Wiederbelebung Mit Blockchain gegen Planwirtschaft – Wie wir zu einem gesunden Zinssystem zurückfinden

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Auf dem Bild ist ein rot-gelber Trabant, kurz Trabbi zu erkennen, ein Symbol der DDR und damit der dortigen Planwirtschaft.
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So verständlich die Rettungsmaßnahmen von Staaten und Notenbanken sind, stellt sich die Frage, was die Maßnahmen für die „Gesundheit unserer Marktwirtschaft“ bedeuten. Warum der Zins als Informationsträger an Bedeutung verliert und die Blockchain-Technologie dagegen steuern kann.

Die wirtschaftliche Schieflage, in der wir uns befinden, zwingt Politik und Notenbanken zu immer drastischeren Maßnahmen. Würde man die Marktkräfte frei walten lassen, dann würde das Kartenhaus beziehungsweise die Schuldenblase zusammenfallen, mit gravierenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Zur Aufrechterhaltung des Status Quo werden Maßnahmen getroffen, die an planwirtschaftliches Handeln erinnern.

Marktkräfte werden auf Eis gelegt


So werden Wertpapiere von den Notenbanken aufgekauft, was zu einer Verzerrung der Kurse und Zinsen an den Börsen führt. Es wird immer schwieriger fundamental zu analysieren, ob die Bewertung eines Unternehmens gerechtfertigt ist. Gleichzeitig hat man die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt, sodass die Bücher der Banken immer weniger Aussagekraft haben. Welche Forderung kann abgeschrieben werden und welche nicht? Aktuell sieht es sogar danach aus, dass man dieses Jahr das Insolvenzrecht praktisch gänzlich aussetzt. Angesichts der steigenden Corona-Zahlen und der Angst vor einer zweiten Welle traut man der Wirtschaft offenbar kein funktionierendes Insolvenzrecht mehr zu.

Es müssen gigantische Sozialprogramme aufgelegt werden, wie sich vor allem in den USA zeigt. So nachvollziehbar diese Programme unter sozialen Gesichtspunkten sind, verzerren aber auch sie die Wirtschaftsdaten. Dass beispielsweise der Konsum in den USA kurzfristig stark angestiegen ist, ist mit Helikoptergeld und nicht mit substanzieller Erholung zu erklären. Positive Wirtschaftszahlen sind daher teuer und künstlich erkauft, zumal sie nicht die kommenden Folgen – unter anderem geben zwei Drittel der Gastronomen an sich in existentieller Schieflage zu befinden – berücksichtigen, die sich gen Herbst und Winter als größere Belastungsfaktoren erweisen dürften.

Alarmzeichen häufen sich

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat in ihrer Meldung vom 17. August verkündet, dass sie aufgrund der Corona-Krise ihre Interaktion mit der Bankenbranche auf ein Minimum beschränken wird. Vereinfacht gesagt: Man möchte die Banken, die in den kommenden Monaten mit hohen Kreditausfällen zu kämpfen haben, nicht noch mit regulatorischen Fragestellungen belasten.

Nicht nur sind es solche Meldungen, die einem Angst bereiten können, sondern auch das Verhalten der etablierten Marktakteure. So sind in den letzten Wochen Dinge geschehen, die man sich unter normalen Umständen nicht hätte vorstellen können. Dazu gehört beispielsweise, dass der Gold-Gegner Warren Buffet auf einmal doch Gold kauft und das Nasdaq-Unternehmen MicroStrategy 250 Millionen US-Dollar seiner Rücklagen in Bitcoin steckt, da es dem US-Dollar nicht mehr vertraut.

Wenn Finanzanalysten zu Politikwissenschaftlern werden

So richtig es ist, in einer akuten Krise als Staat und Notenbank einzuschreiten, muss die Perspektive gegeben sein, dass diese Form der Planwirtschaft zeitlich begrenzt ist. Die genannten Maßnahmen führen auf Dauer dazu, dass die freien Marktkräfte nicht mehr richtig funktionieren und den Zins als wichtigsten Informationsträger unserer Wirtschaft verzerren.

