Insiderhandel: Warum Regulierung zwischen lebenslänglich und Kavaliersdelikt entscheiden kann

Insiderhandel: Warum Regulierung zwischen lebenslänglich und Kavaliersdelikt entscheiden kann

Ein zusammenkopiertes White Paper, ein mittelmäßig durchdachter Use-Case, dazu ein bisschen Marketing – fertig ist die Geldmaschine. So sind die Gedanken hinter vielen ICOs, die den Markt bislang überschwemmt haben. 50 % scheitern in den ersten Monaten. Das Hauptproblem ist hier fehlende Regulierung. Von Pump and Dumps, Insiderhandel und dem Wolf of Wallstreet.

Eine Kolumne von Christian von Fellenberg

Causa Insiderhandel

Schaut man zur Wallstreet, kann man erkennen, warum eine Regulierung von ICOs Sinn macht. Allein der Handel mit Insider-Informationen sollte Verfechtern eines völlig unregulierten Krypto-Ökosystems zu denken geben. Man stelle sich vor, dass ein Mitarbeiter einer Investmentbank, der mit einem IPO eines Unternehmens beauftragt wird, sich im Vorfeld Aktien dieser Firma sichert. Das Ausnutzen solcher exklusiven Informationen nennt man Insiderhandel, der mit beträchtlich hohen (Gefängnis-) Strafen einhergeht. Dieser Handel mit privilegierten Informationen brachte z. B. den als „Wolf of Wallstreet“ bekannten Jordan Belfort hinter Gittern.

Sein Unternehmen Stratton Oakmont war damals mit den IPO-Launch des Schuhherstellers „Steve Madden“ beauftragt worden und sollte den Börsengang lancieren. Jordan Belfort verfügte über exklusive Informationen, die ihm einen unfairen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Investoren verschafften. Der momentane ICO-Markt wäre der Traum von Jordan Belfort gewesen – Insiderhandel ist hier momentan kein Problem und mit einer Verurteilung praktisch nicht zu rechnen.

Pump-and-Dump-System

Ein weiteres System, das Belfort nutzte, war Pump and Dump. Einfach erklärt bezeichnet Pump and Dump das „Pushen“ einer oftmals wertlosen Aktie durch diverse Kanäle, um sie dadurch wertvoll erscheinen zu lassen. Dies wird in der ICO-Landschaft vor allem gewissen Influencern vorgeworfen. Bevor die Aktie einstürzt, verkauft man („Dump“) und streicht den durch den „Pump“ genierten Gewinn ein. Die Verlierer sind alle anderen Anleger, die auf die positive Berichtserstattung und Investitionsempfehlungen vertraut hatten.

Die momentane Situation bei ICOs

Sowohl Pump and Dump als auch Insiderhandel sind bei ICOs Alltag. Gerade nach dem Token Sale ist das häufig der Fall. Mitarbeiter von ICOs können in ihre eigenen Projekte investieren beziehungsweise besitzen einen hohen Anteil der Token. Dies ist nicht nur ethisch fragwürdig, sondern schadet auch dem Krypto-Markt und seiner Etablierung. Im Krypto-Ökosystem wäre Belfort einer von vielen und hätte mit seinen Geschäftspraktiken höchstwahrscheinlich nicht im Gefängnis gesessen. Die ICO-Welt ist ein unregulierter Markt, in dem die Wölfe ungehindert Schafe fressen.

Lösung des Problems

Dieser Zustand erinnert an den Finanzmarkt der 70er- und 80er-Jahre, als die Blütezeit des Investmentbankings in den USA begann. Damals war der Handel mit Insider-Informationen eine gängige Praxis. Erst mit den Regulierungen konnte man den Markt bändigen. Die Einführung von Gefängnisstrafen für Insiderhandel hat den Markt gestärkt und vor allem dem Ruf der Finanzindustrie geholfen. Eine ähnliche Regulierung für ICOs kann hier durchaus sinnvoll sein. Eine Regulierung kann Anleger schützen und Interessenskonflikte verhindern. Die Kunst ist es dabei, den schmalen Grat zwischen zu viel und zu wenig Regulierung zu finden.

