Interview InvestDiva: „Bitcoin korreliert mit dem Aktienmarkt, weil die Corona-Krise zu gravierend ist“

Dana Hajek

von Dana Hajek

Am · Lesezeit: 9 Minuten

Dana Hajek

Dana absolviert ihr Masterstudium in Journalismus, Medien und Globalisierung an der City University in London. Sie ist überzeugt, dass Blockchains ein gewaltiges Nutzungs- und Transformationspotenzial aufweisen und in nur wenigen Jahren die Welt auf den Kopf stellen werden.

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Bild mit Schriftzug im interview und invest diva mit abbildung von Kiana Danial, die im Interview selbst Tipps zum Bitcoin Investment gibt
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Auch wenn es momentan so aussieht, als würde sich die Lage etwas bessern, sind deutliche Bremsspuren, insbesondere in den durcheinander gewirbelten Finanzmärkten zu erkennen. Investor*innen und Anleger*innen bleiben verunsichert. Kiana Danial ist Finanzexpertin und CEO von InvestDiva, einer Investment-Beratung, die speziell Frauen dabei hilft, in Assets, darunter Kryptowährungen, zu investieren. Also, wohin mit dem Geld in Zeiten von der Corona-Pandemie?

Ist genau jetzt der passende Zeitpunkt, um bei Bitcoin & Co. einzusteigen? Im Interview gibt Danial wichtige Tipps, wie man jetzt am sinnvollsten anlegt.

Weltweit befinden sich die Aktienmärkte im Ausnahmezustand. Was sind, deiner Meinung nach, die wichtigsten Kurstreiber in Zeiten von COVID-19?

Kiana Danial: Es gibt Mehrere. Am Aktienmarkt ist einer der wesentlichen Kurstreiber die Spekulation darüber, was als Nächstes passiert. Die Märkte hinken deswegen etwas hinterher. Und die Marktpreise bewegen sich schließlich mehrheitlich, weil Menschen spekulieren, dass etwas zukünftig passieren wird. Börsenkurse spiegeln immer die Vorstellungen der Menschen wider. 

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Kannst du die Spekulation an einem konkreten Beispiel festmachen?

Kiana Danial: Als die Coronavirus-Pandemie zu Beginn zu einem „Big Thing” wurde, erfolgte ein massiver Marktrückgang. Warum? Weil die Menschen mit rasantem Arbeitsplatzverlust rechneten. Daher fielen die Märkte schon, bevor sich die Krise tatsächlich auf den Arbeitsplatzmarkt auswirkte. In den letzten Wochen haben sich, allein in den USA, fast 22 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, aber der Aktienmarkt ging nach oben. Denn die Tatsache, dass die USA von der Arbeitslosigkeit betroffen wird, war bereits in den Markt eingepreist.

Nun wird mittlerweile auf das baldige Ende der Krise spekuliert, was meiner Meinung nach nicht der richtige Weg ist. Zwar erholen sich die Märkte etwas und an der Börse geht es aufwärts, allerdings hängt das alles mit Spekulationen rund um das Virus zusammen. Es stellen sich Fragen wie: Wann gibt es einen Impfstoff? Was wird die nächste Reaktion der Menschen? Ich denke, dass wir ein weiteres bearishes Momentum und in diesem Zuge Bewegungen an den Märkten erleben werden.

„Menschen haben eine unterschiedliche Risikotoleranz“

Und welche Investitionsmöglichkeiten haben wir während des Ausbruchs? Was ist derzeit die beste Anlagestrategie?

Kiana Danial: Menschen haben eine unterschiedliche Risikotoleranz, nicht jede Strategie ist für jeden geeignet. Ich habe mich im Wesentlichen mit zweien auseinandergesetzt.

Zu Beginn der Pandemie habe ich Leuten mit hoher Risikotoleranz geraten, Aktien zu kaufen, die tatsächlich von COVID-19 profitieren. Das waren dann Unternehmen wie Zoom oder Microsoft beziehungsweise Skype, Netflix, Youtube oder Hersteller von Desinfektionsmitteln. Aber der Schlüssel zum Geld ist, dass man etwas früher verkaufen muss. Es ist keine langfristige Investition, denn sobald COVID-19 verschwindet, ist es wahrscheinlich, dass diese Aktien fallen und mit höherem Risiko verkauft werden.

