Identität 3.0: Mr. Robot, Digitale Identität und Blockchain

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Identität 3.0: Mr. Robot, Digitale Identität und Blockchain

Wir begeben uns auf die Reise zur Persönlichkeit: Was bedeutet Identität? Wie kommt man von der analogen zur digitalen Identität? Nachdem wir nun wissen, dass unsere digitale Identität aus einem großen Berg an Daten besteht, der einige Satoshis wert ist, stellt sich die Frage: Was machen wir jetzt damit? Heute: Identität 3.0. Digitale Identität und Blockchain.

Hier geht es zu Teil 1 und zu Teil 2.

Die zentrale Verwaltung von Geld ist ein Faktor, der in den Lagern der Krypto-Community immer wieder kritisiert wird. Banken haben ebenso wie Regierungen Vormachtstellungen – sie bestimmen (zum großen Teil), wie viel und welches Geld im Umlauf ist. Mit seinem Vorschlag, ein digitales dezentrales Peer-to-Peer-Geldsystem zu schaffen, kreierte der sagenumwobene Satoshi Nakamoto eine Alternative: Bitcoin.

Die Blockchain-Technologie, die hinter dieser revolutionären Währung liegt, birgt noch mehr disruptives Potential als die Währung selbst. Neben typischen Feldern wie dem Finanz- oder Wahlsystem rückt hier vor allem ein Aspekt immer weiter in die Mitte der Betrachtung: die digitale Identität. Vor allem in Gebieten, die oft als „soziale Brennpunkte“ bezeichnet werden, kann die Blockchain helfen. Im Folgenden also eine Auswahl an Projekten, die die Frage beantworten, wie die digitale Identität auf die Blockchain kommt.

SecureKey: Identitätsnachweis per App

Die kanadische Sicherheitsfirma SecureKey arbeitet gemeinsam mit IBM an einer Software-Lösung, um Identitätsdaten auf der Blockchain zu speichern. Ob Führerschein, ID-Card oder Bankinformationen: Alles wird per Smartphone-App abrufbar und einsatzbereit. Der Zugang und die Verfügung über diese Daten bleiben bei den Nutzern. Hier geht es vorrangig um den Nachweis der Kreditwürdigkeit. Die Bestätigung läuft automatisiert ab, ohne Fragen des Datenschutzes zu berühren. Denn: Die Blockchain ist sowohl dezentral als auch transparent.

Moldawien: Blockchain gegen Menschenhandel

Einen humanitären Ansatz verfolgt die Republik Moldau. Das Land, besser bekannt unter dem Namen Moldawien, hat nicht nur mit einer großen Armut zu kämpfen. Auch gegen den Menschenhandel muss das Land vorgehen. Eine hohe Korruption gepaart mit Geldmangel verführt einige dazu, gegen eine Handvoll Euro Menschenleben zu kaufen. Der Schmuggel über die Grenze fällt dann vergleichsweise leicht. Falls jemand nach der Identität der geschmuggelten Personen fragen sollte, wird mit Bestechung geantwortet.

Um dem entgegenzutreten, arbeitet die Regierung an einer Blockchain-Lösung. Durch die fälschungssichere und dezentrale Verwaltung von Identitätsdaten soll der Menschenhandel unterbunden werden. Außerdem denkt man darüber nach, Identitätsdaten wie den Fingerabdruck oder einen Scan der Iris zu sammeln, um sie bei Kontrollen abrufen zu können.

Jordanien: Identitätsnachweis für Geflüchtete

Das Flüchtlingscamp „Azraq“ bietet etwa 35.000 Flüchtlingen in Jordanien eine Unterkunft. Die interne Verwaltung arbeitet auch hier mit Identitätsdaten. An der Kasse im Supermarkt steht etwa ein Iris-Scanner, der die Identitätsdaten mit denen auf der Blockchain abgleicht. Somit können die Menschen im Prinzip mit einem Scan ihrer Augen bezahlen – die Technologie erledigt dann den Rest. Alle Flüchtlinge im Camp haben ein Konto auf der Blockchain – nach dem Scan wird das Konto überprüft und die Zahlung im besten Fall genehmigt. Ohne Bank und ohne Regierung.

Mr. Robot und die Frage nach der digitalen Identität

Wer Mr. Robot gesehen hat, behält ein mulmiges Gefühl zurück. Schnell will man seine Laptop-Kamera abkleben, das Mikrofon zukleistern und den Computer am besten gleich aus dem Fenster werfen – denn nichts ist sicher. Der Protagonist der Serie, Elliot Alderson, sagt an einer Stelle:

Menschen stellen immer die besten Sicherheitslücken dar. Ich hab es nie besonders schwer gefunden, die meisten Menschen zu hacken.

