Wie ViaBTC über die Zukunft von Bitcoin entscheiden kann

Mining cart in silver, gold, copper mine

Seit den Debatten der letzten Monate, über die Frage wie die Transaktionskapazität von Bitcoin skaliert werden soll, ist durch den Mining Pool ViaBTC neuer Schwung in das kontroverse Thema gekommen.

Bislang gibt es kaum Fortschritte in der Skalierungsdebatte, was viele in der Bitcoin-Community stark verärgert, da sie abhängig von neuen technischen Lösungen im Bitcoin-Netzwerk sind. Ohne eine Modifikation wird es schwierig sein ein größeres Wachstum im Bitcoin-Netzwerk zu erzielen. Die Entwicklerteams von Bitcoin Core und Bitcoin Classic bleiben hartnäckig in der Absicht, ihren jeweilig bevorzugten Weg in der Skalierungsdebatte durchzusetzen.

Ein relativ neuer Bitcoin-Miningpool könnte dies nun ändern, da dieser neue Lösungsansätze in der Bitcoin-Skalierung bietet.

In den letzten Wochen hat der chinesische Miningbetreiber ViaBTC seine Mining-Software von der Bitcoin Core Version auf eine Version von Bitcoin Unlimited umgestellt. Das Team von Bitcoin Unlimited ist eine konkurrierende Entwicklergruppe, die auf alternative Skalierungsmethoden setzt, indem sie variablere Blockgrößen erschaffen.

Im Gegensatz zum Team von Bitcoin Core bietet Bitcoin Unlimited keine Unterstützung für deren Signatur, der Segregated Witness, an. Durch Segregated Witness könnte die Blockgröße um das 1,8 -fache vergrößert werden, sodass dadurch mehr Transaktionen verarbeitet werden können.

Allerdings erfordert eine Umstellung auf Segregated Witness 95 % der Bitcoin-Hashingpower, die wiederum von ViaBTC geblockt werden kann. Gemäß blockchain. info hat ViaBTC in den letzten 24 Stunden 7,3 % der Blocks entdeckt. An anderen Tagen erreichte ViaBTC sogar Werte von bis zu 9,6 %.

Mit einem Umdenken von ViaBTC und der damit verbundenen Bereitschaft Segregated Witness zu akzeptieren ist gegenwärtig nicht zu rechnen. Erst letzte Woche gab ViaBTC in einem Blog Post bekannt, dass es den Vorschlag von Bitcoin Core entscheidend ablehnt, da dadurch die Struktur von Bitcoin-Transaktionen deutlich abgeändert wird.

Groß gegen klein

Zum ersten Mal wurde der Vorschlag von Bitcoin Unlimited im September 2015 diskutiert. Bitcoin Unlimited sieht vor, dass jeder einzelne Node- und Mining-Betreiber selbst entscheiden kann, welche Blockgröße er wählt, ohne dabei Rücksicht auf die vorgeschriebenen 1 MB machen zu müssen. Bitcoin Unlimited argumentiert, dass dadurch eine Art “Block Size Market” entsteht, der der individuellen Nachfrage des Bitcoin-Netzwerkes nachkommt.

Schließlich wird argumentiert, dass es gegenwärtig zu einem Aufstauen von Transaktionen kommt und dadurch der gesamte Transaktionsprozess verlangsamt wird. Korrespondierend dazu steigen die Gebühren an, was sich wiederum negativ auf das Wachstum und die Ausbreitung von Bitcoin auswirkt.

Eine Veränderung der Blockgröße würde allerdings einen Hard Fork bedingen, welcher vom Bitcoin Core Team abgelehnt wird. Erschwerend würden durch einen Hard Fork zwei unterschiedliche Blockchains mit unterschiedlichem Regelwerk geschaffen werden, sodass sich Nodes und Miner für eine Version entscheiden müssten.

Ohne ein Update auf die neue Software würden Nodes von Netzwerk abgetrennt werden, sodass sich theoretisch ein neues Netzwerk bilden könnte.

Im Gegenzug dazu benötigt Segregated Witness (im Weiteren SegWit) lediglich eine Soft Fork, was bedeuten würde, dass die Nodes auch ohne ein Upgrade weiterhin Teil des Bitcoin-Netzwerkes bleiben würden. SegWit-Transaktionen könnten diese allerdings nicht verarbeiten.

