Was man jetzt über Ripple und XRP wissen muss

Mark Preuss

von Mark Preuss

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Mark Preuss

Mark Preuss ist Gründer und Geschäftsführer von BTC-ECHO. Nach seinem Wirtschaftsstudium in den Niederlanden und in China führten ihn verschiedene berufliche Stationen im Finanzwesen zunächst in die Schweiz und schließlich nach Düsseldorf. Schon früh begeisterte er sich für digitale Währungen und die Blockchain-Technologie. In Ermangelung einer Anlaufstelle im deutschsprachigen Raum entschied sich Mark schließlich Ende 2013 dazu, mit BTC-ECHO eine eigene Medienplattform zu digitalen Währungen und Blockchain ins Leben zu rufen. Seither hat er BTC-ECHO zur reichweitenstärksten deutschsprachigen Plattform für Kryptowährungen entwickelt.

Quelle: Shutterstock

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Nachdem der XRP-Kurs seit dem 17. September um fast 200 Prozent ansteigen konnte, ist Ripple in aller Munde. Was sind Ripple, xRapid, und XRP und wie hängt das alles zusammen? Eine kritische Einführung in das Ökosystem der Kryptowährung.

An Ripple führt aktuell kein Weg vorbei. Die Suchanfragen haben sich in der letzten Woche vervielfacht und ebenso ist die soziale Aktivität auf Twitter angestiegen – alles korreliert mit dem sagenhaften Preisanstieg:

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Ripple, oder genauer gesagt XRP, ist bekannt als „der Bitcoin der Banken“. Der Kryptowährung wird vorgeworfen, stark zentralisiert zu sein und auch beim aktuellen Kurssprung haben kritische Stimmen von einem lancierten Pump gesprochen. Wie man zu dieser gewagten Theorie auch steht: Vom Timing her hätte das Announcement bezüglich der Markteinführung von xRapid nicht besser kommen können.

Auf welcher Seite der Front man auch steht, ob man Ripple-Befürworter oder Ripple-Gegner ist, in jedem Fall lohnt es sich, das System genauer zu kennen. Als Grundlage hierfür möchte dieser Artikel alles Wesentliche über das Unternehmen, seine Produkte und die Kryptowährung sammeln. Dabei werden sowohl ältere Artikel verlinkt als auch auf neue, externe Quellen verwiesen.

Für jene, die Ripple noch überhaupt nicht kennen, sei auf das Tutorial verwiesen, welches die Grundzüge hinter Ripple und XRP darlegt.

Geschichte von Ripple, Ripple Labs und XRP

Thorsten Langner hat in einer dreiteiligen Serie über das Ripple-Ökosystem geschrieben. Im ersten Teil stellte er die Geschichte von Ripple vor. Ohne zu sehr auf die Details einzugehen, sei gesagt, dass die Ursprungsidee von Ripple deutlich älter als Bitcoin ist: 2005 ist das Geburtsjahr von ripplepay.com. Bevor man jedoch behauptet, dass damit Bitcoin nicht die älteste aller Kryptowährungen sei, muss betont werden, dass Ripplepay ein IOU-System ist. Es ist also eine Art dezentrales Schuldschein-System und kein für sich stehendes Geld gewesen. Der Anspruch, ein digitales Äquivalent zu Gold zu schaffen, bestand zunächst nicht, sondern kam erst später. Ripplepay und Bitcoin haben ähnliche, aber nicht dieselben Ziele verfolgt. Ripplepay wollte ein Zahlungssystem sein, während Bitcoin den Anspruch hat, Geld zu sein.

xRapid, xVia, xCurrent, XRP – Wie hängt das zusammen?

Thomas Langner hat in den zwei weiteren Artikeln zu Ripple die unterschiedlichen Produkte von Ripple genauer betrachtet. Dabei hat er, ähnlich wie BTC-ECHO in einem weiteren Artikel, analysiert, welche der Produkte von XRP abhängig sind. In den Artikeln wurde gezeigt, dass xCurrent und xVia nicht mit der Kryptowährung arbeiten. xRapid dagegen benötigt die Kryptowährung.

Warum ist das wichtig? Gerade für Investoren ist es wichtig zu wissen, welche Produkte von Ripple wirklich mit XRP zusammenhängen. News über eine verstärkte Adaption von xCurrent können zwar einen indirekten, temporären Einfluss auf den XRP-Kurs haben, jedoch wäre das nur ein Hype. Im Gegensatz dazu sind Announcements wie das jüngst geäußerte über xRapid-Adaption durchaus interessant. Würde es wirklich zu einer Adaption vom xRapid kommen, würde das bedeuten, dass große Banken auf XRP angewiesen sind. Kein Wunder also, dass viele sich dadurch einen massiven langfristigen Kursgewinn erhoffen.

