Bitcoin-Mythen: Wucher in den Transaktionsgebühren

Alex Roos

von Alex Roos

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Alex Roos

Alex Roos absolvierte einen B.Sc. in "Management, Philosophy & Economics" an der Frankfurt School of Finance & Management und schrieb seine Bachelorarbeit über die "Anwendungsfelder und Adaption der Blockchain Technologie". Ihn begeistern vor allem "pure" Kryptowährungen wie Bitcoin und Monero.

Quelle: No money after check pocket poor concept. via shutterstock

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Seit gut einem Jahr hält sich ein Argument hartnäckig in den Diskussionen um Bitcoin: Die Transaktionsgebühren seien horrend. Wer möchte Bitcoin als Zahlungsmittel verwenden, wenn die Gebühr höher als der Preis der gekauften Ware ist? Doch entspricht das noch der Wirklichkeit?
Das Netzwerk bietet die Transaktionskosten nach oben

Das Netzwerk bietet die Transaktionskosten nach oben

Anfang 2017 kristallisierten sich zwei Lager aus der Bitcoin-Community heraus – die Vertreter von Segregated Witness und die von Bitcoin Unlimited. In dieser Zeit erfuhr Bitcoin die Aufmerksamkeit des Mainstreams, das Netzwerk wuchs und die Blöcke füllten sich. Schließlich erreichten die Blöcke das Limit von 1 MB. Die Nutzer mussten in einen Wettbewerb eintreten, damit Miner deren Transaktionen möglichst bald in einen Block integrierten. Dieser Wettbewerb äußerte sich in steigenden Transaktionsgebühren. Der Mechanismus ist derselbe wie bei einer Auktion, bei der der Meistbietende gewinnt. Eine Transaktion kostete zwischendurch mehr als 40 Euro.

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Auswege aus dem Dilemma

Wer 2017 bereits im Bitcoin Space aktiv war, erinnert sich an die erbitterten Diskussionen zwischen den Big Blockern und Bitcoin Core/SegWit. Die Big Blocker wollten die Blocksize von 1 MB erhöhen, die SegWit-Vertreter wollten Segregated Witness aktivieren. Im Sommer 2017 gipfelte der Konflikt in einer Spaltung der Community. SegWit wurde aktiv und Bitcoin Unlimited forkte das Bitcoin-Netzwerk zu Bitcoin Cash.

Wie sieht die Welt ein halbes Jahr später aus?

Der Bitcoin-Mempool ist geleert. Das heißt alle angestauten Transaktionen sind abgearbeitet. Mittlerweile ist Bitcoin wieder günstig geworden. Mit einer Transaktionsgebühr von 5 Satoshi/Byte wird die Transaktion wahrscheinlich nicht in den nächsten Block geschrieben, aber wer ein paar Blöcke warten kann, hat gute Chancen. 5 Satoshi sind deutlich weniger als ein Eurocent. Eine Bitcoin-Transaktion kostet heute weniger als einen Euro in Gebühren, wenn man etwas warten kann. Das Argument, dass die Transaktionskosten Bitcoin unbrauchbar machen, stimmt also nicht mehr.

SegWit-Adressen optimieren Transaktionsgebühren

Wer an Transaktionskosten sparen möchte, benutzt am besten eine SegWit-Adresse. Diese erlauben optimierte Transaktionen mit weniger Gebühren. Außerdem ermöglichen einige Wallet-Anbieter benutzerdefinierte Transaktionsgebühren – der Nutzer kann selbst bestimmen, wie viel Satoshi er pro Byte bezahlen möchte. Ledger, Trezor, Coinomi, Electrum und MyCelium bieten diesen Service nativ an.

Ein Blick in die Zukunft

Bei der Debatte um die Transaktionsgebühren muss man berücksichtigen, dass es um First-Layer-Transaktionen geht. Dies sind Transaktionen, die auf der Blockchain selbst stattfinden und auch in die Blockchain geschrieben werden. Kryptowährungen skalieren allerdings nicht auf der Basisebene. Das Lightning-Netzwerk ist eine sogenannte Second-Layer-Lösung, weil es erlaubt, Transaktionen außerhalb der Blockchain abzuwickeln. Die Kosten hierfür sind deutlich geringer als bei einer On-Chain-Transaktion.

Bevor man sich über zu hohe Transaktionsgebühren im Bitcoin-Netzwerk beschwert, sollte man alle Optimierungsmöglichkeiten ausreizen. In mittelfristiger Zukunft werden ein Großteil der Transaktionen außerhalb der Blockchain abgewickelt. Die Transaktionskosten werden wahrscheinlich weiter fallen und vernachlässigbar werden.

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