Das Thema„Sinn und Unsinn von Regulierung“ wird auf BTC-ECHO in Zukunft noch genauer beleuchtet.

BTC-ECHO

Über Christian von Fellenberg

Christian von FellenbergChristian von Fellenberg y Palma studiert an der EBS in Oestrich Winkel General Management. Da Christian unter anderem in Chile aufgewachsen ist, konnte er bereits Studien- und Arbeitserfahrung in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern sammeln. Zuletzt hat Christian bei einer der größten Investmentbanken Lateinamerikas, Banco BCI, in den Bereichen Asset Management, M&A, Market Making und Brokerage gearbeitet. Darüber hinaus verfügt er über Arbeitserfahrung in der privaten Vermögensverwaltung bei Family Offices. Anfang 2017 gründete er zusammen mit zwei anderen Kommilitonen die studentische Unternehmensberatung Virtatis. Christian ist überzeugt, dass sich Kryptowährungen als eine feste Anlageklasse etablieren werden. Diesem Bedeutungsgewinn möchte er zuvorkommen und sein Wissen aus dem traditionellen Finanzsektor auf den neuen Markt der Kryptowährungen anwenden.

Bildquellen

Ähnliche Artikel

Bitcoin, Ethereum und Ripple – Kursanalyse KW38 – Endlich Kursanstiege bei XRP und Ethereum

Während sich erneut die vorgestellte bullishe Variante beim Ethereum-Kurs und Ripple-Kurs durchgesetzt hat, stagniert der Bitcoin-Kurs nach wie vor.  Bitcoin (BTC/USD) Der Bitcoin-Kurs hat in der vergangenen Woche den kleinen Abverkauf, Startschuss 5. September 2018, verdaut. Die 6.000-US-Dollar-Marke hält derzeit noch. Der Anstieg auf die 6.600 US-Dollar war nur ein Rücklauf in dem kurzfristigen Abverkauf. […]

Steigt der Bitcoin-Kurs jetzt aus dem Bärenmarkt? Die NVT-Ratio rät zum Abwarten

Gemäß Michael Novogratz und anderen sei der Boden des Bärenmarkts erreicht und die Zeit reif für einen Bullenmarkt. Doch gibt das der Bitcoin-Kurs aktuell her? Die NVT-Ratio kann helfen, das Ende eines Bärenmarktes abzuschätzen.  Die Stimmen zum Bitcoin-Kurs schwenken mal wieder um: Angeheizt von den Sorgen um eine neue Wirtschaftskrise haben sich einige für Bitcoin ausgesprochen, […]

Erster DLT- und Blockchain-Professor an der Uni Basel

Distributed-Ledger-Technologie mit dezentralen Transaktionssystemen kann die Finanzwelt grundlegend verändern. Um die Forschung auf diesem Gebiet entsprechend zu verstärken, hat das Rektorat der Universität Basel den Ökonomen Fabian Schär zum Assistenzprofessor ernannt. Dabei wird diese Stiftungsprofessur von der Credit Suisse Asset Management (Schweiz) AG finanziert. Mit Fabian Schär bekommt die Universität Basel ihren ersten „Stiftungsprofessor für […]

Bitcoin: BTC-Hodler trotzen der Bärenstimmung

Mehr als 55 Prozent der Bitcoin liegen aktuell in Wallets, in denen mehr als 200 BTC gehalten werden. Ein Drittel der Bitcoins in diesen „Investoren-Wallets“ haben noch keine einzige ausgehende Transaktionen verbucht. Die große Zahl an unbewegten Coins lässt auf Hardcore-Hodler schließen – oder auf verlorene Private Keys. Die Mehrzahl der Bitcoin liegt auf den […]