Die Büchse der Pandora: Wie Facebooks Project Libra den Bitcoin-Space verändert

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Die Büchse der Pandora: Wie Facebooks Project Libra den Bitcoin-Space verändert

Facebooks Project Libra steigt in den Ring ums beste Geld. Was wir von Libra erwarten können und wieso Bitcoin-Investoren mit Zuversicht auf den Launch blicken können.

Lange war es her, dass dem Krypto-Sektor derart viel mediale Aufmerksamkeit zuteil wurde wie in dieser Woche. Auch wenn es erst einen Weltkonzern wie Facebook gebraucht hat, Kryptowährungen wieder auf die Agenda der Medien zu rücken, könnte Libra auch Bitcoin & Co. mit neuem Schwung versorgen. Was wir von dem neuen Zahlungsnetzwerk erwarten können.

Wieso sich Bitcoin-Anleger auf Libra freuen sollten

Libra ist ein Stable-Coin-Projekt. Als solches konkurriert der Token nicht mit Bitcoin. Denn während Libra von einem Korb an Währungen gedeckt ist, erhält Bitcoin durch dem ihm zugeschriebenen Wert. Eine Folge davon ist die größere Volatilität von Bitcoin im Vergleich zu bedeutenden Fiatwährungen wie dem US-Dollar oder dem Euro.

Folgerichtig bezeichnet David Marcus, der Libra federführend entworfen hat, Bitcoin als Asset.

Das ist insofern richtig, als dass Libra für Währungsspekulationen ungeeignet ist. Schließlich soll der Währungskorb für eine größtmögliche Stabilität des Wertes sorgen. Daraus zu schließen, dass Bitcoin lediglich als Wertanlage zu gebrauchen ist, ist allerdings nicht haltbar. Schließlich verarbeitet Bitcoin bereits heute als einziges wirklich dezentrales Peer-to-Peer-Zahlungsnetzwerk knapp zwei Milliarden US-Dollar an transferiertem Wert.

Libra legt Fokus auf Zahlungsmittelfunktion

Im Gegensatz zu Bitcoin ist Libra in erster Linie ein Zahlungsnetzwerk und in seiner Funktionsweise am ehesten mit PayPal zu vergleichen. Anders als PayPal gibt Libra indes einen eigenen Coin heraus – verlässt sich bei der Geldpolitik aber auf die Zentralbanken, welche die Geschicke der zugrundeliegenden Währungen bestimmen. Da dies vor allem der US-Dollar sein dürfte, ist Libras Wert direkt von der Federal Reserve Bank (FED) abhängig.

Dies steht diametral zu Bitcoins Wertversprechen als Kryptowährung mit einer souveränen, algorithmischen und vor allem apolitischen Geldpolitik. Während Bitcoin den langen Weg beschreitet und einzig durch seine Qualitäten als Geld mit etablierten Fiatwährungen in Konkurrenz tritt, nimmt Libra die Abkürzung, indem es im alten System verharrt und sich – mindestens mittelbar – an den US-Dollar und andere große Fiatwährungen bindet. Ob Facebook damit das nötige Vertrauen generieren kann, bleibt abzuwarten.

Als Zahlungsmittel ist Libra trotzdem hochinteressant. Welche Bedeutung Zahlungsnetzwerke entwickeln können, hat PayPal bewiesen. Man könnte hier sogar argumentieren, dass Libras Design PayPal überlegen ist. Schließlich benötigen Nutzerinnen und Nutzer kein Bankkonto, um mit Libra zahlen zu können. Damit gehören 1,7 Milliarden Menschen, die nicht über ein Bankkonto verfügen, zu einer potenziellen Zielgruppe von Libra. Das Krypto-Narrativ der finanziellen Inklusion beginnt, Form anzunehmen.

Weder dezentral noch unabhängig

Zu Calibra, der Facebook-Tochter, die über das Libra-Netzwerk wacht, gehören eine Reihe namhafter Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen wie MasterCard, Andreessen Horowitz und Uber. Jeder der Partner darf einen Netzwerkknoten betreiben; bis 2020 sollen 100 Nodes in Betrieb sein. Hier offenbart sich der nächste Unterschied zu Bitcoin: Libra ist nicht dezentral. Obgleich Dezentralität eine graduelle Frage und nicht absolut geklärt werden kann, würde wohl niemand bei nur 100 Validator Nodes von einer hinreichenden Dezentralität sprechen. Im Gegensatz dazu ist das Betreiben einer Bitcoin Full Node – abgesehen von den anfallenden Stromkosten – gratis. An Libra erkennt man einmal mehr: Dezentralität ist non-trivial.

Derzeit muss man indes konstatieren, dass BTC das einzige funktionierende dezentrale Zahlungsnetzwerk der Welt ist.

Der Kampf ums Geld

Satoshi hat die Büchse der Pandora geöffnet. Seit der Veröffentlichung des Bitcoin White Papers ist die Katze aus dem Sack – und wird dorthin auch nicht mehr verschwinden. Die Idee, Geld und Staat voneinander zu trennen, ist derart verführerisch, dass nun auch Facebook in den Wettlauf ums beste Geld einsteigt.

Dass die Emporkömmlinge mit reichlich Gegenwind von den Notenbanken dieser Welt rechnen müssen, überrascht daher nicht. Wie The Block berichtet, hat die FED das Gespräch mit Calibra bereits gesucht. Ferner berichteten wir bereits am 19. Juni über die Absage des französischen Wirtschaftsministers Le Maire in Richtung Facebook und Libra. Das Projekt sei „keine souveräne Währung“, so der Minister.

Hier offenbart sich ein weiteres Damoklesschwert, das auch über zentralisierten Altcoins wie Libra hängt: der regulatorische Bürgerkrieg. Echte Dezentralität heißt schließlich auch, dass Regierungen de facto machtlos sind, die Projekte abzuschalten. So gibt es keine juristisch greifbare Entität, die Bitcoin betreibt. Unternehmen wie Facebook, MasterCard und Ebay kann man hingegen regulatorisch habhaft werden – und im schlimmsten Fall können Staaten Libra schlicht verbieten.

Eben diese vorteilhaften Eigenschaften Bitcoins dürften durch Facebooks Vorstoß zu neuer Präsenz gelangen. In allen relevanten Größen ist Bitcoin Libra qualitativ überlegen. Nicht zuletzt deshalb gilt der Facebook-Coin als gigantische Onboarding-Möglichkeit für Bitcoin.

Ein Paradigmenwechsel

Privates Geld ist keine Zukunftsvision mehr. Das staatliche Geldmonopol stellt auch Libra radikal in Frage. An den eiligen Reaktionen der Notenbanken erkennt man, dass dies ernst genommen wird. Gerade diese Art der ernstzunehmenden Konkurrenz zu Fiatgeld ist es, die Satoshi herbeiführen wollte. Möge der bessere Coin gewinnen.

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