Crypto Lending Die Nr. 1 im DeFi-Space: Aave CEO Stani Kulechov im Interview

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

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Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Aaave CEO im Interview

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Der DeFi-Hype hat den Markt fest im Griff. Neben Compound und Maker ist es vor allem ein Protokoll, das für Aufsehen und hohe Renditen sorgt: Aave. Das Projekt konzentriert sich auf den dezentralen Kreditmarkt. Anleger erhalten für ihre Token-Einlagen Zinsen und Kreditnehmer müssen entsprechend Zinsen zahlen. Im Gegensatz zu einem klassischen Bankkredit funktioniert Aave Open Source und non-custodial, das so genannte Lending-Protokoll ist also nicht für die Verwahrung der Token verantwortlich. Wie es um den dezentralen Kreditsektor bestellt ist und was Aave so besonders machen soll, hat uns der Gründer und CEO Stani Kulechov im Interview verraten.

Das Interview ist zuerst in der August-Ausgabe von unserem Kryptokompass erschienen. Es handelt sich nachfolgend um eine deutsche Übersetzung des englischen Originalinterviews.

Neben Aave gibt es noch andere DeFi-Token, die Lending anbieten. Was unterscheidet euch von den anderen Protokollen?

Aave unterscheidet sich von den anderen Protokollen dadurch, dass es das vielfältigste Kreditvergabeprotokoll im Ethereum-Ökosystem ist – der Hauptmarkt von Aave bietet 19 verschiedene digitale Assets an, von denen sechs Stable Coins sind, die den US-Dollar abbilden. Darüber hinaus ist Aave quelloffen und non-custodial, so dass jeder Zugang zu dem Code hat, alles transparent ist und man jederzeit an sein Geld kann. Aave wird demnächst seine Governance und Tokenomics („Aavenomics“) veröffentlichen und sich damit noch weiter von den anderen Protokollen absetzen. Zudem bietet Aave nicht nur variable, sondern auch feste Zinssätze an. Wirklich einzigartig sind aber unsere Flash-Darlehen. Hierbei müssen die Kreditnehmer nicht wie üblich hohe Sicherheiten als Pfand hinterlegen, sondern können liquiditätsschonend Kredite aufnehmen.


Der DeFi-Sektor ist in den letzten Monaten stark angewachsen, immer mehr Geld fließt in die Protokolle. Seht ihr nicht die Gefahr einer Blase?

Auf keinen Fall. Was wir in den letzten Wochen beobachtet haben, ist, dass sich DeFi aus dem Stealth-Modus herausentwickelt hat. Ursprünglich war es eine kleine Nische für wenige Ethereum-Experten. Nun öffnet sich der Sektor aber langsam und immer mehr neugierige Menschen interessieren sich für das Thema.

Das Gros der Kleinanleger kann mit DeFi aber noch gar nichts anfangen. Schließlich befindet sich das in DeFi-Anwendungen gebundene Kapital bei gerade einmal drei Milliarden US-Dollar. Für eine wirkliche Blase ist also noch sehr viel Luft nach oben.

Was muss geschehen, damit DeFi auch einen realwirtschaftlichen Nutzen liefern kann und man sich von der Spekulation weiter entfernen kann?

Ich denke, dass DeFi bereits vielen Nutzern echte wirtschaftliche Vorteile bringt. Für mehr Mainstream-Benutzer, die Einlagen tätigen und ein passives Einkommen erzielen möchten, bietet DeFi die Möglichkeit, viel höhere Zinssätze zu erzielen als bei herkömmlichen Bankkonten. Kreditnehmer können sofort einen Kredit aufnehmen, ohne dass eine Bonitätsprüfung oder irgendetwas anderes erforderlich ist. DeFi kommt auch ohne die üblichen Mittelsmänner und Bürokratie aus. Außerdem gibt es bei DeFi keinen Zeitrahmen für Darlehen. Solange man ausreichend Sicherheiten hinterlegt, kann man die Darlehensposition zeitlich unbegrenzt offenhalten. DeFi bietet in vielen Punkten bessere Rahmenbedingungen als der traditionelle Kreditsektor, die auch außerhalb der Spekulation einladen Kredite aufzunehmen.

