US-Dollar unter Beschuss Digital Dollar Project: Die (R)Evolution des globalen Geld- und Finanzsystems

Jonas Groß

von Jonas Groß

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Jonas Groß

Jonas Groß ist Projektmanager am Frankfurt School Blockchain Center und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth. Zu seinen Forschungsschwerpunkte im Rahmen seiner Promotion gehören primär digitale Zentralbankwährungen (CBDC) und Stablecoin-Projekte wie Libra. Jonas ist Ko-Autor zahlreicher Publikationen zu CBDCs und Libra, darunter das CBCB Policy-Maker Toolkit des World Economic Forums.

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In den USA nimmt die Diskussion über eine eigene digitale Währung immer mehr Fahrt auf. Mit dem Digital Dollar Project wurde zuletzt eine privatwirtschaftliche Initiative gestartet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) zu etablieren. Beim digitalen US-Dollar soll es sich um eine token-basierte CBDC handeln, die von der amerikanischen Zentralbank ausgegeben wird und bestenfalls auf einer Distributed-Ledger-Technologie (DLT) abgebildet wird. Jonas Groß und Alexander Bechtel über die Ziele, die Herausforderungen und die nächsten Schritte des Digital Dollar Project.

Ein Gastbeitrag von Jonas Groß, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth und Projektmanager am Frankfurt School Blockchain Center und Alexander Bechtel, wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Forschungsschwerpunkt Geldpolitik und digitale Währungen an der Universität St. Gallen.

Das Zaudern der Fed

Inzwischen analysieren die meisten Industrienationen die Einführung einer eigenen digitalen Zentralbankwährung. Während Schweden und China hierbei Vorreiter sind, hat auch die EZB bereits Ende 2019 eine interne CBDC-Task-Force ins Leben gerufen, die für die zweite Jahreshälfte 2020 einen ausführlichen Zwischenbericht angekündigt hat. Nur die USA hält sich bislang von offizieller Seite zu ihren CBDC-Bemühungen auffallend bedeckt. Vonseiten der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) sind lediglich Absichtsbekundungen zu hören; man nehme das Thema ernst und beschäftige sich damit.  Durch das Digital Dollar Project soll sich das nun ändern.

Warum braucht es einen digitalen US-Dollar?

Allerdings handelt es sich beim Digital Dollar Project nicht um ein offizielles CBDC-Projekt der Fed, sondern um eine Initiative des Privatsektors. Die Initiatoren des Projekts sind die nicht-gewinnorientierte Digital Dollar Foundation und das Beratungsunternehmen Accenture. Ziel ist es, die Forschung und den öffentlichen Diskurs zu CBDC in den USA zu fördern und ein konkretes, implementierbares CBDC-Modell zur Diskussion vorzuschlagen. Doch warum braucht es überhaupt eine CBDC in den USA? Laut White Paper des Digital Dollar Project kann durch eine US-CBDC die Rolle des US-Dollars als Weltreservewährung gefestigt werden.


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Aktuell bedrohen Initiativen wie das chinesische CBDC-Projekt DC/EP oder Libra die weltweite Vorherrschaft des US-Dollars. Eine US-CBDC könnte die internationale Nutzung des US-Dollars weiter vereinfachen und vorantreiben, indem Transaktionskosten gesenkt und die Transaktionsgeschwindigkeit – nicht zuletzt für grenzüberschreitende Zahlungen – erhöht wird. Schließlich wäre der digitale US-Dollar auch ein Weg die finanzielle Inklusion in den USA zu stärken. Laut einer kürzlich erschienenen Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) leiden vor allem Minderheiten an keinem oder nur unzureichendem Zugang zum Finanzsektor.  

Bargeld als Vorbild

Das Digital Dollar Project zielt darauf ab, die Eigenschaften von physischem Bargeld in einer digitalen Welt zu replizieren und den digitalen Dollar dementsprechend auszugestalten. Aus diesem Grund schlägt die Digital Dollar Foundation ein Token-basiertes, zweistufiges Verteilungssystem vor. In Anlehnung an das aktuelle Distributionssystem von Bargeld, bei dem Zentralbanken Bargeld zur Verfügung stellen und Banken dieses an den privaten Endkunden verteilen, soll die Zentralbank auch den digitalen Dollar emittieren und über Banken in Form von digitalen Token verteilen.

Dementsprechend würde eine CBDC-Transaktion nicht in einem Konto bei der Zentralbank verbucht werden. Stattdessen würden die entsprechenden digitalen US-Dollar-Token würden direkt wie Bargeld den Besitzer wechseln. Das zweistufige Distributionssystem hätte den Vorteil, dass operative Aufgaben außerhalb des Kerngeschäfts der Zentralbank an dritte Parteien, wie Banken oder FinTechs, übertragen werden können. Dazu zählen beispielsweise die Durchführung von Know-Your-Customer (KYC)-Prozessen, Überwachung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung und nicht zuletzt die Entwicklung innovativer Finanzprodukte und Zahlungslösungen. Ein solches zweistufiges System wird beispielsweise auch bei der chinesischen CBDC eingesetzt.

