Krypto-Weihnachten 2017 vs. 2018: Warum Bitcoin und Gänsebraten dieses Jahr nicht zusammenfinden

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: Shutterstock

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Weihnachten 2017 war alles andere als besinnlich. Ein Allzeithoch jagte das nächste, alle zehn Minuten blickte man auf das Krypto-Portfolio. Im Hintergrund lief der Song „Hodln“ von der halben deutschen Rap-Szene feat. Julian Hosp. Gepusht von Ausrufen wie Lambo und To the Moon wurde der Verwandtschaft beim Gänsebraten erklärt, wie man mit Kryptowährungen zum Privatier wird. Noch nie war es einfacher, Onkel und Tanten vom schnellen Reichtum zu überzeugen. Das war 2017. Und 2018? Wie sieht das diesjährige Gänseessen mit der Verwandtschaft unter Krypto-Gesichtspunkten aus?

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Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Tanja Giese

Die diesjährigen Feiertage bieten die Möglichkeit, die im letzten Jahr versäumte Selbstkritik und Reflektion nachzuholen, das Ego runterzuschrauben und zu überlegen, worauf es wirklich ankommt. Auf die Krypto-Ökonomie bezogen heißt das: Welche Projekte haben wirklich Substanz? Welcher Zeitrahmen ist realistisch für einen bestimmten Grad an Krypto-Adaption? Von welchen Token-Altlasten macht es Sinn, sich zu trennen? Fragen, die sich Krypto-Investoren gerade zum Jahresende stellen sollten.

Die Gretchenfrage beim Weihnachtsschmaus

Getrieben durch eine maximal mediale Aufmerksamkeit wurde Bitcoin & Co. 2017 in alle Gesellschaftsschichten getragen. Jeder hatte irgendetwas zu diesem neuartigen Internet- und Geldphänomen aufgegriffen. Nun lag es an den (meist) Jüngeren in der Familie, beim Weihnachtsessen Klarheit zu schaffen und Bitcoin zu erklären. Schnell musste konstatiert werden, dass man bereits nach wenigen Sätzen an die limitierte Aufnahmefähigkeit seiner Verwandten gestoßen ist. Anstatt über das Potential der Technologie zu sprechen, blieb meist nur eine einzige Frage übrig: Lohnt sich der Einstieg noch?

Eine Reaktion, die nur allzu verständlich ist. Die menschliche Gier überlagert jede technologische Faszination. Schließlich war es nicht das dezentrale Konzept, das Bitcoin 2017 so populär gemacht hat, sondern eine Ver-x-fachung des Kurses innerhalb weniger Wochen.

Was sagt man dieses Jahr zu den Verwandten?

Auch wenn die Frage: „Lohnt sich noch der Einstieg noch?“ zeitlos ist und immer Gültigkeit hat, ist die Situation dieses Jahr doch eine ganz andere. Wahrscheinlich wird, wenn überhaupt, erst beim Dessert das Thema Bitcoin auf den Tisch kommen. Die Relevanz von Bitcoin & Co. ist vom Hauptgericht zur Nachspeise degradiert worden. Der Tonfall hat von fasziniert und interessiert zu vorwurfsvoll und spöttisch gewechselt. Eine Aussage vom besserwisserischen Onkel könnte dieses Jahr wie folgt lauten: „Wisst ihr noch dieser Bitcoin letztes Jahr? Das ist jetzt alles vorbei. Dieser Unsinn mit den Kryptowährungen ist jetzt Geschichte, war ja auch klar.“

Wenn dann auch noch die Blicke halb vorwurfsvoll, halb mitleidig zu einem herüber wandern, weil man als der Krypto-Experte der Familie als Watschenmann des Krypto-Marktes herhalten muss, dann bleiben nur zwei Optionen übrig:

1) Vom Völlegefühl inspiriert lässt man sich instinktiv und resigniert in die Sofagarnitur fallen und nickt stoisch alles ab. Wenn der Onkel meint, dass Bitcoin tot ist, dann soll er das tun. Hauptsache man hat seine Ruhe.

2) Ermutigt vom Weihnachtspunsch fasst man den Entschluss, ein differenziertes Bild von der Krypto-Ökonomie aufzuzeigen. Dabei kann es empfehlenswert sein, sich der Entstehungsgeschichte des Internets zu bedienen. Auch wenn der besserwisserische Onkel viel Geld durch die Dotcom-Blase im Jahr 2000 verloren hat, wird er wohl kaum die Relevanz des Internets und deren Anwendungen wie die E-Mail kleinreden können. Mit etwas Glück und Weihnachtspunsch stimmt man so auch geschasste Technologie-Investoren neutral und begeistert sie für das Big Picture der Krypto-Ökonomie.

Und was liegt 2018 unter dem Tannenbaum?

Im Gegensatz zum letzten Jahr ist es nicht schwer, noch eine Hardware Wallet zu bekommen. Anstatt wochenlang auf seine Krypto-Geldbörse warten zu müssen, bekommt man diese deutlich günstiger und ohne Wartezeit geliefert. Auch kann man seinen Verwandten mehr Bitcoin für weniger Euro schenken. Die Aussichten für Bitcoin haben sich nicht verschlechtert. Das langfristige Kurs-Potential ist 2018 das Gleiche wie noch 2017. Wer seine Verwandten also wirklich liebt, der legt unter den Tannenbaum keinen Briefumschlag mit Euroscheinen, sondern eine Wallet mit Bitcoin. Dennoch: Nicht jeder Verwandte wird sich über dieses Geschenk freuen, erst recht nicht der bitcoinskeptische Onkel.

Eines darf man aber nicht vergessen: Nächstes Jahr, also Weihnachten 2019, kommt die Familie wieder zusammen. Man stelle sich nur das Gesicht des Onkels vor, wenn Bitcoin in 2019 wieder fünfstellig ist. Der Beschenkte wir dann zugeben müssen, dass die Bitcoin Wallet vielleicht doch keine schlechte Idee war.

In diesem Sinne ein besinnliches und im Zweifel krypto-freies Fest.

P.S.: Wer es dennoch nicht ohne News zu Bitcoin & Co. aushält, braucht sich keine Sorgen machen: BTC-ECHO wird auch zwischen den Feiertagen vom Krypto-Geschehen berichten.

BTC-ECHO

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