Perspektiven Der digitale, programmierbare (Blockchain-)Euro – Hintergrund, Chancen und Umsetzung

Jonas Groß

von Jonas Groß

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Jonas Groß

Jonas Groß ist Projektmanager am Frankfurt School Blockchain Center und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth. Zu seinen Forschungsschwerpunkte im Rahmen seiner Promotion gehören primär digitale Zentralbankwährungen (CBDC) und Stablecoin-Projekte wie Libra. Jonas ist Ko-Autor zahlreicher Publikationen zu CBDCs und Libra, darunter das CBCB Policy-Maker Toolkit des World Economic Forums.

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ein holz euro, soll an den digitalen euro erinnern oder an das holz bzw brett vor dem kopf
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Welche Chancen bietet ein digitaler, programmierbarer Euro? In einem Gastbeitrag erörtert Jonas Groß in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Philipp Sandner einen möglichen Fahrplan.

Immer mehr bemerkenswerte Initiativen des privaten und des öffentlichen Sektors drängen derzeit auf den Markt, um die Digitalisierung des Geldsystems voranzutreiben. Dazu gehören beispielsweise das von Facebook-initiierte Projekt Libra und das DC/EP-Projekt der Chinesischen Zentralbank (PBoC). Beide Initiativen setzen Europa und die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck. Denn: Beide Zahlungssysteme werden von außerhalb der EU betrieben und gesteuert und könnten bei weit verbreiteter Nutzung die internationale Rolle des Euros schwächen. Auch aufgrund dieser geopolitischen Gründe wird die Einführung eines (Blockchain-basierten) digitalen, programmierbaren Euros, beispielsweise in Form einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC), vermehrt gefordert. Jonas Groß und Philipp Sandner diskutieren in diesem Beitrag die Chancen, eines solchen digitalen, programmierbaren Euros und skizzieren einen Fahrplan zur Einführung eines digitalen, programmierbaren Euros.

Was ist der digitale, programmierbare Euro?


Zuletzt wurde ein solcher digitaler, programmierbarer Euro vom FinTechRat des Bundesfinanzministeriums diskutiert und der Nutzen beziehungsweise die Use Cases aufgezeigt. In der Vergangenheit hatte bereits der Bundesverband deutscher Banken (BdB) die Einführung eines digitalen, programmierbaren Euros gefordert.

Doch was genau ist der digitale, programmierbare Euro überhaupt? Der FinTechRat weist in seiner Publikationen auf wichtige Unterschiede zwischen einem digitalen Euro und einem digitalen, programmierbaren Euro hin:

Beim digitalen Euro geht es um die bloße Verwaltung von Eigentum an einem Euro-Betrag analog zu einem Bankkonto mit Überweisungsfunktion. […] Der programmierbare Euro erlaubt zusätzlich das Programmieren von Geldflüssen und somit auch eine Integration von Lieferprozessen und Zahlungsvorgängen.

Vorteile eines Blockchain-basierten digitalen, programmierbaren Euros

Es bietet sich an, einen solchen digitalen, programmierbaren Euro basierend auf einer Distributed-Ledger-Technologie (DLT) bzw. Blockchain–Technologie zu implementieren. Dadurch könnten folgenden Vorteile realisiert werden, die besonders für die Industrie von hoher Relevanz sind:

Programmierbarkeit von Geldflüssen durch Smart Contracts. Ein digitaler, programmierbarer Euro ermöglicht automatisierte Prozesse und Finanzdienstleistungen wie Zinszahlungen, Darlehen, Treuhandkonten, Leasing, und Factoring. Die DLT in Verbindung mit Smart Contracts ermöglicht es, dass Zahlungsströme auch außerhalb eines zentralisierten, beispielsweise von einer Bank organisierten, Systems programmierbar gemacht werden können. Dadurch können auch Zahlungsströme außerhalb solcher zentralisierten Systeme systemunabhängig in Token-Form automatisiert werden.

Interoperabilität eines digitalen Zahlungsmittels über verschiedene Ökosysteme hinweg.

