EZB-Direktor Mersch warnt: Kein Bitcoin-Bailout

Quelle: FRANKFURT, GERMANY - SEPTEMBER 19 2015 : New headquarters of European Central Bank via Shutterstock

EZB-Direktor Mersch warnt: Kein Bitcoin-Bailout

Yves Mersch, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank EZB, warnt in dieser Woche vor den Auswirkungen des Bitcoin und anderer Kryptowährungen, sollten sich weiterhin etablierte Finanzinstitutionen in das Geschäft mit der volatilen Leit-Kryptowährung einschalten. Im Interview mit Börsen-Zeitung gab er zu bedenken, dies könnten extreme Gefahren für die internationalen Finanzsysteme in sich tragen. Für den Fall eines zukünftigen Crashs solle es nach seiner Ansicht keinen EZB-Bailout geben. Während sich EZB-Präsident Mario Draghi mit Blick auf konkrete Bewertungen der wachsenden Bedeutung des Bitcoin weiterhin eher in diplomatisches Schweigen hüllt, bleibt die EZB ohne Handlungsinitiative damit jedoch weiterhin in Abwartehaltung.

Während Mario Draghi im Hintergrund verweilt, warnte EZB-Direktor Yves Mersch im vergangenen Monat im Zuge des Bitcoin-Börsenganges in einem in dieser Woche veröffentlichten Interview mit Börsen-Zeitung vor den Gefahren des Bitcoins. Zwar sei dessen Handelsvolumen mit einem geschätzten Umsatz von 250 – 350 Milliarden Euro zu gering für konkrete geldpolitische Eingriffe, dennoch handele es sich es sich um „einen spekulativen Hype, der einem Sorgen machen“ könne, so Mersch.

Abseits privater Verluste für Investoren hob er besonders die Gefahren für das Finanzsystem hervor, sollte sich das Geschäft mit den Kryptowährungen bei Banken und anderen konventionellen Finanzdienstleistern weiter etablieren.

„Was mich aber am meisten besorgt ist […], wenn Finanzmarktinfrastrukturen wie Börsen in dieses Geschäft einsteigen. Das birgt große Gefahren für die Finanzstabilität“,

so der 68-jährige Luxemburger.

Sollte es das Banksystem in Zukunft dann etwa aufgrund eines Bitcoin-Crashs in Schwierigkeiten geraten, werde es keine Unterstützung der EZB geben.

„[…]Es [wird] wieder Forderungen geben nach einer Unterstützung durch die EZB. Da möchte ich von Vorneherein sagen: Das sollten wir nicht tun“,

stellt Mersch in Aussicht.

Das Echo aus Frankfurt

Während EZB-Präsident Draghi und Direktor Benoît Cœuré im November betont hatten, beim Bitcoin handele es sich noch um kein „monetäres Risiko“ und man wäre ohnehin nicht handlungsbefugt, hatte zuletzt Ratsmitglied Ewald Nowotny mögliche Regulierungsinitiativen ins Spiel gebracht und damit die EZB zu konkretem Handeln gedrängt.

Mersch selbst hatte zuletzt im Dezember vor allem vor Konkurrenzwirkungen von Kryptowährungen für das Bankentagesgeschäft oder etwa kartenbasierte Bezahlmethoden gewarnt. Um mit Blick auf Blockchain-Sofort-Zahlungen wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Geschäftsbanken ebenfalls Instant-Payment-Methoden einführen, so Mersch.

EZB in Abwartehaltung

Was zunächst vielleicht wie Uneinigkeit in den Frankfurter Büros scheinen mag, ist vielmehr als strategisches Kalkül der EZB zu bewerten. Ähnlich anderer Zentralbanker um den Globus können Mersch, Cœuré und Nowotny zu diesem Zeitpunkt zwar warnen und auch besonders kritisch bewerten. Tut Präsident Draghi dies, muss ein Zeichen der EZB folgen. Ein solches EZB-Eingreifen wäre nicht nur ein regulatorisches Novum auf EU-Gebiet – es würde auch einen Dominoeffekt über europäische Breitengrade und Euro-Mitgliedsstaaten hinaus nach sich ziehen. Die offizielle Haltung der EZB ist damit zu diesem Zeitpunkt abwartend abgesteckt, zugrunde liegende politische Haltungen lassen sich jedoch wie in dieser Woche erahnen.

