Identität 1.0: Geschichte & Dezentralisierung der Identität

Phillip Horch

von Phillip Horch

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Phillip Horch

Phillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er ist Diplom-Journalist und hat einen Master-Abschluss in Literatur-Kunst-Medien.

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Wir begeben uns auf die Reise zur Persönlichkeit: Wer sind wir? Wer waren wir? Auf dem Weg dorthin werden wir historische Konzepte von Identität durchleuchten, bis wir beim Thema Digitale Identität und Blockchain ankommen – und uns fragen können: Wer und wie werden wir sein? Heute: Identität 1.0. Geschichte & Dezentralisierung der Identität.

Wer bin ich? Wer will ich sein? Und warum? Diese Fragen treibt Menschen nicht erst seit dem Zeitalter der Prokrastination, Digitalisierung und dem World Wide Web umher. Ob Sokrates in der Antike, Sigmund Freud im Wien des 20. Jahrhunderts, Friedrich Nietzsche gleich nebenan oder Judith Butler in der Gegenwart – Denkende aller Zeiten beschäftigten sich auf die eine oder andere Weise mit der Frage nach des Pudels Kern. Um diesen auch im Digitalen und später auf der Blockchain finden zu können (oder zumindest den Versuch zu wagen), muss man verstehen: Woher kommt Identität?

Die Geburt der Identität

Bei Fragen nach dem Ursprung, ist es immer nützlich, auf Spurensuche zu gehen: Woher kommt der Begriff Identität? Aus dem Lateinischen: Identidem steht für „immer wieder, zu wiederholten Malen, wiederholt“, identitas für ebendasselbe, Gleichheit, völlige Übereinstimmung. Hier kann man zwei wichtige Bestandteile von Identität erkennen: die Zeit und der Kern. Die Vorstellung also, dass es eine Einheit gibt, die sich immer wieder wiederholt. Doch wer oder was besitzt diesen Kern, der immer wiederholt wird? Das Individuum.

Das Individuum – Unteilbar und doch zersprengt

Auch beim Wort Individuum hilft der Blick auf den Wortstamm. Das lateinische Wort individuum steht für das „Unteilbare“ (in-dividuum). Man spricht hier von einem einzelnen Ding, einer Entität oder auch einem Seienden – etwas also, das existiert. Um es jedoch von Dingen abzugrenzen, wird ihm etwas Menschliches zugeschrieben – die Identität.


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Zerbrach sich auch über Identität den Kopf: Immanuel Kant

Wie kommen diese beiden Kategorien nun also zusammen? Einem Individuum wird eine Identität zugeschrieben. Wenn man so will, wird es damit zum Mensch. Etwas Unteilbares also, das etwas immer Gleiches, sich Wiederholendes besitzt: eine feststehende Identität.

Das Subjekt der Aufklärung

Man spricht hier auch vom „Subjekt der Aufklärung“. Zur Zeit der Aufklärung ging man also davon aus, dass der Mensch ein Wesen ist, das einen festsitzenden Kern hat – eine Identität. Mit dieser Identität, angefüllt mit Eigenschaften, die die Person näher definieren, war es nach Immanuel Kant dem kategorischen Imperativ unterworfen und zu diesem auch fähig:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Hat Identität einen Kern?

Das Zentrum dieser Menschen also, so die damals gängige Vorstellung, ist ein fester, unveränderbarer Kern – die Identität.

John Locke, der als Vordenker dieser Epoche gilt, erkannte eine Verbindung zwischen Bewusstsein und Denken und bezeichnete die Identität als eine „Selbigkeit“:

Weil das Bewusstsein das Denken immer begleitet und jeden zu dem macht, was er sein Selbst nennt und wodurch er sich von allen anderen denkenden Wesen unterscheidet, so besteht hierin allein die persönliche Identität, d. h. die Selbigkeit des vernünftigen Wesens.

Nicht ganz so differenziert wie Locke oder Kant: Mark Zuckerberg

Ganz ähnliche Vorstellungen vom Konzept Identität hat übrigens Mark Zuckerberg, auch wenn er aus einer anderen Denkrichtung kommt:

„Zwei Identitäten zu haben, ist ein Mangel an Integrität.“

Fassen wir also zusammen: Zur Zeit der Aufklärung ging man davon aus, dass der Mensch einen unveränderlichen Kern, eine Identität hat und damit zum unverwechselbaren, unteilbaren Individuum wird. Doch die Wahrnehmung dieser zentralen Instanz sollte sich bald ändern. Denn noch lange bevor die Worte Internet, Dezentralität oder auch Blockchain aufkommen sollten, wurde klar, dass Identität keinen festen Kern hat – sie ist dezentral.