Im Kampf gegen das multinationale Konglomerat Evil Corp. hackt sich der paranoide Schizophreniker Elliot Alderson nahezu mühelos in das Leben seiner Mitmenschen – und irgendwie auch in ihre Köpfe. Beim Zusehen zeichnet sich ein düsteres Bild, das ebenso von Paranoia geprägt ist wie der Protagonist der Serie. Beinahe alle von uns tragen die Empfänger, die solche Hacks möglich machen, in der Hosentasche. Unsere Smartphones beinhalten letztlich nahezu alles, was uns ausmacht: das Bankkonto, die Schuhgröße, sexuelle Vorlieben und den Musikgeschmack. Das alles schwebt irgendwo in diesem schwer greifbaren Raum des Digitalen.

Spätestens nachdem man Elliot Alderson beim mühelosen Hacken von Identitätsdaten beobachtet hat, sollte einen die Frage nach der Sicherheit seiner Daten beschäftigen. Anschließend kann man sich die Frage stellen: Wem gehören diese Daten überhaupt? Die Antwort auf beide Fragen liegt auf zentralen Servern. Sei es die Sicherheit und der damit einhergehende Schutz der Daten oder die Verfügungsmacht darüber – beides liegt in den meisten Fällen bei einzelnen „Evil Corps“ und selten bei den Individuen.

Wie bekommen wir die Macht über unsere Daten wieder?

Ein Grund mehr, sich zu überlegen, wie man die Macht über seine Daten zurückerlangt. Ansätze gibt es bereits, doch bisher scheint die Dringlichkeit, diese auch zu verwenden, noch nicht zu existieren. Sei es Bequemlichkeit oder einfach Ignoranz: Vielen Menschen scheint es nach wie vor egal zu sein, was mit ihren Daten passiert. Sollte man sich dennoch nach Alternativen umsehen wollen, haben wir einige Vorschläge, mit denen man die Macht über seine Daten zurückerlangen kann. Außerdem bekommt man noch Geld dafür.

Steemit – Fürs Bloggen bezahlt werden

Steemit ähnelt bei den bekannten sozialen Netzwerken wohl am ehesten Reddit. Der Hauptunterschied: Alle Blogeinträge sind auf der Blockchain gespeichert. Diese Blogeinträge kann man von Accounts aus posten. Erstellt man entsprechend besonders lesens-, hörens- oder sehenswerte Einträge, haben andere Nutzer die Möglichkeit, diese mit Steem-Power oder Steem-Dollar zu bewerten. Ferner gibt es ein internes Reputationssystem. Das dezentrale Netzwerk bietet durch die interne Kryptowährung und das Wallet-System einen ersten Ansatz, um den Datenkraken zu entkommen.

Jolocom – Souveräne digitale Identitäten

Das Projekt Jolocom verfolgt das Ziel, seinen Nutzern eine „self-sovereign Identity“ zu bieten. Eine Option also, seine Identitätsdaten in souveräner Weise über eine App zu verwalten. In Verbindung mit einer Wallet und der Möglichkeit, sich per Fingerabdruck zu identifizieren, sollen Nutzer zudem darüber entscheiden dürfen, wem sie wie und wann ihre Daten geben – vor allem, was sie dafür bekommen.

Minds – Wie Facebook, nur besser

Minds ist ein Projekt, das den Gewohnheiten der Nutzer wohl noch am ehesten entgegenkommt. Dabei vereint es Eigenschaften von Twitter, YouTube und Facebook in sich – die Nutzer müssen sich hier bei einem Wechsel wohl am wenigsten umgewöhnen. Der hinter der Plattform liegende Code gehört dabei der Community – alle haben Zugriff und können ihn ändern. Indem das Netzwerk keine Zensur walten lässt, unterstützt es Meinungsfreiheit. Es gibt aber damit ebenso Nutzern eine Plattform, deren Meinung man nicht unbedingt hören möchte. Doch man kann seinen Newsfeed manuell filtern, um dies zu umgehen.

Auch hier können die Nutzer Geld verdienen, und zwar mit ihren Daten. Mit einem Peer-to-Peer-Werbungssystem können sich Nutzer bewerben lassen und dafür Geld bekommen. Dabei kann man sich in Bitcoin oder per Kreditkarte bezahlen lassen.

Berühmte letzte Worte

Zugegeben, die vorgestellte Auswahl ist denkbar klein. In der Welt von Blockchain und Dezentralität tummeln sich zahlreiche Ansätze, um der zentralisierten Verwaltung von Facebook und Google zu entkommen. Doch bis das geschieht, muss zunächst ein Umdenken stattfinden. Letztlich gibt Mr. Robot einen Denkanstoss, nach dem man die Zentralisierung von Macht (durch Daten) nicht zwingend akzeptieren muss.

Die Option, sein Profil zu löschen und die Macht über seine Daten zurückzuerlangen, liegt letztlich bei jedem selbst. Um es mit Elliot Alderson zu sagen:

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Löschen. Wenn du diese Entscheidung triffst, gibt es immer den Moment des Zögerns. Diese nervige ‚Bist du dir sicher?‘-Dialogbox. Dann triffst du deine Entscheidung. Ja oder Nein.

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