Die zweite Strategie ist die Suche nach dem Tiefpunkt. Es ist sehr schwierig, den Markt perfekt zu timen und genau zu wissen, wann er den Tiefpunkt erreichen wird. Aus diesem Grund habe ich auf der Grundlage technischer Analyse, also ausschließlich auf Kursentwicklungen und den Chart des betreffenden Marktes basierend, einige Levels festgelegt, die sich in der Vergangenheit als starke Support Level erwiesen haben. Für meine Aktien-Favoriten, die einen Schlag erlitten, habe ich Kauf-Limit-Orders festgelegt, also festgelegte Preispunkte, die das Wertpapier zu einem besseren Preis kaufen oder verkaufen. Auf lange Sicht werden sie sich natürlich nach COVID-19 wieder erholen. Somit ist die zweite Strategie langfristig und besteht darin, Aktien oder jeden anderen Vermögenswert, zu einem Ausverkaufspreis zu kaufen.

Könntest du noch einmal erklären, weswegen es schwierig ist, Märkte richtig zu timen und was stattdessen sinnvoller wäre?

Kiana Danial: Ich würde auf die Preispunkte schauen. Den Markt zu timen ist ziemlich komplex, während Preispunkte auf menschlicher Psychologie basieren und deutlich einfacher vorherzusagen sind. Man kann einen Preispunkt festsetzen, allerdings ist es schwierig zu sagen WANN dieser Preispunkt genau erreicht wird. Zum Beispiel habe ich am 3. März den Leuten gesagt, sie sollen für 112 US-Dollar in Zoom investieren und bei 160 Dollar wieder verkaufen. Der Preispunkt wurde bereits innerhalb von zwei Wochen erreicht. Von dieser Strategie haben wir also bereits profitiert und unseren Gewinn erreicht.

Und wie hat sich dein Anlagen-Portfolio nach dem jüngsten Marktcrash verändert?

Kiana Danial: Insbesondere infolge der ersten starken Kursverluste haben meine langfristigen Anlagen offensichtlich einen Schlag erlitten. Verkauft habe ich trotzdem nicht. Stattdessen habe ich meine Kauf-Limit-Orders so festgelegt, mehr zu kaufen, sobald der Markt wieder fällt. Und kurzfristige Investment-Strategien wie Zoom und Tesla nutzte ich auch. Bisher habe ich während COVID-19 mit kurzfristigen Investitionen Gewinn gemacht, langfristige müssen noch umgesetzt werden. In dem Sinne ist das Ganze schon ganz gut gelaufen! Hier muss man auch sagen, dass die Aktienmärkte grundsätzlich auch schon einen Crash erwartet haben, vielleicht nicht direkt COVID-19, aber sie waren auf eine Rezession gefasst.

„Jedes Mal, wenn der Markt anstieg, ging Bitcoin zurück“

Lass uns über Kryptowährungen sprechen. Verrätst du uns deine bisherigen Bitcoin-Prognosen für die Zeit Post-COVID-19?

Kiana Danial: Darin hatte ich mich geirrt. Bis COVID-19 zu unserer Realität wurde, hatten Kryptowährungen, insbesondere Bitcoin, ein inverses Verhältnis zum U.S.-Aktienmarkt. Das heißt jedes Mal, wenn der Markt anstieg, ging Bitcoin zurück – und umgekehrt. Deswegen erwartete ich, dass Bitcoin unter einer eintretenden Rezession stärker wird. Das war nicht der Fall: Im März sahen wir einen massiven Rückgang von Bitcoin. Es gab dabei zwar auch Gerüchte, dass ein Bitcoin-Schneeballsystem aus Südkorea, das ca. 24 Millionen US-Dollar anhäufte, einen Einfluss auf den Rückgang hatte, am Ende weiß man bei solchen Informationen natürlich nie, ob sie vertrauenswürdig sind. 

„Es wäre idiotisch, jetzt zu spekulieren“

Wenn Bitcoin nun mit dem Aktienmarkt korreliert? Lohnt es sich jetzt überhaupt, Bitcoins zu kaufen?

Kiana Danial: Normalerweise, das finde ich persönlich interessant, wird Bitcoin anhand der Fundamentalanalyse bewertet. Dabei wird versucht, den realistischen oder „inneren” Wert eines Finanzinstruments innerhalb eines Marktes zu bestimmen und Kursbewegungen zu antizipieren, anstatt ausschließlich die Preisentwicklung zu beobachten. Diesmal bewegt er sich aber alleine anhand technischer Analyse der Marktstimmung, also wird dabei ausschließlich auf Kursentwicklungen, also Diagramme und Trends, geschaut. Deshalb würde ich Bitcoin kaufen, sobald er fällt und ihn halten. Und das ohne die täglichen Bewegungen anzuschauen, denn die fundamentalen Kennzahlen haben sich geändert. Es wäre idiotisch, jetzt zu spekulieren.

Was sind die Gründe für Bitcoins Korrelation mit dem Aktienmarkt? Und denkst du, die inverse Beziehung birgt irgendeinen Nachteil?