Sind 2,5 Prozent Zinsen für eine ThyssenKrupp-Unternehmensanleihe viel oder wenig? Die Werkzeuge mit denen Finanzanalysten und Volkswirte bislang diese Frage beantwortet haben, müssen auf den Prüfstand. Wie es einem Unternehmen geht, ist immer stärker eine politische Frage und weniger eine des Marktes und der betriebswirtschaftlichen Lage. Das Unternehmens-Schicksal ist dabei zunehmend vom staatlich-zentralistischen Institutionengefüge als vom dezentralen Markt abhängig.

Zinsen ohne Information

Wozu diese staatliche Lenkung der Wirtschaft führt, sieht man an den wirklichen Planwirtschaften wie der damaligen UDSSR oder heute noch Venezuela. Das Prinzip ist simpel: Je stärker man die Kurse und Zinsen durch staatliches Eingreifen verzerrt, desto größer ist die Fehlallokation von Kapital. Fließt das Kapital wiederum dorthin, wo es keine Renditen erwirtschaftet, dann nimmt die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft langfristig ab. Anstatt reicher zu werden, wird man ärmer und baut negative Salden auf, da freiere Marktwirtschaften eine effizientere Verteilung des Kapitals ermöglichen. Da aktuell alle großen Industrienationen enorme staatliche Eingriffe durchführen müssen, bei gleichzeitig hoher Verschuldung, ist dieser Effekt weniger sichtbar.

Das kollektive Geldverbrennen entwickelt dabei eine gefährliche Eigendynamik. Mit abnehmender Markteffizienz und „Zinsinformation“ muss man immer mehr an Liquidität nachkippen, um den gleichen Effekt zu erzielen. Die abnehmende, dem Markt inhärente Dezentralität, wird damit immer weiter reduziert und das zentrale, ergo planwirtschaftliche Element, gewinnt an Gewicht.

Blockchain-Dezentralität bietet Alternative

Diese Rettungsökonomie steht diametral zu all dem, was Bitcoin und Blockchain-Plattformen verkörpern. Diese versuchen den Einfluss zentraler Akteure so gering wie möglich zu halten. Dadurch erhöht man den Grad an Dezentralität, der wiederum ausschlaggebend für eine effektive Preis- und Zinsfindung ist. Wenn wir also über Mechanismen nachdenken, wie wir den Patienten wieder fit bekommen, dann wäre eine Dezentralisierungskur sicherlich ganz weit oben auf der Liste.

Das Problem ist nur, dass dann die ganzen Missstände aufliegen und es zu heftigen Turbulenzen kommt. Aus diesem Grund ist es gut nachvollziehbar, dass sich die Politik vor diesem reinigen Gewitter fürchtet.

Bitcoin Ja, DeFi Nein

Aktuell kann die Krypto-Ökonomie und Decentralized Finance nicht viel bewirken. Es fehlt der realwirtschaftliche Bezug. Gerade das Crypto Lending à la Compound oder Aave ist selbst eine große Blase. Die Lending-Plattformen laden bislang mehr zum Spekulieren, als zum Investieren ein. Kurz- bis mittelfristig kann man also keine eine Unterstützung für den angeschlagenen Markt seitens der Blockchain-Technologie erwarten. Zumal die Referenz immer die Nicht-Krypto-Ökonomie und die Fiatwährungen wie US-Dollar oder Euro sind. Wer Kryptowährungen besitzt, der rechnet in die jeweilige Landeswährung um, genauso wie er die Dinge des alltäglichen Bedarfs mit Fiatwährungen bezahlt.

Dennoch zeigt sich in Bitcoin eine Wertanlage, die auch ganz aktuell eine Absicherung zum geldpolitischen Wahnsinn bietet. Der Wert der Dezentralität ist seit der Erfindung von Bitcoin noch nie so hoch gewesen, wie zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Zumal bei einem ungeordneten Währungszusammenbruch, der uns hoffentlich erspart bleibt, Bitcoin ein besseres Zahlungsmittel als beispielsweise Gold ist.  

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