BeeCoin: Berlin Art Week verbindet Bienen und Blockchain

Polina Khubbeeva

von Polina Khubbeeva

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Polina Khubbeeva

Polina Khubbeeva studiert Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Im Studium setzt sie sich besonders intensiv mit dem Verhältnis von Macht und Raum auseinander, weshalb Kryptowährungen für sie besonders im Hinblick auf globale Machtverschiebungen spannend sind.

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Quelle: Shutterstock

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Bienen, die auf Blockchain-Basis sozialen Mehrwert generieren? Das gab es dieses Wochenende auf der Berlin Art Week zu sehen. Eine Kooperation verschiedener Künstlerkollektive in Berlin lancierte eine eigene Kryptowährung namens „BeeCoin“. Das Besondere daran: Über Sensoren erfassen die Netzwerkknoten das Wohlergehen der Bienen und wandeln die Parameter in Ethereum-basierte Assets um. Diese nutzen die Künstler für die Finanzierung gemeinnütziger Projekte.

Am 12. September hat in der Bundeshauptstadt die Berlin Art Week begonnen. Unter den zahlreichen spannenden Events zogen das Programm und die Exponate im Haus der Statistik (HdS) am Alexanderplatz besonders viel Aufmerksamkeit auf sich. Der Gebäudekomplex diente einst der DDR als Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung für Statistik. Heute ist er ein unverfälschter Ort subversiver Kunstprojekte lokaler und internationaler Kreativer. Eines der spannendsten Projekte im Haus der Statistik ist der BeeCoin. Dieser ist im weitesten Sinne ein Crowdfunding-Projekt auf Blockchain-Basis, bei welchem lebendige Bienen eine zentrale Rolle spielen.

In mehreren Räumen des HdS stehen Bienenstöcke, die mit „Node“ markiert sind. Diese zeichnen das Wohlergehen der Bienen auf, indem sie Parameter wie beispielsweise die Körpertemperatur der Tiere messen. Aufgrund der dezentralen Datenspeicherung ist die Aufzeichnung der Werte völlig transparent und sicher vor Hacker-Angriffen und Manipulationen. Der BeeCoin liefert somit zuverlässige Aussagen über die Qualität und Gesundheit der Bienenstöcke.

Was passiert mit den Daten von BeeCoin?

Auf der anderen Seite des Bienenstocks können derweil Stakeholder die von den Bienen generierten und über einen Smart Contract als Ether erfassten Shares erwerben. Es entsteht dabei eine Art „Gemeinschaftskasse“, die an ein ökonomisches System zum Crowdfunding und zur Entscheidungsfindung gekoppelt ist. „Natürlich geben uns die Blockchain und dezentrale Organisationstechnologien erst die Möglichkeit dazu“, kommentiert Matthias Einhoff, künstlerischer Leiter des STATISTA-Projektes und einer der führenden Köpfe von BeeCoin, am Rande der Eröffnung am 14. September.


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Die Grundlage für die Entscheidungsfindung bildet unterdessen die Open Source Software Moloch. Das Datenbank-System entwickelt Verbesserungsvorschläge (sogenannte Proposals) für das Protokoll auf Grundlage der ermittelten Daten. Als Decentralized Autonomous Organization (DAO) gibt es den Beteiligten eine Woche Zeit, das Proposal mit JA oder NEIN zu beantworten. Inhalt dieses Proposals sind indes Ideen für die Finanzierung gemeinnütziger und ökologischer Projekte und ähnliche Vorschläge aus der Gemeinschaftskasse des BeeCoin.

In diesem Sinne ist der BeeCoin eigentlich kein richtiger Coin und keine echte Kryptowährung. Vielmehr stellt er ein dezentralisiertes und an Bienen geknüpftes Crowdfunding-System mit DAO-Charakter dar. Die Besonderheit an der Idee ist, dass dieses finanziell völlig unabhängig und selbstversorgend funktioniert.

BeeCoin: Ein Projekt verschiedener Berliner Künstler

Initiiert haben BeeCoin verschiedene politische, technologiebezogene und kreative Kollektive aus Berlin. Ursprünglich eine Idee von STATISTA, einer Vereinigung zwischen Aktivisten des Zentrums für Kunst und Urbanistik (ZK/U) und des KW Institute for Contemporary Art, haben sich die Künstler mit Biologen, Programmierern und Krypto-Ingenieuren zusammengeschlossen. Zu diesen zählt das lokale Bienenerhaltungsprojekt Moabees, die Kommunikationsplattform KUNSTrePUBLIK, die Minimal Viable Tech (MVT) Entwickler von Nascent und das Bienen-Monitoring-Projekt Hiveeyes.

Das BeeCoin-Projekt ist ein Experiment der Aufzeichnung der Gemeinschaft als Organisation. Und zwar in einer Form, die unsere Beziehung zu den Bienen symbiotisch verstärkt und die Verhältnisse in geteilten Gemeinschaften neu ordnet,

so leiten die Macher des Projekts ihre Beschreibung des BeeCoins auf ihrer Website ein. Der BeeCoin stellt einerseits die Frage nach der Nachhaltigkeit biologischer Versorgungsketten. Andererseits verwischt er die Grenzen zwischen Natur und Gesellschaft und ermöglicht die unabhängige Finanzierung gemeinnütziger Projekte durch den Einsatz der Blockchain.

Die BeeCoin-Nodes sind noch bis Ende des Jahres im Haus der Statistik, Otto-Braun-Straße 70-72, 10178 Berlin zu sehen. Der Eintritt ist frei.


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