Die Sache mit der Dezentralität

Die oben verlinkten Artikel von Thomas Langer geben eine Übersicht über die verschiedenen Produkte. Im Kommentar vom 21. September 2018 sprach Sven Wagenknecht die Gretchenfrage der Dezentralität an. Diese wurde auch in einem anderen Artikel, der zusätzlich auf xRapid, xVia, xCurrent und XRP einging, diskutiert. Ripple wird nicht müde zu betonen, dass XRP nicht zu Ripple gehört und inzwischen dezentraler als Bitcoin sei.

Mit Blick auf die Möglichkeit des Aufsetzens einer Node ist die Aussage bezüglich der Dezentralität nicht ganz falsch. Das Entwickler-Portal von XRP beschreibt detailreich, wie man das macht. Dabei fällt jedoch auch auf, dass für das Speichern der gesamten Transaktionshistorie von XRP ein Speicherplatz von ungefähr sieben Terabyte benötigt werden würde. Der Ledger, obwohl er jünger als die Bitcoin-Blockchain ist, ist also über dreißig Mal so groß!

Bezüglich der Dezentralität gibt es jedoch noch zwei weitere Fragen im Raum, die selten angesprochen werden: die Verteilung und die Use Cases um die Kryptowährung.

Der Blick auf Indizes wie Coinmarketcap verbirgt einen Großteil des verfügbaren Supplies vor den Augen der Öffentlichkeit. Würde man den tatsächlichen Supply berücksichtigen, wäre die Marktkapitalisierung von Ripple mit 60 Milliarden US-Dollar solide auf Platz zwei. Wo sind jedoch die knapp 60 Milliarden XRP hin, die die Krypto-Indizes nicht aufführen? Der Großteil davon ist in den Händen von Ripple! Zwar sind sie in einem Escrow gesichert, der monatlich Zugriff über maximal eine Milliarde XRP ermöglicht, aber selbst diese Menge dürfte ausreichen, um den Marktpreis zu manipulieren.

Neben dieser Kapitalkonzentration stellt sich mit Blick auf die Anwendungsfälle ebenso die Frage, wie zentralisiert die Kryptowährung ist. Selbst mit dem Announcement von Ripple ist mit xRapid der große Use Case von XRP weiterhin kein unabhängiges Produkt. Zwar existiert mit Codius eine Smart-Contract-Lösung, die auf XRP aufbaut, aber diese steckt noch in den Kinderschuhen.

Wie bei anderen Kryptowährungen würde es der XRP-Community sehr gut tun, eine stärkere #buildl-Mentalität an den Tag zu legen und von Ripple unabhängige Lösungen auf Basis der Kryptowährung zu entwickeln. So würde die Kryptowährung tatsächlich ein von Ripple unabhängiges Projekt werden und der Kurs nicht sehnsüchtig auf xRapid-Announcements warten müssen.

Die XRP-Community – Eine Armee von Bots und Fake-Accounts?

Ein anderer Aspekt in Sachen „Dezentralität“, der auffällt, ist die starke Herdenmentalität in den sozialen Netzwerken. Ja, im Bitcoin- und Bitcoin-Cash-Ökosystem herrscht auch ein starker Maximalismus, aber dort finden sich durchaus unterschiedliche Positionen. Auf sozialen Netzwerken, insbesondere auf Twitter, haben manche den Eindruck, dass sehr organisiert und mit unlauteren Mitteln gegen kritische Stimmen vorgegangen wird. Ende August hat Geof Golberg, Co-Founder von Elementus, das Netzwerk der XRP-treuen Ripple-Accounts genauer analysiert. Er kommt in diesem längeren Artikel zum Schluss, dass ein Großteil der XRP-Community auf Twitter Fake-Accounts oder Twitter-Bots darstellen. Sollte das der Fall sein, ist online nicht von Dezentralität zu sprechen, die Online-Community wäre gleichgeschaltet. Es muss jedoch auch analysiert werden, wie die Situation bei anderen Kryptowährungen aussieht.

Ob und wie dezentralisiert XRP ist, kommt auf den Standpunkt an. Das Kapital und der Use Case sind es auf jeden Fall. Das Netzwerk selbst nicht. Doch vielleicht ist das die falsche Frage. Sicher, für klassische Krypto-Enthusiasten ist Dezentralität ein Wert an sich, doch wie steht es für die primären Kunden von Ripple? Für diese könnte ein Mittelsmann hilfreich sein. Auch hier kommt es anscheinend auf den Standpunkt an.

Für den Investor steht und fällt aktuell vieles mit xRapid. Wenn dieses Projekt tatsächlich früh launcht und wenn viele Banken es akzeptieren können, rosige Zeiten für Besitzer von XRP anbrechen.

 

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