Vorreiter Litauen LBCoin auf dem Prüfstand – die weltweit erste CBDC?

Jonas Groß

von Jonas Groß

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Jonas Groß

Jonas Groß ist Projektmanager am Frankfurt School Blockchain Center und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth. Zu seinen Forschungsschwerpunkte im Rahmen seiner Promotion gehören primär digitale Zentralbankwährungen (CBDC) und Stablecoin-Projekte wie Libra. Jonas ist Ko-Autor zahlreicher Publikationen zu CBDCs und Libra, darunter das CBCB Policy-Maker Toolkit des World Economic Forums.

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Zuletzt sorgte die Litauische Zentralbank für weltweites Aufsehen. Die Notenbank kündigte an, dass der sogenannte „LBCoin“ ab sofort verfügbar sei. In den Medien wurde diese Ankündigung teilweise als die weltweit erste Einführung einer Retail CBDC tituliert. Doch was steckt tatsächlich hinter dem LBCoin? Jonas Groß, Projektmanager am Frankfurt School Blockchain Center und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth, über das Konzept, die Implikationen und die Einordnung des LBCoins.

Funktionsweise des LBCoins

Nach zweijähriger Entwicklungszeit gab die Litauische Zentralbank vor wenigen Wochen bekannt, dass der LBCoin nun offiziell eingeführt und online zu erwerben sei. Beim LBCoin handelt es sich zweifelsfrei um eine Weltneuheit – allerdings nicht um die erste eingeführte Retail CBDC. Der LBCoin ist hingegen die erste Blockchain-basierte digitale Sammlermünze.


Wie genau funktioniert der LBCoin? Insgesamt emittierte die Litauische Notenbank 24.000 digitale Tokens. Diese Tokens sind an die historische Entwicklung Litauens geknüpft und repräsentieren die 20 Unterzeichner des litauischen Unabhängigkeitsgesetzes von 1918. Die Unterzeichner wurden nach ihrem beruflichen Hintergrund in sechs Kategorien aufgeteilt, z.B. in Akademiker, Politiker, etc. Wird nun ein LBCoin käuflich erworben, werden von den 24.000 Tokens sechs zufällig ausgewählt und dem digitalen Geldbeutel (Wallet) des Käufers gutgeschrieben.

Diese Tokens lassen sich dann untereinander mit anderen Personen tauschen – ähnliche wie bei einem physischen Panini-Sammelalbum. Ziel des Tauschens ist es letztendlich, Tokens aus den unterschiedlichen sechs Kategorien zu besitzen. Repräsentieren die sechs gehaltenen Tokens die sechs verschiedenen Kategorien, kann der LBCoin in eine physische Sammlermünze umgewandelt werden. Diese Sammlermünze besteht aus Silber und hat einen Nennwert von 19,18 Euro – in Anlehnung an 1918, das Jahr der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens.

Ziele des LBCoins

Auf den ersten Blick erscheint die Ausgabe einer solchen digitalen blockchain-basierten Sammlermünze kompliziert – warum müssen erst digitale Tokens erworben und getauscht werden, um sie letztendlich in eine physische Sammlermünze umzuwandeln? Warum kann man die physische Sammlermünze nicht gleich direkt kaufen?

Die Zentralbank verfolgt mit dem Projekt eine klare Agenda. Die Notenbanker zielen darauf ab, die breite Öffentlichkeit in Bezug auf Blockchain-Technologie, digitales Geld und digitale Vermögenswerte weiterzubilden. So möchte die Zentralbank anregen, dass sich die breite Öffentlichkeit mit Fragen auseinandersetzt, wie „was bedeutet es digitale Tokens zu verwenden?“, „wie kann ich einen digitalen Token handeln?“, oder „was sind Wallets und wie benutze ich diese?“.

Evaluation und Öffentlichkeitsarbeit

Der Bildungsaspekt für die breite Öffentlichkeit ist in diesem Kontext somit für die Zentralbank besonders wichtig. Doch auch der eigene Wissenserwerb steht im Fokus. Auch wenn es sich beim LBCoin um ein eher kleineres, experimentelles, Projekt handelt, ist es doch der erste Schritt für digitale Tokens auf Zentralbankebene. Laut Aussagen der Litauischen Zentralbank konnte man durch das Projekt erste Erfahrungen mit einer eigenen Kryptowährung bzw. Blockchain-basierten digitalen Vermögenswerten sammeln. Auf diese Art und Weise ließen sich erste Einblicke in Aspekte der Cybersecurity, Auswahl und Implementierung der Technologie sowie regulatorische Fragestellungen erhalten.

Die Untersuchung und eine ausführliche Analyse all dieser Aspekte sind auch für die potentielle Einführung einer CBDC von großer Wichtigkeit. Auch wenn die Zentralbank Litauens sich bislang nicht auf eine CBDC-Einführung festgelegt hat – sie müsste eine solche Einführung außerdem als Teil des Eurosystems mit der Europäischen Zentralbank (EZB) absprechen – zielen die Zentralbanker darauf ab, für eine mögliche CBDC-Emission vorbereitet zu sein. Durch Projekte wie den LBCoin werden intern hierfür bereits Vorkehrungen getroffen.

Zudem sei laut Notenbank ein solches Pilotprojekt essenziell, um die Reaktion der Bevölkerung auf digitale Innovationen, wie eine digitale Sammlermünze und später einer potentiellen CBDC, abzuschätzen. Bislang gibt es weltweit keine Retail CBDC, weshalb sich Auswirkungen einer CBDC-Einführung nur entweder aus theoretischen Analysen, internen Tests oder – wie in diesem Fall – auf Basis eines Prototypens ableiten lassen.

Kleines, aber interessantes Projekt

Auch wenn der LBCoin letztlich keine Retail CBDC darstellt und nur ein relatives kleines Emissionsvolumen aufweist, ist das Projekt dennoch wichtig. Die Litauische Zentralbank geht als innovative und Fintech-orientierte Zentralbank mit gutem Beispiel voran. So beschäftigt sich die Zentralbank intensiv mit den Möglichkeiten der Blockchain-Technologie und regt somit Innovationen und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle an.

Außerdem verfolgt die Zentralbank einen praktischen, prototypischen Ansatz, um sich weiterzubilden und um auf eine potentielle CBDC-Einführung vorbereitet zu sein. Während sich die Mehrzahl der Zentralbanken dem Thema CBDC eher konzeptionell nähert, verfolgt die Zentralbank Litauens einen praktischeren Ansatz. Ein solcher Ansatz sollte weitere Zentralbanken inspirieren, um die Implikationen einer CBDC-Einführung noch mehr von der praktischen Seite aus zu untersuchen.

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