Bei anderen Protokollen wie Maker oder Compound muss man ausreichend Token hinterlegen, um sich wiederum Token ausleihen zu können. Ihr bietet nun die Möglichkeit, dass auch ohne Hinterlegung von Sicherheiten so genannte Flash Darlehen ausgegeben werden können. Erkläre bitte, wie das möglich ist.

Flash-Darlehen (zu Deutsch: Blitzkredite) ermöglichen es Programmierern oder Personen mit technischen Kenntnissen, sofort einen Kredit aufzunehmen, ohne dass Sicherheiten erforderlich sind, solange sie die Liquidität innerhalb einer Blocktransaktion an den Pool zurückgeben. Wenn dies nicht geschieht, findet eine Rückabwicklung statt.

Warum sollte ich das denn überhaupt machen, welche Möglichkeiten habe ich, um die Bonität zu prüfen?

Das ist also der wirklich coole Teil der Sache – Blitzdarlehen erlauben es im Grunde jedem, ein Wal zu sein. Früher musste man eine Menge Kapital haben, um ausreichend Sicherheiten hinterlegen zu können, aber mit Flash-Darlehen braucht man kein Kapital, um anzufangen. Das System funktioniert auch ohne eine Bonitätsprüfung. Wenn der Flash-Kreditnehmer die geliehene Liquidität nicht an den Pool zurückgibt, wird die gesamte Transaktion rückgängig gemacht. Durch diesen Mechanismus und die automatische Rückführung der Liquidität an den Pool, können die Einlagen gut vor Verlusten geschützt werden.  

Was passiert denn, wenn der Kredit platzt? Kann ich dann zum Gericht gehen und meine Forderung einklagen?

Bei DeFi und dem Krypto-Raum im Allgemeinen ist es entscheidend, die Risiken selbst zu erforschen. Bei der Kreditaufnahme besteht immer das Risiko, Verluste zu erleiden, wenn zum Beispiel die eigenen Sicherheiten im Kurs fallen. Es gibt keine Gerichtsverfahren, wenn man seine Gelder verliert, aber man kann sich bei Nexus Mutual gegen Smart-Contract-Fehler versichern. Zusätzlich werden wir zukünftig einen Versicherungsfonds einrichten, um das Protokoll im Falle von größeren Verlusten stabil zu halten.

Was muss passieren, damit DeFi massentauglich wird und nicht nur einen kleinen Kreis von Blockchain-Enthusiasten anspricht?

Bildung ist hier wichtig, aber auch eine intuitive Benutzerfreundlichkeit, um den Einstiegsprozess zu erleichtern. Ich glaube, das wird von Tag zu Tag besser. Bei Aave arbeiten wir auch hart daran, es den Endbenutzern so einfach wie möglich zu machen, und wir haben sogar gerade Transak als Onramp-Lösung für die Aave dApp eingeführt. Nutzer können dadurch sowohl in der dApp KYC durchführen als auch Token mit Debitkarte oder Banküberweisung erwerben, ohne die App verlassen zu müssen.

Gibt es Strategien, die man jemandem auf dem Weg mitgeben kann, der in DeFi investieren möchte?

Mein Hauptratschlag wäre, jede Plattform erstmal auf Seriosität zu überprüfen. Audits sind im DeFi-Sektor super wichtig. Wenn man neu im DeFi-Sektor ist, sollte man anfangs kleinere Einzahlungen durchführen und sich an die Mechanismen rantasten. Letztlich muss man auch erst mal herausfinden, wie man den höchsten Ertrag erwirtschaftet.

Wird euer Protokoll vorerst auf das Leihen und Verleihen von Token beschränkt bleiben oder sind bereits weitere Dienstleistungen geplant? Wie geht es in den nächsten Monaten weiter?

Wir haben vor kurzem angekündigt, dass wir eine Kreditdelegation in Aave starten werden, bei dem Einzahler ihre Kreditlinien an Kreditnehmer delegieren können. Zum Beispiel könnte Partei A in Aave einzahlen und dann ihre Kreditlinie an Partei B delegieren, die dann beim Aave-Protokoll Kredite aufnehmen kann. Die Einzelheiten der Kreditdelegation (d.h. Zinssatz und Rückzahlung) werden in einer rechtlichen Vereinbarung ausgearbeitet, wobei OpenLaw zur Unterzeichnung der Vereinbarung verwendet wird.


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