neuen Asset-Klasse Kryptowährungen.

Eine Veranstaltung vom Blockchain Center, die Lust auf mehr macht

Im darauf folgenden Vortrag ging es um die Verwahrung von Bitcoin und anderer Krypto-Assets. David Finkenstädt von Postera Fund stellte die verschiedenen Wallet-Möglichkeiten vor. Außer den bekannten verschiedenen Hot und Cold Storages stellte er Hardware-Sicherheitsmodule vor. Hardware-Sicherheitsmodule oder kurz HSM sind keine Erfindung der Krypto-Community, jedoch lassen sich diese Systeme verwenden, um extrem sichere Wallets zu erzeugen.

Zwar sind derartige Ansätze für den durchschnittlichen Privatinvestor maßlos übertrieben, jedoch könnten sie für institutionelle Investoren wichtig werden. Was mir in der späteren Diskussion auffiel, war, dass man viel darüber diskutierte, wie unmöglich die Sicherung einer einzelnen Wallet ist. Die Seed für einen Private Key solle man erwürfeln, die Paper-Wallet mit einem PC, der offline ist, ausdrucken. Und am Ende wird die Wallet immer noch nicht sicher sein. Sicherlich sind diese Sicherheitsgedanken korrekt, jedoch wurde die einfachste Absicherung etwas ignoriert: Warum seinen Stake nicht auf mehrere Wallets verteilen?

Im Anschluss gab es noch einen weiteren Talk über die rechtlichen Aspekte bei der Betrachtung von Krypto-Assets. Leider musste ein Zug zurück in die Heimat erreicht werden, sodass wir diesen Vortrag nicht mehr hören konnten. Was ich bis dahin sah, war eine sehr interessante Veranstaltung. Sie zeigte, dass im Finance-Sektor nicht nur das Interesse an, sondern auch das Wissen über Kryptowährungen wächst. Es wäre schön, wenn es zu diesem Seminar eine Fortsetzung gäbe!

BTC-ECHO

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