EIP 867- Ein Standardweg in Fällen wie dem Parity-Bug?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

Quelle: The broken key in the lock

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Der Parity-Bug kostete viele Nutzer von Ethereum ihre Funds. Verständlich also, dass in einem EIP überlegt wird, wie die Opfer wieder an ihr Vermögen kommen. Nun wurde ein Standardvorgehen in entsprechenden Fällen vorgeschlagen. Der Vorschlag wird jedoch nicht nur wegen der Folgen für die Immutabilität der Blockchain kritisiert.

Immutabilität, die Unveränderlichkeit der Blockchain, ist eine der Eigenschaften, die am stärksten mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen assoziiert werden. Es existieren jedoch Ausnahmen: Jenen, die schon etwas länger im Bereich der Kryptowährungen unterwegs sind, wird The DAO noch etwas sagen. Der dezentrale Venture Fund war 2016 die größte bis dato stattgefundene Crowdinvesting-Aktion – und fand durch einen Exploit, mit dem eine bisher unbekannte Gruppe an Hackern ungefähr drei Millionen Ether entwendeten, ein jähes Ende.


Dieser große Raub führte zu einer Debatte darüber, ob und wann die Blockchain editiert werden dürfe, die in einem partiellen Rollback der Ethereum-Blockchain und der Geburt von Ethereum Classic kulminierte.

Ende letzten Jahres wurde eine ähnliche Debatte angestoßen: Von Multi-Signature-Wallets des Unternehmens Parity Technologies konnten keine Transaktionen mehr initiiert werden. Genau genommen wurde der Smart Contract, der dieser Multi-Signature-Wallet zugrunde liegt, gelöscht. Auf den Fehler wurde von jemandem auf Github unter dem Pseudonym “ghost” hingewiesen. Damit wurden rund eine halbe Million Ether eingefroren – immerhin fünf Promille des gesamten Ethereum Supplys.

Schnell wurde an die Lösung, die zu Zeit des DAO-Hacks genutzt werden sollte, gedacht: Nach Aussage der Leute hinter Parity Technologies wäre ein Beheben des Fehlers und ein Zugang zu den Funds der Nutzer nur mit einer Hard Fork möglich. Natürlich wurde wieder eine Debatte geführt, schließlich würde mit einer derartigen Hard Fork die Unveränderbarkeit der Ethereum Blockchain nochmals in Frage gestellt werden. Auf der anderen Seite ist vollkommen verständlich, dass jene, deren Ether Token in den Parity Wallets gespeichert sind, sich wieder vollen Zugriff auf dieselben wünschen.

Gerade wenn es um das Wiederherstellen von verlorenen Funds geht, wird aus der Frage, ob eine Hard Fork die Lösung ist, zu einem Ermessensentscheid, den die Community gemeinsam fällen muss. Anfragen bezüglich derartiger Änderungen der Blockchain werden als Ethereum Refund Proposals oder kurz ERPs bezeichnet. Zynische Leute werfen ERPs vor, das Blockchain-Pendant eines Bailouts entstehen zu lassen. Weniger bitter betrachtet stellt sich die Frage, welche Malheure ausreichen, um Inhalte der Blockchain im Nachhinein abzuändern.

Doch auch seitens der Befürworter derartiger ERPs wird kritisiert, dass die aktuelle Situation dafür sorgt, dass sehr willkürlich über Fund Recoveries entschieden wird – und es häufig nicht zu diesen kommt. Um hier für eine gewisse Struktur zu sorgen, wird im Rahmen des EIP 867, einem Ethereum Improvement Proposal, ein geordnetes Vorgehen in derartigen Fällen vorgeschlagen.

Gemäß des Ethereum Improvement Proposals soll jede Anfrage hinsichtlich eines Fund Recovery die folgende Struktur haben:

  • In der Präambel würden verschiedene essenzielle Informationen wie Kurzbeschreibung oder Namen der Antragsteller stehen.
  • In der Zusammenfassung wird die Sachlage kurz umrissen.
  • In der detaillierten Beschreibung wird eine nachvollziehbare Beschreibung der vorgeschlagenen Maßnahmen vorgestellt.
  • In der Begründung wird dargelegt, warum das ERP vernünftig sei und keine anderen Stakeholder ungerechtfertigt benachteiligt werden.
  • Im Bestätigungsskript und im State Change Object wird die Beschreibung in einem Smart Contract dargestellt, sodass, falls das ERP angenommen wird, Ethereum Clients dieses wie gewünscht verarbeiten können.

Soweit der Ansatz. Selbst wenn man Änderungen einer Blockchain überhaupt zulassen kann, zeigt die aktuelle Debatte, dass auch mit einem strukturierten Ansatz das Finden einer allgemeinen Lösung weiterhin schwierig ist. Wann ist etwas so Dramatisches vorgefallen, dass ein State Change der gesamten Blockchain sinnvoll wäre? Es kommt nicht von ungefähr, dass die Bitcoin-Community sowie die Leute hinter Ethereum Classic Änderungen an der Blockchain kategorisch ausschließen. Wenn man sich jedoch darauf einlässt, muss einem immer klar sein, dass man es hier mit Ermessensentscheiden zu tun hat.

Da diese Frage im Fall von Parity viele Nutzer von Ethereum betrifft, wurde angefragt, ob bei dem heute Nachmittag stattfindenden Ethereum Core Dev Meeting dieses Thema auch debattiert wird. Wir können gespannt sein, ob und was für eine Entscheidung gefällt wird. Sollte EIP 867 bewilligt werden, würde Ethereum die erste Blockchain sein, die Immutabilität auf der einen Seite nicht mehr als absolut sieht, auf der anderen Seite hier ein strukturiertes Vorgegen entwickeln würde.

BTC-ECHO

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