Krypto-Anarchie: Was ist ein Cypherpunk?

Quelle: MILAN,ITALY, February, 2017: Hacker wear anonymus mask with notebook in the dark .Editorial photo.

Krypto-Anarchie: Was ist ein Cypherpunk?

Eine intensive Auseinandersetzung mit Bitcoin führt früher oder später in die dunkle Entstehungsgeschichte des Internets. Satoshi Nakamoto veröffentlichte sein Bitcoin White Paper zuerst auf der Mailing-Liste der „Cypherpunks“. Was ist das überhaupt, ein Cypherpunk?

Für Wissbegierige schafft das Cryptoanarchy-Wiki Abhilfe. Ein Cypherpunk ist demnach

„jeder Aktivist, der die verbreitete Nutzung von starker Kryptographie und Privatsphäre schützenden Technologien als Mittel für sozialen und politischen Wandel vertritt.“

Alles begann mit ein bisschen Mathematik

Seit den späten 1980ern existiert eine informelle Gruppe von Individuen, die sich eben über eine E-Mail-Liste koordinieren, um dem oben genannten Zweck nachzukommen. Begünstigt wurde diese Bewegung durch die Entdeckung der asymmetrischen Kryptographie von Whitfield Diffie und Martin Hellman. Die Asymmetrie heißt, dass man nicht mehr dasselbe Passwort für das Ver- und Entschlüsseln von Daten nutzt, sondern zwei Passwörter hat. Eines wird nur zum Verschlüsseln genutzt, dieses Passwort nennt man auch oft „Public Key“. Das andere wird nur zum Entschlüsseln verwendet, auch „Private Key“ genannt. Diese Entdeckung machte es möglich, Nachrichten auch über unsichere Kommunikationskanäle auszutauschen und sich sicher sein zu können, dass kein Mittelsmann den Kommunikationsverkehr mithören kann.

Die Private/Public-Key-Kryptographie kürzt man auch mit den Buchstaben PGP ab. Diese stehen für Pretty Good Privacy. Eine solche Nachricht zu entschlüsseln ist beinahe unmöglich.

Die Entwicklung einer technologischen Revolution

In den frühen 1990ern erhielt die Cypherpunk-Bewegung formelle Ideologie. Drei Individuen, Eric Hughes, Timothy C. May und John Gilmore veranstalten regelmäßige Treffen in einer kleinen Gruppe in der Region um San Francisco. Dabei entstand der Name „Cypherpunk“ in Anlehnung an die „Cryptoanarchy-Wiki“, eine dystopische Richtung der Science-Fiction-Literatur.

1992, schrieb Timothy C. May „Cryptoanarchy-Wiki“, indem er eine Welt vorhersagte, die maßgeblich durch die technologischen Fortschritte geprägt sein würde. Motiviert war May vor allem durch libertäres Gedankengut wie von Ayn Rand. Sein Mitstreiter Eric Hughes verfasste im darauffolgenden Jahr „Cryptoanarchy-Wiki“. Ein Cyperpunk für Hughes ist jemand der programmiere, um die Privatsphäre der Menschen zu schützen.

Die Cypherpunk-Mailing-Liste zog viele begabte und berühmte Persönlichkeiten an. Etwa den australischen Hacker und Journalisten Julian Assange, der 2006 die Enthüllungsplattform WikiLeaks gründete und seit 2012 in der Botschaft Ecuadors in London festgehalten wird. Oder Nick Szabo, der eine bekannte Persönlichkeit der Bitcoin Community ist.

Nicht zuletzt fand sich auch Satoshi Nakamoto selbst unter den Cypherpunks wieder und veröffentlichte 2008 sein legendäres White Paper zu einem „Peer-to-Peer electronic Cash Network“. Damit realisierte Satoshi Nakamoto einen Traum, den die Cypherpunks bereit seit frühen Tagen gehegt hatten: ein elektronisches, von Staaten unabhängiges Zahlungsmittel für die digitale Welt.

Auswirkungen der Cypherpunks

Die Existenz der Cypherpunks, der kleinen Bewegung aus San Fransisco, hat sich bemerkbar gemacht. Weltweit ist das Gedankengut propagiert worden und hat Anhänger gefunden. Koordiniert über die Mailing-Liste und mit starker Kryptographie im Arsenal haben die Cypherpunks es geschafft, nicht nur relevant zu bleiben, sondern weitere Schritte zu gehen. Mit der Erfindung Bitcoins ist ein weiterer Meilenstein gelegt, der auch in der etablierten Welt für Aufsehen sorgt.

Es ist anzunehmen, dass die Cypherpunks auch weiterhin aktiv ihren Traum von einer privaten Welt verfolgen und neue technische Innovationen dafür bereitstellen. Abschließend lässt sich feststellen, dass es sich nicht um eine boshafte oder gar terroristische Organisation handelt. Der Wunsch nach Privatsphäre ist kein Verbrechen. Schließlich zeigt ein Blick in die deutsche Vergangenheit der DDR, dass Überwachung meist für politische Zwecke missbraucht wird.

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