Ermöglichen von Machine-to-Machine Payments. Ein digitaler, programmierbarer Euro könnte nicht nur von Personen, sondern auch von Maschinen und Geräten, zum Beispiel aus dem Bereich des Internet of Things (IoT), für Transaktionen genutzt werden und wäre deshalb vor allem für die Machine Economy von großem Nutzen.

Integration von Leistung und Gegenleistung in ein DLT-System. Eine solche Integration würde die Abwicklung von Wertpapieren, digitalisierten Rechten, Vermögenswerten und Dienstleistungen deutlich beschleunigen.

Höhere Effizienz im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Durch die Nutzung einer DLT können weltweite Zahlungen innerhalb von Sekunden durchgeführt und abgewickelt werden, da Mittelsmänner entfallen.

Ein Fahrplan für den digitalen, programmierbaren Euro

Wie könnte ein digitaler, programmierbarer Euro eingeführt werden? Aufgrund der weitreichenden Implikationen u.a. für das bestehende Geldsystem handelt es sich hierbei um kein leichtes und kurzfristiges Unterfangen. Der programmierbare Euro sollte zwar mittel- bis langfristig als digitale Zentralbankwährung von der EZB emittiert werden. Allerdings benötigt die Industrie bereits kurzfristig privatwirtschaftliche Lösungen für den digitalen, programmierbaren Euro, um die oben skizzierten Vorteile zu realisieren.

Aus diesem Grund schlagen wir vor, den digitalen, programmierbaren Euro im Rahmen einer Zusammenarbeit des privaten und des öffentlichen Sektors einzuführen:

  • Schritt 1: Q3/Q4 2020: Wissen aneignen. Finanzinstitute, Zentralbanken und Aufsichtsbehörden sollten sich das nötige Wissen aneignen, um die Implikationen und insbesondere die Vorteile des digitalen, programmierbaren Euros analysieren und verstehen zu können.
  • Schritt 2: Q2 2021: Integration von DLT und IBAN-Konten. Der Finanzsektor sollte eine Schnittstelle (API) entwickeln, um die bisherige Zahlungsinfrastruktur in Form von IBAN-Konten mit DLT-Systemen zu verbinden.
  • Schritt 3: Q4 2022: Entwicklung eines Token-Standards zur Sicherstellung der Interoperabilität. Der private Sektor sollte einen Token-Standard für den digitalen, programmierbaren Euro entwickeln. Hierbei sollte es Ziel sein, den digitalen, programmierbaren Euro als DLT-basierten Token zu emittieren, der auf verschiedenen DLT-Systemen emittiert und genutzt werden kann und auch zwischen den Systemen interoperabel transferierbar ist.
  • Schritt 4: Q1 2024: Ausgabe eines digitalen Euros durch die Europäische Zentralbank (EZB). Die EZB sollte in einem letzten Schritt einen digitalen Euro in Form einer digitalen Zentralbankwährung für die breite Öffentlichkeit ausgeben. Hierbei sollte die EZB die Entwicklungen des privaten Sektors fördern und potenzielle Lücken des zuvor vom Privatsektor ausgegebenen digitalen, programmierbaren Euros schließen. 

Der Weg zum digitalen, programmierbaren Euro

Aufgrund der weitreichenden Chancen eines digitalen, programmierbaren Euros sollten europäische Initiativen rund um den digitalen, programmierbaren Euro intensiviert werden. Hierbei ist eine Zusammenarbeit des privaten und des öffentlichen Sektors in Form einer „Private-Public-Partnership“ besonders erstrebenswert. Kurzfristig ist nicht zu erwarten, dass die EZB eine CBDC einführen wird. Allerdings sind bereits heute Marktlösungen für die Industrie erforderlich, um Wettbewerbsvorteile vor allem im Bezug auf programmierbares Geld und höhere Automatisierung zu realisieren. Diese Lösungen müssen deshalb kurz- bis mittelfristig vom privaten Sektor zur Verfügung gestellt werden. Eine Integration von DLT und IBAN-Konten und die Etablierung eines Euro-Token-Standards sind hierbei wichtige erste Schritte.

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