Anonymität als wichtige Säule

Einer der Hauptvorteile von Bargeld ist die Möglichkeit anonyme Zahlungen zu tätigen. In Deutschland können Barzahlungen bis zu 10.000 Euro anonym durchgeführt werden. Dies markiert einen zentralen Unterschied zu digitalen Zahlungen, z.B. per Banküberweisung, PayPal oder Apple Pay, wo alle Einträge in einer digitalen Datenbank gespeichert und direkt der Identität des Käufers zugeordnet werden. Die US-CBDC soll zu einem gewissen Teil anonyme Zahlungen ermöglichen, um Bargeld auch in dieser Dimension zu imitieren. Allerdings soll laut White Paper auch Compliance mit aktueller Gesetzgebung, z.B. in Bezug auf Geldwäsche und Terrorfinanzierung, sichergestellt werden. Wie genau dieser Zielkonflikt zwischen Anonymität und Compliance in der Praxis umgesetzt werden soll, ist bislang jedoch unklar.

DLT als technologische Basis

Der vorgeschlagene digitale Dollar soll auf einer DLT basieren. Dies wird primär mit Vorteilen bei der Implementierung einer token-basierten CBDC begründet. Die DLT ermöglicht es wie keine andere Technologie die Emission von digitalen Token effizient zu steuern und durch kryptographische Elemente den Besitz eines Tokens kosteneffizient zu beweisen und so das doppelte Ausgeben eines digitalen Tokens („Double-Spending“) zu verhindern. Zudem werden aktuell bei grenzüberschreitenden Zahlungen häufig zahlreiche Mittelsmänner eingesetzt. Die Nutzung einer DLT könnte Mittelsmänner teilweise überflüssig machen und somit zu höherer Effizienz und geringeren Transaktionskosten führen.

Nationale und internationale Nutzung des Digital Dollar

Die CBDC soll sowohl für Zahlungen innerhalb als auch für grenzüberschreitende Zahlungen außerhalb der USA eingesetzt werden können. Ein weiterer Anwendungsfall des Digital Dollars ist die Verteilung von Unterstützungszahlungen des öffentlichen Sektors. Zuletzt wurde durch die Verteilung von Hilfsgeldern im Zusammenhang mit COVID-19 Defizite bei der krisenbedingten Verteilung von Hilfsgeldern deutlich. So mussten Zahlungsempfänger häufig sehr lange warten, bis die Zahlungen via Schecks tatsächlich bei ihnen ankamen. Interessanterweise gab es bereits im März zur Hochzeit der Corona-Pandemie und noch vor Ankündigung des Digital Dollar Projects in den USA den Vorschlag, Direktzahlungen an US-Haushalte über einen DLT-basierten digitalen Dollar abzuwickeln. Allerdings wurde dieser Vorschlag letztendlich nicht umgesetzt. In China hingegen wird DLT bereits für die Verteilung solcher Finanzhilfen eingesetzt.

Wann wird die US-amerikanische CBDC kommen?

Wann beziehungsweise ob eine CBDC in den USA realisiert wird, ist derzeit noch offen. Das Digital Dollar Project ist eine Initiative des Privatsektors; die Einführung einer CBDC kann allerdings nur durch die Fed und das Parlament erfolgen. Nichtsdestotrotz hat das Digital Dollar Project bereits nach Veröffentlichung des Konzepts ein erstes Zwischenziel erreicht, da sich der US-Senat des Themas CBDC bereits angenommen hat.

Auch die Fed zeigte sich grundsätzlich offen für den weiteren Dialog. Für die Entwicklung und Einführung einer CBDC ist eine enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor aufgrund der Komplexität besonders erstrebenswert. Geht es nach der Digital Dollar Foundation, sollen als nächste Schritte gemeinsame Pilotprojekte mit der Federal Reserve durchgeführt werden. Chris Giancarlo, Vorsitzender der Digital Dollar Foundation, vergleicht die Entwicklung und Einführung einer US-CBDC sogar mit den Mondmissionen der NASA aus den 1950er und 1960er Jahren:

Zwischen dem Entschluss zu gehen und der erfolgreichen Landung lag eine ganze Reihe von Pilotprogrammen. […] Jeder Pilot lernte vom anderen. Sie lernten aus den Misserfolgen ebenso wie aus den Erfolgen. Deshalb befürworten wir eine Reihe von Pilotprogrammen.

Es wird sich zeigen, wie viele Pilotprogramme nötig sein werden bis zur erfolgreichen Einführung einer US-CBDC. Der Vergleich mit den Mondmissionen der NASA gibt aber einen ersten Eindruck von der Bedeutung, die dem Digital Dollar Project von offizieller Seite beigemessen wird. Es geht um nichts weniger als die (R)Evolution des globalen Geld- und Finanzsystems.


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