Bitcoin Core sieht Bitcoin primär als Abwicklungsplattform und unterstützt den Ansatz die meisten kleinen Transaktionen über ein übergeordnetes System, wie das sich in der Entwicklung befindende Lightning Network, laufen zu lassen.

Die Gemeinschaft um Bitcoin Unlimited, sowie ViaBTC, widersprechen der Auffassung von Bitcoin Core.

“Bitcoin ist zuerst einmal eine digitale Währung; Abwicklungsprozesse sind demnach sekundär gegenüber den monetären Eigenschaften. Wenn Bitcoin seine Werteigenschaften verliert, verliert auch das gesamte Abwicklungsnetzwerk seinen Nutzen”, schreibt ViaBTC in einem Blog Post.

Mit einer Hashrate von über 7 % hat der Mining Pool signifikanten Einfluss auf die Richtung, die das Bitcoin-Netzwerk einschlägt. Der CEO von ViaBTC, Haipo Yang, glaubt, dass die Hashrate mit Bitcoin Unlimited weiter ansteigen wird.

“Soweit ich das sagen kann bekommt Bitcoin Unlimited mehr und mehr Unterstützung und Zustimmung von verschiedenen größeren Mining Pools. Ich denke, dass Bitcoin Unlimited Erfolg haben wird.”

Die Ursprünge von ViaBTC

Der noch recht junge und unbekannte Mining Pool ViaBTC hat erst letzten Juni seine Arbeit aufgenommen. Den schnellen Aufstieg und den hohen Anteil an Hashrate im Netzwerk erklärt Yang wie folgt:

“Wir sind der schnellste Pool im Finden und Verarbeiten von Blocks. Wir haben noch nie einen ‘verwaisten’ Block gehabt.”

Auf die Frage woher er dieses Know-how hat antwortet Yang, dass er für den chinesischen Internetgiganten Tencent, sowie für Zeusminer, einer großen Litecoin Mining Farm, gearbeitet hat. Viele seiner Mitarbeiter stammen ebenfalls von Tencent.

Zudem argumentiert Yang, dass aufgrund der einzigartigen Zahlungsmethode des Pools die Transaktionsgebühren besser verteilt werden, sodass Miner einen größeren Profit generieren können.

In einem Tweet äußert Samson Mow vom BTCC Mining Pool:

“Es ist in China bekannt, dass ViaBTC von Bitmain hochgezogen wurde. Mining Pools mit einer solchen Hashrate entstehen nicht von heute auf morgen”

Das Unternehmen Bitmain hat die bekannte Antminer Mining-Hardware entwickelt und leitet die Mining Pools Antpool und BTC.com.

Jihan Wu, Co-Gründer von Bitmain, argumentierte bereits in der Vergangenheit, dass kleine Blocks das Bitcoin-Netzwerk gefährden. In diesem Kontext appellierte er Anfang diesen Monats für alternative Skalierungslösungen, einschließlich für Bitcoin Unlimited.

Auf die Frage zu Wu’s Beteiligung gab Yang keine konkrete Antwort ab, auch wenn er eine Verbindung zwischen den beiden Unternehmen nicht geleugnet hat.

Raum für Kompromisse

Losgelöst von den neuen Entwicklungen kann mit Sicherheit gesagt werden, dass der Weg zur Bitcoin-Skalierung noch lang und steinig ist.

Eric Lombrozo, ein Entwickler von Bitcoin Core und CEO von Ciphrex, drückt seine Enttäuschung über die Politisierung der Skalierungsdebatte aus. Er erklärt, dass die Durchsetzung von SegWit am besten das ökonomische Interesse der Miner widerspiegelt. Schließlich ermöglicht SegWit einen größeren Durchfluss an Transaktionen, was sich positiv auf die Bitcoin-Adaption und Bitcoins Wettbewerbsfähigkeit auswirkt.

Sollte sich Bitcoin Unlimited nicht wie vorgesehen entwickeln, gesteht Yang eine gewisse Kompromissbereitschaft gegenüber anderen Ansätzen ein.

“Sollten wir uns in einem längeren Stillstand befinden, so denke ich, dass sich beide Seiten zusammensetzen sollten, um offen über einen Kompromiss zu sprechen, sodass Bitcoin weiter wachsen kann.”

BTC-ECHO

Englische Originalversion von Jacob Donnelly via CoinDesk


Bildquellen

  • Mining cart in silver, gold, copper mine: © TTstudio - Fotolia.com