Kiana Danial: Wenn wir uns die Charts anschauen, sehen wir, dass es bei Gold zu Beginn der Krise ähnlich war. Es hat auch am Anfang einen Schlag bekommen, dabei wird auch Gold normalerweise als Absicherung betrachtet. Fällt der Aktienmarkt, steigt der Wert von Gold an. Woran liegt die Korrelation von Bitcoin also? Es liegt daran, dass die Krise zu gravierend ist. Menschen haben Panik und wollen Liquidität. Sie wollen Cash. Wahrscheinlich haben die meisten ihre Vermögenswerte verkauft, sei es Gold oder Bitcoin, um an Bargeld zu kommen. Daher war der US-Dollar der einzige, der Anfang März gestärkt wurde. 

„Bitcoin ist wie Gold ein Wertaufbewahrungsmittel“

Wie siehst du im Rahmen der Krise die Situation dabei für andere Altcoins wie Bitcoin Cash zum Beispiel? Brauchen wir sie in unserem Portfolio?

Kiana Danial: Bei Kryptos empfehle ich definitiv ein diversifiziertes Portfolio und jede Kategorie mit einem Spitzenreiter zu „besetzen”. Wie ich in meinem Buch “Cryptocurrency Investing for Dummies” schon erwähnte, betrachte ich Kryptowährungen in Kategorien, so wie ich Aktien in Kategorien betrachte. Dort haben wir Technologieaktien, Wachstumaktien, Blue Chip usw. Für mich sind sie, gleichwohl wie Aktien, für unterschiedliche Sachen optimiert. Bitcoin ist wie Gold ein Wertaufbewahrungsmittel, und nicht die beste Währung. Eigentlich ist er Gold 2.0, weil Angebot und Nachfrage langfristig eine bessere Überlebenschance haben, denn wir wissen genau wie viele Bitcoins es gibt und die Nachfrage wird somit nur steigen.

Dann haben wir Bitcoin Cash oder Dash, die für Zahlungen optimiert sind. Sie stehen vielmehr in einem Konkurrenzverhältnis zueinander als zu Bitcoin. Der Vergleich mit Bitcoin wäre etwas traurig. Dann gibt es Monero, der für die Privatsphäre, und Ethereum und Cardano, die als Plattform optimiert wurden. Meine Herangehensweise an Kryptowährungen ist, wohl gemerkt, langfristig mit mittlerem bis geringem Risiko, ich bin kein Day Trader.

Das nächste Bitcoin Halving steht vor der Tür, in anderen Worten, der Angebotsnachschub von Bitcoin wird um die Hälfte verknappt. Einige Experten, darunter Anthony Pompliano, behaupten, das Argument, das Halving sei bereits eingepreist, wäre dumm. Stimmst du dem zu? 

Kiana Danial: Ja. Mit der Börse ist es dasselbe. Das, was spekuliert wird, ist bereits eingepreist. Ich habe das Gefühl, als wäre Bitcoin schon vor etwa sechs Monaten eingepreist worden. Werden wir somit wieder Volatilität beim Halving sehen? Nein. Seit dem 11. März, nach dem Crash, versucht der Markt wieder in den Aufwärtstrend zu steigen, bewegt sich aber nicht besonders viel. Es ist nicht so, als hätten wir überhaupt nicht gewusst, was uns erwarten wird. Deshalb denke ich, dass jede weitere Bewegung, die wir in Bitcoin sehen werden, nur auf der Zukunft von Angebot und Nachfrage, und auf Analysen von dem beruht, was in der Welt passieren wird.

Um mit aller Macht gegen eine wirtschaftliche Rezession zu kämpfen, stellte die US-Notenbank erneut ein massives Corona-Krisenpaket auf. Der Dow-Jones-Index befindet sich trotzdem im Minus. Denkst du das Rettungsexperiment der Fed war nun endgültig das Ende des Fiat-Experiments?

Kiana Danial: Dass die FED einfach Geld drucken kann, ist entsetzlich. Und das werden die Leute sehen. Natürlich gib es einige Analysten, die vertreten, dass dies das Ende des Fiat-Experiments sei, weil Notenbanken Geld drucken als gäbe es kein Morgen, was wiederum den US-Dollar abwerten wird. Ich glaube nicht, dass es das Ende von Fiat sein wird, aber ich glaube, es wird sich eine Unterhaltung in größerem Maßstab über Kryptowährungen entwickeln. Wenn COVID-19 vorbei ist, werden wir verstehen, wie wichtig es ist, ein dezentralisiertes System zu haben, in dem es eine endliche Menge an Vermögenswerten gibt, wie Bitcoin.

Mit welchen drei Worten würdest du 2020 beschreiben?

Kiana Danial: Verwirrung. Möglichkeiten. Politischer Horror.

Zur Homepage von InvestDiva geht es hier.

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