EZB-Direktor Mersch warnt: Kein Bitcoin-Bailout

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 2 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Yves Mersch, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank EZB, warnt in dieser Woche vor den Auswirkungen des Bitcoin und anderer Kryptowährungen, sollten sich weiterhin etablierte Finanzinstitutionen in das Geschäft mit der volatilen Leit-Kryptowährung einschalten. Im Interview mit Börsen-Zeitung gab er zu bedenken, dies könnten extreme Gefahren für die internationalen Finanzsysteme in sich tragen. Für den Fall eines zukünftigen Crashs solle es nach seiner Ansicht keinen EZB-Bailout geben. Während sich EZB-Präsident Mario Draghi mit Blick auf konkrete Bewertungen der wachsenden Bedeutung des Bitcoin weiterhin eher in diplomatisches Schweigen hüllt, bleibt die EZB ohne Handlungsinitiative damit jedoch weiterhin in Abwartehaltung.

Während Mario Draghi im Hintergrund verweilt, warnte EZB-Direktor Yves Mersch im vergangenen Monat im Zuge des Bitcoin-Börsenganges in einem in dieser Woche veröffentlichten Interview mit Börsen-Zeitung vor den Gefahren des Bitcoins. Zwar sei dessen Handelsvolumen mit einem geschätzten Umsatz von 250 – 350 Milliarden Euro zu gering für konkrete geldpolitische Eingriffe, dennoch handele es sich es sich um „einen spekulativen Hype, der einem Sorgen machen“ könne, so Mersch.

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Abseits privater Verluste für Investoren hob er besonders die Gefahren für das Finanzsystem hervor, sollte sich das Geschäft mit den Kryptowährungen bei Banken und anderen konventionellen Finanzdienstleistern weiter etablieren.

„Was mich aber am meisten besorgt ist […], wenn Finanzmarktinfrastrukturen wie Börsen in dieses Geschäft einsteigen. Das birgt große Gefahren für die Finanzstabilität“,

so der 68-jährige Luxemburger.

Sollte es das Banksystem in Zukunft dann etwa aufgrund eines Bitcoin-Crashs in Schwierigkeiten geraten, werde es keine Unterstützung der EZB geben.

„[…]Es [wird] wieder Forderungen geben nach einer Unterstützung durch die EZB. Da möchte ich von Vorneherein sagen: Das sollten wir nicht tun“,

stellt Mersch in Aussicht.

Das Echo aus Frankfurt

Während EZB-Präsident Draghi und Direktor Benoît Cœuré im November betont hatten, beim Bitcoin handele es sich noch um kein „monetäres Risiko“ und man wäre ohnehin nicht handlungsbefugt, hatte zuletzt Ratsmitglied Ewald Nowotny mögliche Regulierungsinitiativen ins Spiel gebracht und damit die EZB zu konkretem Handeln gedrängt.

Mersch selbst hatte zuletzt im Dezember vor allem vor Konkurrenzwirkungen von Kryptowährungen für das Bankentagesgeschäft oder etwa kartenbasierte Bezahlmethoden gewarnt. Um mit Blick auf Blockchain-Sofort-Zahlungen wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Geschäftsbanken ebenfalls Instant-Payment-Methoden einführen, so Mersch.

EZB in Abwartehaltung

Was zunächst vielleicht wie Uneinigkeit in den Frankfurter Büros scheinen mag, ist vielmehr als strategisches Kalkül der EZB zu bewerten. Ähnlich anderer Zentralbanker um den Globus können Mersch, Cœuré und Nowotny zu diesem Zeitpunkt zwar warnen und auch besonders kritisch bewerten. Tut Präsident Draghi dies, muss ein Zeichen der EZB folgen. Ein solches EZB-Eingreifen wäre nicht nur ein regulatorisches Novum auf EU-Gebiet – es würde auch einen Dominoeffekt über europäische Breitengrade und Euro-Mitgliedsstaaten hinaus nach sich ziehen. Die offizielle Haltung der EZB ist damit zu diesem Zeitpunkt abwartend abgesteckt, zugrunde liegende politische Haltungen lassen sich jedoch wie in dieser Woche erahnen.

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