 

Identität wird dezentral

Zunächst gab es in diesem Zusammenhang eine Trennung von einem Innen und einem Außen von Identität. Gerade im soziologischen (G. H. Mead, C. H. Gooley), aber auch im psychologischen (Sigmund Freud, Jacques Lacan) Kontext setzte sich im 19. und 20. Jahrhundert die Meinung durch, dass es grundsätzlich zwei verschiedene Arten gibt, wie Menschen ihre Identität „erhalten“. So gibt es, je nach Denkrichtung – eine „innere“ und eine „äußere“ Identität.

Die äußere Identität wird im soziologischen Kontext in der Beziehung zur Umwelt geformt. Durch den Kontakt zu Familie, Lehrern und kulturellen Institutionen erlernen wir Werte, Normen und Konventionen, die unsere (äußere) Identität formen. Diese „äußere“ Identität steht hier also nicht mehr als unveränderbarer Kern, sondern wird im Zusammenspiel von Mensch und Umwelt geformt. Diese Formungen haben auch Einfluss auf die innere Identität, den Charakter, die Denkweisen und verinnerlichten Verhaltensmuster.

Die Geschichten, die wir erzählen

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde dann der Begriff des Narrativs wichtig – die Geschichte(n), die wir (uns) über uns erzählen. Stuart Hall etwa, einer der führenden Kulturtheoretiker Großbritanniens, ging davon aus, dass wir keinen festen Kern als Identität haben, sondern dass die Identität von den Kontexten abhängig ist, in denen wir uns befinden und in die wir uns begeben.

Wir spielen alle Theater

Nicht nur Shakespeare machte Theater. Eigentlich spielen wir alle Theater – jeden Tag.

In diesem Zusammenhang verwendete Erving Goffmann in Anlehnung an Theorien aus der Theatertheorie den Begriff der sozialen Rollen. Er ging davon aus, dass man in verschiedenen sozialen Situationen und Kontexten verschiedene Rollen einnimmt. Je nachdem, wie man wirken möchte und welchen Eindruck man bei Menschen in seinem Umfeld wecken will, verhält man sich unterschiedlich. So gibt man sich auf der Arbeit sicher anders als im vertrauten Kreis der Familie, während man mit Freunden wahrscheinlich andere Gespräche führt als mit der Großmutter. Ob das bewusst oder unbewusst geschieht, spielt bei dieser Betrachtung keine Rolle – man wirkt, lebt und spricht unterschiedlich –  je nach Kontext.

Man kann in diesem Zusammenhang also Identität nicht als etwas Feststehendes, Unveränderbares, gar als einen Kern betrachten. Vielmehr ist es ein im Wechsel begriffenes Spiel von Innen und Außen, von Selbst- und Fremdwahrnehmung, das sich aus vielen verschiedenen Augenblicken zusammensetzt.

Man erinnere sich hier auch nochmals an das Zitat Mark Zuckerbergs. Seine Äußerung über den Mangel von Integrität bei mehreren Identitäten kann hiermit als äußerst zweifelhaft gelten. Doch wie man in den nächsten Teilen erfahren wird, liegt dahinter die Idee der Zentralisierung von Daten.

Hier geht es zu Teil 2 und Teil 3.

Disclaimer: Identität ist ein hochkomplexes Thema, das seit Jahrhunderten Thema der Forschung ist. Der Autor versucht dieses bestmöglich und verdaulich zu präsentieren, weswegen er um gewisse Verknappungen nicht umhinkommt. Der eingenommene Blickwinkel ist geprägt vom Studium der Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften, angereichert mit philosophischen, soziologischen und psychologischen Wissensausschnitten. Dennoch kann weder Vollständigkeit garantiert noch absolute Wahrheit reklamiert werden. Daher soll die vorliegende Artikelreihe als das begriffen werden, was sie ist: eine Möglichkeit, den Horizont zu erweitern. Und darüber hinaus: viel Spaß beim Lesen bereiten.

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