Warum Warren Buffett unrecht hat – Der ewige Streit zwischen Spekulation und Investition im Krypto-Ökosystem

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: Warren Buffet via Shutterstock

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Zweifelsfrei ist Warren Buffett ein herausragender Investor, der zurecht als Koryphäe des Value-Investings gilt. Sein Credo: “Investiere nur in Dinge, die du verstehst”. Unter Beachtung dieses erfolgsversprechenden Mottos haben Warren Buffetts Investitionen über Jahrzehnte eine klasse Performance hingelegt. Diese Investitionsstrategie bringt viele Vorteile, ist aber nachteilig, wenn es um neue, noch wenig erforschte Technologien geht. Da Buffett über kein sonderlich technisches Know-How verfügt, hatte er bereits Investitionen in die großen Internetkonzerne verschlafen. So hatte er beispielsweise erst 2008 in eine damals schon sehr etablierte IBM investiert.

Auch mehrere Jahre später scheint sich nichts an Warren Buffetts Investitionsverhalten geändert zu haben. Da er offen zugibt, Blockchain und Kryptowährungen nicht zu verstehen, investiert er auch nicht in diese. Eine absolut konsequente und legitime Haltung – wer kann schon von sich behaupten die Krypto-Ökonomie vollends zu durchdringen?

Warren Buffetts Widersprüchlichkeit

Widersprüchlich wird es nur, wenn man dann trotzdem denkt, einen neuen Markt bzw. eine neue Technologie beurteilen zu können. So hatte Buffett bereits Anfang des Jahres in einem Interview geäußert, dass Kryptowährungen ein böses Ende nehmen werden. Auch in einem aktuellen Interview vor zwei Tagen ließ Buffett kein gutes Haar an Kryptowährungen und betonte, dass sich diese bestenfalls als Spekulationsobjekt für Zocker eignen würden – einen Investmentcase sprach er Kryptowährungen grundsätzlich ab.

Neben der unbegründeten These, dass Kryptowährungen ein böses Ende nehmen werden, stellt sich die Frage, inwiefern Warren Buffett Recht hat und sich Kryptowährungen nur zur Spekulation und nicht zur Investition eignen. Blickt man auf die Krypto-Börsen und die Überhitzungserscheinungen Ende 2017, dann drängt es sich durchaus auf, dass Warren Buffett mit seinen Äußerungen recht hat – alles nur Spekulation.

Mehr als nur spekulieren: Warum Investitionen in den Krypto-Markt möglich sind


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Blickt man hingegen genauer auf die Technologie, dann bekommt Buffetts Behauptung schnell Risse. Nach Buffet zeichnet sich ein Investment dadurch aus, dass der Investor eine Rendite aus der “Produktion” erwirtschaften kann. Bei einem Bauernhof sind es Äpfel und Kartoffeln, die man für Geld verkaufen kann. Bei einer vermieteten Wohnung sind es die Mieteinnahmen, die generiert werden. Und bei einem Unternehmen sind es die Gewinne durch den Verkauf von Waren und Dienstleistungen. Doch was wird in der Krypto-Ökonomie produziert?

Betrachtet man Kryptowährungen wie Bitcoin oder Monero, die als reine Zahlungs- und Wertaufbewahrungsinstrumente dienen, dann sind diese gemäß Warren Buffett genauso wenig Investitionsobjekte wie Devisen oder Gold. Was ist aber, wenn ein Blockchain-Protokoll die Dienstleistungen hervorbringt, die sonst ein Unternehmen erwirtschaftet? Schließlich kann man nach Buffetts Definition sehr wohl in ein Dienstleistungsunternehmen investieren, ergo stellt sich die Frage, warum das bei Blockhain-Plattformen bzw. Utility-Token nicht der Fall sein kann?

Es geht um mehr als nur Krypto-Börsen

Auch ein Blockchain-Netzwerk kann produktiv sein: Es können immer mehr Nutzer (Konsumenten) gewonnen werden, es können Dienstleistungen ausgetauscht und erarbeitet werden und es können die Gewinne auf die entsprechenden Akteure via Token verteilt werden – genau wie bei einem Unternehmen auch, nur eben dezentral. Dass es in der Realität kaum kommerzielle Krypto-Use-Cases gibt, die unter die Investitionsdefinition von Warren Buffett fallen, heißt noch lange nicht, dass Investitionen in die Krypto-Ökonomie nicht möglich wären. Wer in Aktien von Unternehmen investiert, kann genauso gut auch in Token von Blockchain-Startups investieren.

Folglich verwechselt Buffett die aktuelle Situation am Krypto-Markt, die primär spekulativ getrieben ist, mit den grundsätzlichen Investitionsmöglichkeiten, die das Krypto-Ökosytem, im Gegensatz zu Devisen oder Rohstoffen, bietet. Auch blendet Warren Buffett die Möglichkeit der Tokenization aus, die langsam den Krypto-Markt erfasst. Via Tokenized Assets, im Sinne digitaler Platzhalter, kann schließlich auch in eine Wohnung, einen Landwirtschaftsbetrieb, ein Schiff oder was auch immer investiert werden, das eine Rendite abwirft. Es mag zwar nicht der gegenwärtige Eindruck sein, aber die Funktionalität von Kryptowährungen ist nicht auf den Börsenhandel reduziert, wie Buffet annimmt.

Kurzum: Die Trennschärfe zwischen Investition und Spekulation stellt sich in der Krypto-Ökonomie als weniger klar heraus als es Warren Buffett für sich beansprucht. Auch wenn Buffett den Sinn von Kryptowährungen anzweifeln mag, sind Investitionen in die Krypto-Ökonomie gemäß seiner Auslegung möglich. Das Betreiben einer Masternode, das Anlegen von Geld in einer Proof-of-Stake-Währung oder auch das Mining erfüllen zum Beispiel die Kriterien seiner Definition. Ob das Produkt, in dem Fall der jeweilige Token, einen Sinn hat oder eine Funktion erfüllt ist eine andere Frage. Auch Unternehmen produzieren Waren oder bieten Dienstleistungen an, die nicht von jedem verstanden oder als sinnvoll erachtet erachtet werden.

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