Bärenstark trotz Krise Man wächst mit seinen Aufgaben: Warum Bitcoin antifragil ist

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 5 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Bitcoin (Symbolbild)

Quelle: Shutterstock

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Schon Friedrich Nietzsche schrieb: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“. Man könnte auch sagen, wir wachsen an unseren Herausforderungen. Hinter dieser zugegeben abgeschmackten Floskel steckt eine fundamentale Wahrheit, auf die sich Bitcoiner aktuell mehr denn je berufen: Bitcoins Antifragilität.

Unter Antifragilität versteht Bestsellerautor und Star-Ökonom Nassim Taleb ein Konzept, das das Gegenteil von Fragilität beschreibt. Nicht Robustheit, sondern Antifragilität stehe demnach der Fragilität diametral gegenüber. Denn was robust ist, hält Widerständen und Rückschlägen lediglich stand, Antifragiles wächst hingegen an seinen Aufgaben. Soll heißen, aus jedem Hindernis kommen antifragile Systeme gestärkter heraus, als sie hineingingen.

Bitcoin ist antifragil

Dass Autoren seit geraumer Zeit auch Bitcoin als ein solches antifragiles System handeln, ist eine non-triviale Überlegung. Schließlich folgt jedem Kurssturz ein süffisantes „I told you so“ vonseiten der Bitcoin-Skeptiker wie etwa Gold-Fürsprecher Peter Schiff. Wäre Bitcoin indes ein antifragiles Konstrukt, würden Kursstürze Bitcoin nicht schwächen, sondern stärken. Eine Hypothese, die sich durchaus einer empirischen Überprüfung unterziehen lässt.

Abnehmende Volatilität

Vom heftigen Ausschlag im März dieses Jahres im Zuge der Corona-Krise einmal abgesehen, ist ein klarer Trend erkennbar: Bitcoins Volatilität nimmt ab. Da eine der zentralen Funktionen der digitalen Währung die eines Zahlungsmittels ist, deutet eine sinkende Volatilität auf zunehmende Eignung als tatsächliches Geld hin. Wie ist das zu erklären?


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Als Graswurzelbewegung ist BTC nach wie vor deutlich Retail-geprägt. Das heißt, anders als im traditionellen Finanzmarkt dominieren nicht institutionelle, sondern private Anleger den Markt. Von diesen privaten Investoren dürfte ein steigender Anteil in die Kategorie Hodler fallen. Das sind Investoren, die an Bitcoins Wertversprechen glauben und nicht an der Mitnahme kurzfristiger Gewinne interessiert sind. Jedes Platzen einer Miniblase am Krypto-Markt führt nun dazu, dass BTC-Besitz von kurzfristig gewinnorientierten Investoren in die Hände der Hodler übergeht.

Diese These stützt auch die Datenlage. Hodlwave etwa zeigt, dass der Anteil der Hodler gemessen am Gesamtvolumen des Krypto-Markts mit der Zeit zunimmt.

Hodlwave

In anderen Worten: Jede Blase transferiert BTC in „stärkere“ Hände und macht Bitcoin so auf lange Sicht weniger anfällig für extreme Kursstürze.

Skin in the Game

Als dezentrale Graswurzelbewegung hat BTC keine Führungsfiguren. Bitcoins Befürwortern zufolge ist dies aber kein Nachteil, sondern eine seiner entscheidenden Stärken. Je dezentraler, und da ist man sich unter Bitcoinern einig, desto besser. Die Teilnahme an der Kryptowährung Nr. 1 geschieht freiwillig; jeder und jede, die sich zum Kauf entschließt, trifft eine klare Entscheidung, Fiatgeld wie Euro oder US-Dollar in ein dezentrales Projekt mit unsicherem Ausgang zu tauschen.

Im Gegensatz zur Teilnahme am traditionellen Fiatgeldsystem ist die Teilnahme am Bitcoin-System völlig zwanglos. Und hier liegt sodann der entscheidende Vorteil: Wer Skin in the Game hat, hat plötzlich ein handfestes monetäres Interesse daran, dass Bitcoin nicht scheitert. Je größer der monetäre Wert ist, der in BTC gespeichert ist, desto größer das Interesse an Bitcoins Erfolg. So mancher Bitcoiner strickt dieses Konzept der Antifragilität bereits zu dem Zeitpunkt weiter, an dem BTC zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz zu staatlichem Geld wird. Dann, so die Argumentation, dürfte es genug Entscheidungsträger geben, die bereits Undercover-Bitcoiner sind, damit Gegner für staatliche Attacken keine Mehrheiten mehr finden.

Niemand ist systemrelevant

So mancher dürfte sich an die Finanzkrise 2008 noch erinnern. Banken, so hieß es, seien systemrelevant und dürften auf keinen Fall scheitern. Entscheidungsträger rechtfertigten die Bankenrettung damals mit der Systemrelevanz ebendieser Kreditinstitute. Und hier offenbart sich der entscheidende Unterschied zwischen dem aktuellen Finanzsystem und Bitcoin: Während das Fiatgeldsystem bei Krisen immerzu auf der Kippe steht, also fragil ist, existiert das Konzept der Systemrelevanz im Bitcoin-Kosmos nicht.

Im Gegenteil, das Scheitern von Exchanges mag für den einzelnen Investor, der den Verlust von Krypto-Vermögen erleidet, schmerzvoll sein. Auf der Makroebene macht jede gescheiterte Krypto-Börse indes Platz für einen besseren Marktteilnehmer. Selbst der legendäre Fall der eins größten Bitcoin-Börse Mt.Gox hat BTC nie an den Rand des Scheiterns gebracht, obgleich im Zuge dessen etwa 650.000 BTC abhanden gekommen sind.

Bitcoin umschifft Verbote zuverlässig

Wer das Skin-in-the-Game-Argument nicht kaufen will und an ein mögliches BTC-Verbot von staatlicher Seite glaubt, der sei hier abermals an die Antifragilität erinnert. Denn selbst autoritäre Regime wie China schaffen es nicht zuverlässig, das Bitcoin-Mining oder den -Handel zu unterbinden. China-FUD hat daher bereits als geflügeltes Wort Zugang in den Sprachgebrauch der Szene gefunden – und wird zunehmend belächelt. Bitcoiner haben bisher immer einen Weg gefunden, staatliche Angriffe zu umschiffen.

Das Urteil des indischen Verfassungsgerichts, das den India Ban für nichtig erklärt hat, ist das jüngste Beispiel für die Standhaftigkeit der Bitcoin Community.

Die aktuelle Entwicklung am Bitcoin–Markt ist übrigens ein weiteres klares Signal für Antifragilität: Denn anstatt dem aktuellen Markttrend zu folgen (nämlich abwärts), folgt BTC weiter den Vorhersagen des Stock-to-Flow-Modells ganz so, als wäre nichts geschehen.

In kurz: Honeybadger don’t care.


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