BTC-ECHO

Blockchain- & Fintech-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In unserer Jobbörse findet Ihr aktuelle Stellenanzeigen von Blockchain- & Fintech-Unternehmen.

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

AT&T-Kunden können Rechnungen ab sofort mit Bitcoin bezahlen
AT&T-Kunden können Rechnungen ab sofort mit Bitcoin bezahlen
Bitcoin

Kunden des Telekommunikationsanbieters AT&T können ihre Rechnungen ab sofort mit Bitcoin bezahlen.

Bitcoin als zwölftgrößte Währung der Welt? Was man dazu wissen muss
Bitcoin als zwölftgrößte Währung der Welt? Was man dazu wissen muss
Bitcoin

Aus dem vom Bitcoin Podcast Crypto Voices veröffentlichten Bericht zur monetären Basis geht hervor, dass Bitcoin bereits jetzt die zwölftgrößte Währung ist.

Newsletter

Die besten News kostenlos per E-Mail

Finde einen Job mit Zukunft

    Aktuell

    Tone Vays im Interview: „Ich schließe einen Bitcoin-Kurs unter 3.000 US-Dollar nicht aus“
    Tone Vays im Interview: „Ich schließe einen Bitcoin-Kurs unter 3.000 US-Dollar nicht aus“
    Interview

    BTC-ECHO hat mit Tone Vays über Trading, Bitcoin und das Krypto-Ökosystem sprechen.

    5 dezentrale Exchanges, die Hodler kennen sollten
    5 dezentrale Exchanges, die Hodler kennen sollten
    Kolumne

    Dezentrale Exchanges gelten als die Zukunft des Krypto-Handels. Und das nicht ohne Grund: Schließlich denken DEX den Grundgedanken von Kryptowährungen, nämlich dessen Peer-to-Peer-Charakter zu Ende. 

    Tone Vays im Interview: „Banken haben nur die Macht, die die Gesellschaft ihnen zugesteht“
    Tone Vays im Interview: „Banken haben nur die Macht, die die Gesellschaft ihnen zugesteht“
    Interview

    Im Juni wird Tone Vays auf der Unchain Convention einen Vortrag halten.

    Alibaba: Chinas führende Handelsplattform setzt verstärkt auf Blockchain
    Alibaba: Chinas führende Handelsplattform setzt verstärkt auf Blockchain
    Blockchain

    Der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba hat ein neues Blockchain-System zum Schutz von geistigen Eigentumsrechten angekündigt.

    Angesagt

    Russische Zentralbank denkt über goldgedeckte Kryptowährung nach
    Politik

    Die Chefin der russischen Zentralbank äußerte sich zum Thema Kryptowährungen.

    US-Behörde gibt Grayscale Ethereum Trust für Privatanleger frei
    Ethereum

    Die Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) gibt den Grayscale Ethereum Trust für Kleinanleger frei.

    BBC: Facebook-Kryptowährung „GlobalCoin“ soll 2020 kommen
    Altcoins

    Berichten der Rundfunkanstalt BBC zufolge plant Facebook den Start seiner eigenen Kryptowährung bereits für das kommende Jahr.

    AT&T-Kunden können Rechnungen ab sofort mit Bitcoin bezahlen
    Bitcoin

    Kunden des Telekommunikationsanbieters AT&T können ihre Rechnungen ab sofort mit Bitcoin bezahlen.

    ×

    Warte mal kurz...

    Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene:
    Ich stimme zu, dass meine E-Mail-Adresse für den Versand des Newsletters gespeichert und verarbeitet wird.

    Warte mal kurz ... !

    Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: